Audi 100 CD 5E Typ 43

Audi 100 CD 5E

— 01.02.2011

Fünf Freunde sollt Ihr sein

Reihenweise verschlangen wir als Kinder Enid Blytons "Fünf Freunde"-Bücher, während Papa uns im Audi 100 5E chauffierte. Das war ein schon ein Paukenschlag, die Sache mit den vier Ringen und den fünf Zylindern.

Audi präsentierte zum Modelljahr 1977 seinen neuen 100 und pflanzte ihm den Keim dessen ein, was das Image der Hosenträger-Marke auf immer in Richtung sportlicher Olymp katapultieren sollte. Aus 2,2 Liter Hubraum drehten 136 Pferdestärken bereitwillig aus dem Drehzahlkeller in Richtung der 6000er-Marke, stürmten bis auf Tempo 190 und bellten, fauchten und knurrten bei jedem Gasstoß. Konnte dies wirklich ein Audi sein? Oh ja. Die neue Modellgeneration wartete mit größeren Außen- und Innenmaßen als der Vorgänger auf und buhlte damit auch ganz unverhohlen um Familien. Eine Ära der großen Experimente war es nicht, wenn auch die Ingolstädter mit dem Avant als erste deutsche Marke in dieser Klasse die große Heckklappe einführten.

Schräge Nummer: Audi 100 Avant Typ 43

In Metallic wurde ein Audi 100 zur Business-Limousine, auch wenn dieses Wort damals noch niemand kannte.

Mit zunächst recht verhaltenem Erfolg, die Stufenheck-Limousine entschied das Rennen um die Käufergunst klar für sich. Der Stern am oberen Ende der Modellpalette hörte auf den Namen Audi 100 CD 5E. Hier war die Marke ganz oben: Fischgrät-Velours, Kopfstützen auch im Fond, vier elektrische Fensterheber, Ascher, Anzünder und Leseleuchten in drei von vier Türverkleidungen, Servolenkung, Colorglas, Nebelleuchten, Waschhörner für die Scheinwerfer, dazu Aluräder mit 185er-Puschen und die Kraft der fünf Zylinder.

Für Perfektionisten: Audi 100 quattro Typ 44

Ja: Der neue 100 CD 5E war noch immer ein bürgerliches Auto; nein: Er war kein biederes mehr. Nicht mit diesen Fahrleistungen. Etwas blass wirkten neben dem CD 5E die mit 85 oder auch 115 PS motorisierten unteren Ausstattungslinien, deren mindere Polsterqualität und abgespeckte Geräuschdämmung einen noch immer in der Vergangenheit wähnen ließen. Groß genug für Mama, Papa, Kind und Kegel waren alle Hunderter. Fast jeder wählte den Viertürer, kaum einer das Automatikgetriebe, und sicherlich griff so mancher Familienvater aus Kostengründen letztlich doch zum kargen LS mit Vierzylinder statt zum straff-dynamischen CD 5E. Denn noch stellten die Vernunftbetonten das Gros der Audi-Kunden, die Dynamisierung der traditionsreichen Marke begann verhalten, aber unaufhaltsam.

Dynamischer Aufstieg

Immerhin: Der eine oder andere Oberstudienrat, Direktor oder Architekt begann, in die Audi-Prospekte zu linsen. BMW und Mercedes sollten nicht mehr lange unter sich sein in der Oberklasse, auch wenn Audi die Langzeitqualität der genannten Hersteller (noch) verfehlte. Aber das sah man einem fabrikneuen Audi 100 CD 5E nicht an. Kritiker, denen angesichts der unverhohlenen Dynamik des neuen Hunderters partout nichts einfallen wollte, mäkelten hilflos an der ungeraden Zylinderzahl herum – und natürlich am Frontantrieb. Sie tun es noch heute. Es half nichts. Ein Audi 100 CD 5E ist nun mal weder ein Daimler noch ein BMW. Und das ist auch gut so.

