Audi 100 (1968-1976)
— 16.03.2002Der Prokuristen-Mercedes
So wurde der erste große Audi einst abgestempelt. Heute sehen wir ihn völlig anders.
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Doch das Zweitakt-Prinzip hat ausgestunken. Daran ändert auch der F 102 von 1963 nichts. Zwei Jahre später kauft Volkswagen die maroden vier Ringe. Künftig sollen in Ingolstadt nur noch Käfer vom Band krabbeln. So jedenfalls will es Heinrich Nordhoff, der Wolfsburger Übervater und glühende Verfechter des Heckmotors. Zwar wird zunächst der F 102 zum Viertakt-Audi. Doch die Tage des Bastards sind gezählt. Zumal das wassergekühlte Triebwerk nicht den Geschmack des VW-Herrschers trifft. "Mitteldruck-Motor" nennen die Werbetexter das Herz mit der hohen Verdichtung, deren Niveau zwischen Benzinern und Dieselmotoren liegt. Eine Mercedes-Mitgift, ursprünglich für den Bundeswehr-DKW Munga entwickelt.
Mercedes-Herausforderer
Nordhoff untersagt dem Audi-Chef Rudolf Leiding, neue Modelle zu entwickeln. Doch Technik-Leiter Ludwig Kraus bastelt mit einer verschworenen Mannschaft im Verborgenen an der Zukunft.Der Leichtbau-Pionier und Konstrukteur der legendären Mercedes-Silberpfeile erschafft in wenigen Wochen den "großen Audi" auf dem Reißbrett. Designer? Kein Geld. Kraus macht alles selbst. Als Leiding das 1:1-Modell sieht, ist er außer sich. Und doch begeistert. Aber was wird Nordhoff sagen? "Ein schönes Auto. Ein sehr schönes Auto", ist dessen Kommentar überliefert. Nur noch Formsache, die Fertigung zu besiegeln.ANZEIGE
Historie und Daten
Modellgeschichte Der erste Audi 100 erscheint im November 1968 mit wahlweise 80, 90 oder 100 PS. Sein 1760-cm3-Reihenvierzylinder stammt aus dem Audi Super 90. Mit einem Basispreis von nur 8900 Mark (80 PS) ist der erste deutsche Fronttriebler der oberen Mittelklasse eine klare Kampfansage an die etablierte Konkurrenz. 1969 debütieren der Zweitürer und das Coupé (1,9 Liter, 115 PS), dessen Fertigung jedoch noch ein Jahr auf sich warten lässt. Gleichzeitig wird ein Cabriolet verworfen. Zum Modelljahr 1972 steht der Audi 100 als 85-PS-Normalbenziner, als LS mit 100 PS sowie als GL (Doppelscheinwerfer, Coupé-Motor auf 112 PS gedrosselt) am Start. Zwei Jahre darauf wird die Frontpartie nach dem Muster des neuen Audi 80 begradigt, den Drehstab an der Hinterachse ersetzen jetzt zwei Schraubenfedern. Im Oktober 1974 wandern die bisher am Getriebe liegenden Scheibenbremsen nach außen, weil sie häufig zum Verölen neigen und schwer zu warten sind. Zeitgleich erscheint der 1,6-Liter-85-PS aus dem Audi 80, VW Passat und Scirocco als Einstiegsmotorisierung. Die Produktionseinstellung erfolgt im August 1976. Nachfolger wird der intern als C2 bezeichnete Audi 100, der kurz darauf auch als Fünftürer (Avant) und Fünfzylinder zu haben ist.| Technische Daten | |
| Zylinder | 4 Reihe |
| Gemischaufbereitung | 1 Registervergaser Solex 32/35 |
| Hubraum | 1760 cm3 |
| Leistung (Drehzahl) | 100 PS (5500/min) |
| 0-100 km/h | 11,9 Sekunden (Automatic 14,0 s) |
| Getriebe | Viergang (a.W. Automatik) |
| Höchstgeschwindigkeit | 172 km/h (Autom. 170 km/h) |
| Fahrwerk | Federbeine/Doppelquerlenker vorne, Starrachse/Federstab hinten |
| Länge/Breite/Höhe | 4635/1729/1421 mm |
| Leergewicht | 1090 kg (Automatik 1110 kg) |
| Bereifung | 165 SR 14 auf Felge 4½ Jx14 |
| Neupreis 1972 | 11.200 Mark |
| Stückzahl (alle Vers.) | 827.474 (davon 30.687 Coupé) |
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