Audi 100 5S CD Avant Typ 43

— 23.10.2008

Audi mit schrägem Ende

Ab 1977 bot Audi den Edelkombi Avant an. Der Audi mit dem schrägen Heck sollte die Vorzüge eines Kombis in der oberen Mittelklasse etablieren. Andreas Schwaer hat einen seltenen Audi 100 5S CD Avant gerettet.



Es ist eine Geschichte aus der alten Bundesrepublik. Vom Lebensgefühl einer Generation, die ihr Geld sicher anlegte und der Ruhe und Ordnung wichtiger waren als Fun und Action. Herr Helmuth Fest aus Rosenheim, Jahrgang 1915, kaufte sich 1979 seinen Audi 100 5S CD Avant. Und behielt ihn für den Rest seines Lebens. Helmuth Fest zahlte Aufpreis für den Lack in Indianarot-Metallic, für die CD-Ausstattung, den 5S-Fünfzylinder mit 115 PS. Und er feilte die Knöpfe der "Power-Lock"-Zentralverriegelung ab, damit die Drahtschlinge des Autodiebs keinen Widerstand finden würde.

Der Erstbesitzer fuhr den Avant nur im Sommer und parkte nur in Garagen

Eine Liste im Internet bescherte Andreas Schwaer den Audi 100 5S CD Avant.

Herr Fest fuhr seinen Audi ausschließlich im Sommer, dann aber über weite Strecken. Aber nur wenn garantiert war, dass am Ziel eine Garage bereitstand. Seinen Avant hätte er nie länger im Freien stehen lassen. Menschen wie Helmuth Fest prägten das Bild des Autos auf Jahre. Sparsam, vernunftbetont, sorgfältig. Als Herr Fest starb, suchten die Erben einen würdigen Nachfolger, der den Audi ehren würde, wie es der Erstbesitzer tat. Sie fanden ihn in Andreas Schwaer (44) aus Soltau. Durch Zufall und doch treffsicher. "Bei einem Audi-Treffen stand mein Name ganz oben auf der Teilnehmer-Liste, sie hatten nach Vornamen sortiert. Die Erben fanden die Liste im Internet und riefen mich als Ersten an", sagt Schwaer.

Mit fünf Zylindern, viel Platz und günstigem Preis gegen BMW und Mercedes

Für das Farbkonzept im Innenraum engagierte Audi einen Stararchitekten.

Seine Eltern hatten auch mal einen Audi 100 vom Typ 43. Zwar nur das Kassenmodell mit 1,6-Liter-Vierzylinder und 85 PS, aber dieses Auto hat ihn geprägt. Der Audi 100 Typ 43, gebaut von 1976 bis 1982, war einmal das Aushängeschild des aus VW und Audi/NSU geformtem VAG-Konzerns, Ferdinand Piëchs erste Attacke gegen Mercedes und BMW. Viel Raum für wenig Geld und fünf Zylinder fürs Prestige machten den Anfang. Nur der Avant (Werbetext: "Raum in seiner schönsten Form"), schräger Wegbereiter der Luxus-Laster-Welle, war seiner Zeit zu weit voraus. 795.312 Stufenheck-Limousinen stehen nur 49.688 gefertigte Avant gegenüber. Aller Avant Anfang: eine "jugendfrische Karosserie" Das Ergebnis war kaum besser als beim allerersten Audi Kombi. Schon von Audi 60, 75 und 80 hatte es seit 1966 sehr gelungene Kombinations-Wagen gegeben.

Gemäß der Auto-Union/DKWTradition stand beim Prototyp noch Universal an der Heckklappe, Volkswagen setzte auf Familienähnlichkeit und ließ "Variant" dranschreiben – aber nur 27.492-mal. Der Audi 100 Avant wagte ab August 1977 den Neuanfang. Die Ingolstädter Presseabteilung nannte ihn Fließheck, sprach von einer "jugendfrischen Karosserie" und klang selbst ein bisschen hilflos dabei: "Der Audi 100 Avant ist ein eindrucksvolles Auto, dessen Styling sich wohltuend von konventionellen Fahrzeugen abhebt und den progressiven Charakter dieser Großraum-Limousine unterstreicht." Aha.

433 bis 1113 Liter passen ins Heck, der Skisack hinter der Mittelarmlehne war ein innovatives Extra. Der Aufpreis zum Stufenheck lag bei 595 Mark, Herr Fest packte noch ordentlich eins drauf, ließ zum Schutz der Flanken die breiten Zierleisten des Audi 200 anbringen und eine Klimaanlage nachrüsten. Bestellte Schiebedach und CD-Ausstattung. CD hieß vier Kopfstützen, Leichtmetallräder, elektrische Fensterheber, Stoßstangenhörner mit Waschdüsen, Nebelscheinwerfer, Plüschkissen für den Fond. Kaum zu glauben, dass sich bei Audi die Designer mal getraut haben, eine braune Armaturenlandschaft mit sandfarbenen Sitzen und rotem Metalliclack zu kreuzen.

Nur noch 10 Typ 43 Avant sind in Clubkreisen bekannt

Einen echten Kombi trauten sich die Audi-Leute 1977 noch nicht, also wagten sie das Schrägheck.

Rund zehn Avant sind Andreas Schwaer in Deutschland noch bekannt. Der Norddeutsche tut alles, um den Pflegezustand des raren Wagens ins H-Kennzeichen-Alter zu retten. "Leider hatten die Erben die schönen alten Aufkleber der Urlaubreisen abgekratzt. Sie dachten, sie tun mir einen Gefallen", schüttelt der Personalleiter den Kopf. Schwaer bewegt den Avant nur zu Oldtimer-Treffen, wo Besucher staunen: Denn so einen schrägen Typ haben sie ewig nicht mehr gesehen. Die Türen schließen satt, auch wenn die Spaltmaße noch nicht superknapp ausfielen. Links und rechts der Lenksäule liegen die kleinen Hebel für Licht und Warnblinker, an denen jeder Audi-Anfänger hängenbleibt. Sanft und träge schmatzt die VW-Automatik, vorn wummert der Fünfzylinder im Basston. "Früher wolltet ihr mich nicht, selbst schuld", scheint er sonor zu wispern. Helmuth Fest aus Rosenheim sah es zum Glück anders.

Technische Daten Audi 100 5S CD Avant Typ 43

Fünfzylinder, Reihe vorn längs • oben liegende Nockenwelle • Hubraum 2144 ccm • Leistung 115 PS bei 5500 U/ min • maximales Drehmoment 166 Nm bei 4000 U/min • Dreistufen-Automatikgetriebe • Vorderradantrieb • Länge/Breite/Höhe 4587/1768/1390 mm • Leergewicht 1110 kg • Einzelradaufhängung vorn, Starrachse hinten • Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten • Höchstgeschwindigkeit 175 km/h • 0–100 km/h 12,9 s • 10,2 l S/100 km • Preis 17.050 D-Mark (1977)


Weitere Schrägheck-Limousinen:

Rover SD1

Renault 20

Autor: J. H. Muche



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