Audi 100 Avant Typ 43 im Check

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Audi 100 Avant Typ 43 im KLASSIK-Check — 04.10.2011

Mit den Augen des Experten

Mit den Stärken und Schwächen alter Audi kennt sich Karsten Seiffert bestens aus. Seit über 30 Jahren repariert der Kfz-Mechaniker die Autos mit den vier Ringen. Wir zeigen ihm unseren Dauertestwagen, einen Audi 100 Avant Typ 43.

"Oh, der ist ja gesund!" Karsten Seiffert vom Audi Zentrum Kassel hat den Teppich im Kofferraum unseres Audi 100 Avant angehoben und ist angenehm überrascht. Seit 1978 arbeitet Seiffert als Kfz-Mechaniker bei Audi und einen so rostfreien Typ 43-Kofferraum hat er selten gesehen. "Im Gepäckabteil gammelte er gern", sagt er. Und muss es wissen, denn als er in den 70ern in die Lehre ging, hatte er beinahe jeden Tag mit dem Typ 43 zu tun. "Im Kofferraum mussten wir standardmäßig nach gewisser Zeit neue Massepunkte legen, um die Stromversorgung der Rücklichter zu garantieren." Grund: Feuchtigkeit, die von oben her eindrang. Und schweißen. "Das hab ich an diesen Autos wirklich gelernt!" Die Träger unter dem Kofferraum, die Schweller, die unteren Enden der A-Säulen, die Frontmaske, sogar die Stehbleche verrotteten, um nur einige Beispiele zu nennen. "Damals sahen wir die Kunden öfter als heute."

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Das staunt der Profi: Der Kofferraum des AUTO BILD KLASSIK-Avant ist rostfrei.

© N. Petersen

Dafür hätten die Motoren mehr Spaß gemacht, besonders der 136 PS starke Fünfzylinder. "Wartungsintensiv, aber wartungsfreundlich, weil leicht zugänglich", so hat der Vollblut-Audianer das Aggregat unseres Dauertestwagens in Erinnerung. Alle 7500 Kilometer musste ein Ölwechsel sein, alle 15.000 Kilometer gab es neues Öl und neue Kerzen, alle 30.000 Kilometer einen neuen Öl-Filter. "Läuft er rund?", fragt Seiffert und legt prüfend drei Finger auf die Kopfdichtung. Als wir verneinen, grinst er. "Hätte mich auch gewundert." Konstruktionsbedingt erwärme sich die Einspritzdüse am fünften Zylinder so sehr, dass der Sprit zum Teil noch vor dem Brennraum verdampfe. "Lässt sich nicht ändern, ist aber wenigstens kein Grund zur Sorge." Damit und mit dem Lüfter-Heulen müssten Typ 43-Eigner eben leben, damals wie heute. Pflege man den Motor aber richtig, halte er sehr lange, sogar bis zu 400.000 km.

Die Autos der 70er: Made in Japan

Der Klassiker beim Typ 43: Am unteren Ende der A-Säule rostete es oft besonders schlimm.

© N. Petersen

Toller Motor mit notwendigem Übel drumherum, also? Nicht ganz. "Den Typ 43 braucht man zum Wechsel der Stoßdämpfer nicht mal aufbocken. Holzklötze drunter, Haube auf, raus- und wieder reinschrauben, fertig. Das war damals echt praktisch!", lächelt und drückt auf den Knopf der Hebebühne. Mit der Stablampe wandert er dann unter dem Auto durch, fühlt hier, drückt dort und ist sich am Ende sicher: "Zustand 3 plus", sagt er und wiegt seinen Kopf hin und her. "Was nicht schlecht ist, wenn man bedenkt, dass es keine Ersatzteile für das Auto gibt." Ob Audi da nicht etwas tun könne, will er wissen. Es sei schade um jeden Ringträger, der nicht mehr auf die Straße dürfe. Als wir fahren wollen, hat er noch einen Tipp: "Checkt die Kabel unter dem Teppich im Fahrerfußraum mal durch. Die Steckverbindungen korrodieren gern und dann blinkt's hinten, wenn ihr auf die Bremse steigt."

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