Alfa Romeo Alfasud Giardinetta

Alfasud Giardinetta Alfasud Giardinetta

Alfa Romeo Alfasud Giardinetta

— 01.03.2010

Der Alfa-Perfektionist

Alfasud! Ausgerechnet den rostigen Rufmörder von Alfa Romeo hat sich Hans Hamer aus Hamburg für das Hobby-Schrauben ausgesucht. "Das machen wir jetzt mal richtig", war der Satz, mit dem alles begann.

Es gibt Situationen, da diskutieren Alfa-Männchen nicht so gern: "Das machen wir jetzt mal richtig", war einer dieser folgenschweren Sätze für eine Dauerbaustelle, die übers Wochenende geöffnet war und blutige Finger, lange Gesichter und einen äußerst strapazierfähigen Kumpel sah, der seine Doppelgarage mit Grube zur Verfügung gestellt hatte – zehn Jahre lang. Dottore Hans Hamer liebt italienische Lebensart und Autos, die nach Pavarotti klingen. Und natürlich seine Frau. Reiner Zufall, dass zwischen den beiden auch die automobile Passform stimmt. Einen originalen Alfasud Giardinetta, den Kombi also, hatte die Dame des Herzens vor 21 Jahren in die Beziehung eingebracht. Entdeckt auf dem Innenhof eines absatzgeplagten Alfa-Händlers in Hamburg, wo er ein Jahr lang die müden Achsen von sich streckte.

Zur Markengeschichte: 100 Jahre Alfa Romeo

Radikal-OP: Die A-Säule war durch. In bester Karosseriebaukunst wurde eine neue angepasst.

Ein kleiner Aufkleber an der Heckscheibe verriet die Herkunft, das Kennzeichen stempelte sie ab: "HH-TS ..." – ein Servicewagen für Renneinsätze im Tourenwagen-Sport. Der Werkstattwagen des branchenbekannten Alfa-Spezialisten Stahlberg. Alfasud Giardinetta, Baujahr 1979 – so was war schon Ende der 80er selten wie Grappa Riserva vom Pizzabäcker, und deshalb schreckten auch die übertuschten Rostbläschen an der linken A-Säule des kleinen Alfa nicht wirklich ab. "Das-machen-wir-jetzt-mal-richtig" gerät am Ende zur Total-Demontage mit komplettem Neuaufbau. Gut und gern 30.000 D-Mark seien reingeflossen, die eigene Arbeit natürlich nicht mitgerechnet, erfahren wir von Hans Hamer, der über reichlich Schrottplatzerfahrung verfügt und einen Dreizehner-Maulschlüssel blind ertasten kann. Im Alter von 15 Jahren das erste Mofa zerlegt, danach mit Autobianchi A 112 Junior, Fiat Panda, Giulia Super 1.6 und Fiat 124 Spider nicht unbedingt auf jenem zuverlässigen Autokurs, auf dem ihn der Vater, ein Banker und Hobbyhandwerker, so gern gesehen hätte: "Er wollte, dass ich Polo fahre."

Der Alfasud rostete schon als Neuwagen

Immerhin hat sich der Junior vom Senior eine Menge abgeguckt. Und genügend Selbstvertrauen gesammelt, sein Meisterstück anzugehen, den kleinen Kombinationskraftwagen von Alfasud. Nein, es stimmt nicht, dass bei diesem Alfa aus den Untiefen neapolitanischer Fertigung schon die Heftklammern im Prospekt rosteten. Richtig ist: Die Autos gammelten erst im Verkaufsraum des Händlers. Es ist auch egal, ob es der russische Recyclingstahl war oder die Zwischenlagerung unbehandelter Rohkarossen unter freiem Himmel. Aufmüpfigkeiten des ländlich geprägten Südens gegen die Schlipsträger im feinen Milano gab es beim Staatsbetrieb Alfa Romeo seinerzeit in Serie. Die Folgen waren Schlampigkeiten bis in die brechenden Querlenker vorn, Rückrufaktionen und immer wieder: Rost, Rost, Rost.

Heute ein Unikat

"Geschweißt hat mein Freund, für Elektrik und Bremsen haben wir uns einen Experten geholt", sagt Hans Hamer und zeigt nicht ohne Stolz auf den selbst eingezogenen Dachhimmel des blauen Sud, der "drei volle Wochenenden gedauert hat". Am Ende steht der kleine Kombi perfekt da, das Gutachten von 2005 spricht ihm einen Wiederbeschaffungswert in Höhe von 28.000 Euro zu. Theorie. Denn wie soll wiederbeschafft werden, was quasi nicht mehr existiert? Fünf Exemplare des Alfa-Typs 904 laufen derzeit noch in Deutschland. Hinzu kommen ein paar traurige Teileträger. Wie zum Beispiel der rote Kombi von 1978, den Hamer im Spätherbst 1999 aus der AUTO BILD-Aktion "Rettet die Raritäten" an Land gezogen hat. 800 Euro war der Preis für einen Haufen Schrott. Aber womöglich macht Dottore Giardinetta auch den bald mal richtig.

Autor: Karl-August Almstadt

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