Altwagen-Beseitigung

Altwagen-Entsorgung

— 22.11.2010

Autowrack kann den Führerschein kosten

AUTO BILD Archiv-Artikel 50/1986: Wer jetzt sein altes Auto verschrotten will, bekommt kaum noch Geld dafür. AUTO BILD verrät, warum Altwagen seit einiger Zeit nichts mehr wert sind.

AUTO BILD Archiv 50/1986: "Nee, Meister, da gibt's nichts mehr für." Der Mann bei der Kölner Autoverwertungsfirma Rheindorf lässt nicht mit sich handeln. Nicht einen Penny lässt er sich entlocken. Gut, der Käfer hat schon 20 Jährchen unter der Haube, aber wenigstens für die erneuerten Kotflügel oder die Fenster müsste doch was drin sein. Der Händler bleibt hart: "Seien Sie froh, dass Sie nicht noch Geld mitbringen müssen." Autofahrer, die ihren Altwagen noch vor dem Winter loswerden wollen, haben woanders kaum mehr Glück. Gab es bis vor kurzem wenigstens noch ein Ta­schengeld, muss man jetzt schon zwi­schen 30 und 50 Mark draufzahlen, damit das Wrack überhaupt abgeholt wird. Die Folge: Mehr und mehr Autofahrer wäh­len die vermeintlich billigere Lösung und stellen das betagte Stück unauffällig am Straßenrand ab.

Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download

Über solche Rostlauben ohne Kenn­zeichen, die scheinbar ohne Besitzer auf Fußwegen, Wiesen oder Waldlichtungen vor sich hin rosten, stolpern die Streifen­beamten der Polizei. Und jetzt kommt das Wrack seinen Besitzer teuer zu stehen. Denn das Verschrotten auf diese Art verstößt gegen das Gesetz. Über die Fahrgestellnummer findet die Polizei den Halter immer heraus. Mit Glück kommt dieser mit einem Bußgeld von 80 bis 100 Mark und einem Punkt in der Flensburger Kartei davon. Im schlimmsten Fall kann die Geldbuße sogar 100.000 Mark betragen. Reagiert der Halter trotz mehrerer Benachrichti­gungen nicht, kann das Punktekonto in Flensburg bis zum Limit anwachsen: Dann ist der Führerschein futsch!

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Dann doch lieber zum Schrotthändler. Bei einigen lässt sich noch etwas heraus­schinden, wenn Kotflügel oder Türen zu einem gerade gesuchten Modell passen. Auch Reifen mit Profil können noch was bringen. Beim richtigen Händler gibt es für einen abgetakelten VW Scirocco oder einen Kadett D sogar noch bis zu 250 Mark, denn Ersatzteile dieser Marken sind bei Bastlern gesucht. Es lohnt also in jedem Fall, sich in der Umgebung nach dem besten Preis umzuhören. Doch zwischen Hamburg und Mün­chen liegt der reine Schrottwert bei Null. Der Grund: Die Weiterverwerter von Alt­metall zahlen für die Tonne Schrott weniger als je, etwa 20 bis 30 Mark.

Problem: der hohe Plastikanteil

Und nicht alles, was in den 37 großen Shred­der-Anlagen in der Bundesrepublik durch den Reißwolf geht, ist Eisen. Rolf Willeke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Schrottwirtschaft: "Der Müllanteil im Au­toschrott liegt bei etwa einem Drittel und wird immer größer. Müll, das sind für uns die etwa 20 bis 30 Kunststoffarten, die wir aussortieren und für teures Geld auf die Deponie bringen müssen." 1970 betrug der Kunststoffanteil bei einem Mittelklas­sewagen durchschnittlich noch 40 Kilo. Heute liegt er bei über 93 Kilo. Und Pla­stik, Textilien, Gummi und Glas bringen kein Geld, sondern müssen teuer gela­gert und abgeführt werden.

Schrottpreise am Boden

Von den jährlich zwei Millionen Auto­wracks, die in die Schrottbetriebe wan­dern, bleibt für die Stahlproduktion zwar ein hochwertiger Shredder-Schrott zu­rück, doch in den letzten 15 Monaten ist der Schrottpreis Rapide gefallen. "Statt 220 Mark bekommen wir nur noch 110 Mark für die Tonne", beklagt Geschäfts­führer Willeke den Verfall. "Der Rück­gang der Stahlproduktion und der Dol­larsturz sind schuld. Wenn die Entwick­lung anhält, können wir für Autoschrott nichts mehr zahlen. Im Gegenteil: Dann muss der Autofahrer für das Verschrotten seines Fahrzeugs noch löhnen. Entsor­gung von Schrott wird wie in anderen Bereichen zur bezahlten Dienstlei­stung." Trotzdem – lieber löhnen. Eine ordent­liche Beerdigung auf dem Autofriedhof ist billiger als Bußgeld und Abschleppge­bühr. Vor allem, wenn Punkte in Flens­burg drohen und gar der Führerschein in Gefahr ist.

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