Technische Daten

Audi 100 CD 5E Typ 43

Die filigrane Linienführung wirkt bis zum heutigen Tag absolut zeitlos.

Reihenfünfzylinder • obenliegende Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, mechanische Einspritzung • Hubraum 2241 ccm • Leistung 100 kW (136 PS) bei 5700/min • max. Drehmoment 185 Nm bei 4200/min • Fünfgangschaltgetriebe (auf Wunsch Dreistufenautomatik) • Vorderradantrieb • McPherson-Vorderachse mit unterem Querlenker, hinten Torsionskurbelachse mit Panhard-Stab • Reifen 185/70 R 14 • Radstand 2676 mm • Länge/Breite/Höhe 4700/1768/1393 mm • Leergewicht 1170 kg • Spitze 188 km/h • 0–100 km/h in 10,5 s • Neupreis 1982: 27.300 Mark

Historie

1968: Der Audi 100 erscheint als zwei- und viertürige Limousine. 1970: Coupé S. 1974/75: Facelift mit geänderten Stoßstangen, Leuchten und Motoren (bis 112 PS). 1976: Vorstellung des neuen Typ 43, erstmals mit Fünfzylindermotoren. Erster Avant. 1982: Debüt des "Aerodynamik-Weltmeisters" Audi 100 C3 Typ 44, wahlweise als quattro und Turbo. Ab 1986 Vollverzinkung der Karosserien. 1990: Audi 100 C4 erscheint. 1994: Facelift und neuer Name: Audi A6.

Plus/Minus

Das Lenkrad entstammt dem Audi 200.

Rost ist der ärgste Feind aller Audi Typ 43. Die braune Pest hat ihre Reihen beständig gelichtet und wahllos alles vernichtet, was einen Typ 43 ausmacht: Anbauteile, Radläufe, Seitenschweller, Stehbleche, Holme. Typisch, aber beherrschbar sind Verschleißerscheinungen an Radbrems- und Hauptbremszylindern, Krümmerdichtungen, ausgelutschten Vorderachsgummis, knackenden Antriebswellen mit eingerissenen Staubmanschetten, ermüdeten Hinterachslagern. Frühe Innenausstattungen neigen zum Ausbleichen und Zerbröseln. Die Motoren halten ewig, solange sie mit Wasser und Öl gespeist werden. Wer ein gutes Exemplar weiterhin pflegt, wird daran noch lange Freude haben.

Marktlage

Aufgepasst, ein Klassiker erwacht aus dem Dornröschenschlaf: Lange dämmerte der Typ 43 halb vergessen in Erstbesitzergaragen und versprengten Liebhaberkreisen vor sich hin, doch die Modellreihe etabliert sich aktuell in der Szene, die ja gern auch mal "in" ist. So erzielt ein Typ 43 in der Öffentlichkeit zunehmend erhobene Daumen und freundliches Lächeln – und steigende Preise. Wenn, dann jetzt zuschlagen.

Ersatzteile

Weil lange Zeit niemand Geld für einen Typ 43 bezahlen mochte, wurden viele Autos und Teileträger weggeschmissen oder exportiert. Heute erobern die überlebenden Ersthand-Exemplare die Youngtimer-Szene – und die Teile-Nachfrage bleibt weiterhin ruhig. Grund hierfür ist die erwähnte Ersthand-Pflege. Verschleißteile gibt es preiswert im Internet, Gesuchtes und Rares beim Spezialisten und bei VW Classic Parts.

Empfehlung

Die Vierzylinder laufen ewig und brauchen wenig, aber sie rennen nicht wie der röchelnde Vergaser-5S oder der heisere 5E. L- und LS-Versionen waren schon ab Werk recht karg und pappig, dafür farblich peppig – hier sind frühe Versionen erste Wahl. Rar sind CD 5E der ersten Serie, zumal als Avant. Fast ausgestorben: CS 5E und der 5D. Höhere Versionen erzielen höhere Preise.

Autor: Knut Simon

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