Alfa Romeo Spider 1300 Duetto

Alfa Romeo Spider Duetto Alfa Romeo Spider Duetto

Alfa Romeo Spider 1300 Duetto

— 29.01.2010

Die Droge Duetto

Alfa fahren ist wie Herpes, so Astrid Franzen. "Du wirst es nie wieder los." Auch wenn die Leidenschaft 1975 als Hassliebe begann. Seitdem fährt Astrid Franzen ihren Alfa Spider 1300 Duetto.

Nur mal kurz nach Düren fahren. Nur mal kurz gucken. Aus "nur mal kurz" kann eine ganz schön lange Geschichte werden. Im Fall von Astrid Franzen sind es 35 Jahre. So lange ist es her, dass ihr Mann ihr einen Duetto Spider 1300 Junior von 1968 schenkte. "Dabei wollte ich eigentlich gar kein Auto!" Die zierliche Frau fühlte sich mit einem Alfa schon gestraft genug. "Mein Mann fuhr einen Giulia Sprint GT 1600. Ständig war der kaputt, und ich durfte mich um die Reparaturen kümmern." Die gelernte Krankenschwester schmunzelt, wenn sie von damals erzählt. Von dem jungen Arzt und seinem coolen roten Auto, nach dem sich ihre Kolleginnen den Kopf verdrehten. "Nur wegen des heißen Italieners habe ich mich auf ihn eingelassen", lacht die 57-Jährige und nippt an ihrem Sekt.

Zur Markengeschichte: 100 Jahre Alfa Romeo

Warum Alfa? "Weil ich mir auch Kleider kaufe, die so teuer sind wie eine Waschmaschine", sagt Astrid Franzen. Der Duetto passt zu ihr.

Wir sitzen im Esszimmer ihrer Bauhausvilla in Köln-Junkersdorf. Edle Art-déco-Möbel mischen sich mit Micky-Maus-Figuren und einer Jukebox voller Connie-Francis-Platten. Frau Franzen hat Stil. Wenn sie ein Souvenir-Stück Asphalt aus der alten Rennstrecke von Monza hackt, trägt sie dabei Chanel. In vorgefertigte Formen lässt sich die Dame nicht pressen. "3500 Mark verlangte der Verkäufer für den Duetto. Das fand ich zu teuer. Aber mein Mann wollte dafür mit dem Rauchen aufhören." So fährt sie los, zusammen mit ihrem Vater. Nur mal kurz, um zu gucken. Beim Anblick des Duetto ruft ihr Vater: Wenn du den nicht willst, nehme ich ihn. Doch sie will. Auch weil genug Platz für die Babytrage von Sohn Stefan da ist. Ohne eine Probefahrt kauft Franzen den Duetto. "Ich vertraute meinem Vater, der war Motoreningenieur bei Klöckner-Humboldt-Deutz."

Kapriziöse Alfa-Technik

Doch auch Techniker fangen Feuer, wenn es um die feinen Pininfarina-Formen eines Alfa Romeo Spider geht. Die echten Flammen, die beim Gasgeben aus dem Auspuff des Rundhecks spucken, bemerkt der alte Herr erst, als es schon zu spät ist: auf der Heimfahrt. Ja, sie habe Alfa gehasst am Anfang. "Ewig waren die Autos kaputt." Eine besondere Schwäche: die Zylinderkopfdichtung. "Wenn man zu schnell Gas gab, bevor er warm wurde, war wieder einer platt. Mein Vater tauschte die Kopfdichtungen in Serie. Wir hatten drei für zwei Autos vorrätig." Trotzdem zahlt Franzen allein in den ersten zehn Jahren fast 20.000 D-Mark an diverse Werkstätten. Freunde feixen, sie besitze die teuerste Tonne Schrott von ganz Köln.

Droge Duetto wirkt

Schuld ist oft ihr Mann. Franzen: "Der fuhr gern 200. Aber wer kann es ihm verübeln, bei dem fulminanten Sound, der Beschleunigung und dem eleganten Handling?" Schuld sind aber auch die fiesen Abzocker damaliger Werkstätten: Einer wechselte die Ventile einzeln, um jedes Mal eine neue Teilzerlegung des Motors berechnen zu können. Die legendären Hitzesommer von 1975 und 1976 lindern das Leid. "Sonne, blauer Himmel, der Wind im Haar. Ich war süchtig nach Cabriofahren." Die Droge Duetto beginnt zu wirken. Eine Tante schenkt dem jungen Paar das Geld für Farbfernseher und Spülmaschine. Aber Franzen steckt alles in den Spider. 1981 stirbt ihr Mann bei einem Autounfall. Zwei Alfa kann sich die junge Witwe jetzt nicht mehr leisten. Schweren Herzens entschließt sie sich, den Alfa Sprint GT zu verkaufen.

Bruchsteinplatten im filigranen Duetto-Heck

1990 kaufte Astrid Franzen einen Bertone von 1965 für ihren Sohn. 1994 holte sie sich eine Giulia Super 1600 von 1967.

Aber sammelnswert ist so ein Coupé noch nicht, außerdem hat sich der Rost in sein unkonserviertes Blech verbissen. "Keiner wollte ihn haben – auch nicht geschenkt." So baut sie das Radio aus, hebelt die Radkappen ab und lässt den Rest verschrotten. Der Spider aber muss bleiben. Um an Duetto-Ersatzteile zu kommen, tritt Astrid Franzen dem Alfa-Club bei. Sie reist mit ihrem Duetto durch ganz Europa. Nach England, zur Mille Miglia und aufs etwa 2509 Meter hohe Timmelsjoch. "Da röchelte er etwas, aber sonst fährt der wie die Feuerwehr." Auch im Alltag: "Ich habe im Rundheck schon eine Parkettschleifmaschine und Bruchsteinplatten transportiert." Dieses Auto, da ist sie sicher, will sie fahren, bis sie nicht mehr rauskommt. Astrid Franzens neuer Lebenspartner lacht darüber. Ingolf Grunow (68) steuert eigentlich einen alten Porsche. Zurzeit steht der aber viel in der Garage. Bei gutem Wetter möchte Grunow nämlich lieber Duetto fahren. Nur mal ganz kurz, versteht sich. Aber wir wissen ja bereits, wie lang kurz sein kann.

Autor: Daniela Pemöller

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