Audi 100 quattro Typ 44
— 11.01.2013Für Perfektionisten
Allrad im Audi braucht kein Mensch, sagten damals die Fachleute im eigenen Hause. Und lagen daneben, denn quattro wurde auch im Audi 100 der Hit.
Das Fest der Ringe: 100 Jahre Audi
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quattro lockt Mercedes-Fahrer und schreibt Geschichte
Und es gibt sie auch 2013 noch, die goldmetallicfarbenen Rentner-Limousinen, den "Studienrat-Mercedes" – aber schon bald sind diejenigen, die im tornadoroten Fünfzylinder-Avant CS quattro vorfahren, chic. Nicht zu vergessen die Kombination von Fünfzylindermotor mit KKK-Turbolader und quattro-Antrieb. Mehr geht damals nicht, spielend durchbricht ein derartig bestückter Typ 44 die magische 50.000-Mark-Schallmauer: Audi fahren ist alles, nur nicht mehr günstig. Dafür laufen die ersten Mercedes-Fahrer zur jungen Bayernmarke über. Sie werden nicht enttäuscht, auch was die Standfestigkeit des Audi 100 betrifft. Wer heute die Angebote studiert, findet viele gesunde Exemplare mit Laufleistungen zwischen 200.000 und 400.000 Kilometern. Die meisten von ihnen haben frischen TÜV und kosten nicht die Welt – ideale Autos, um Eis und Finsternis ihren Schrecken zu nehmen.Historie
1978 beginnt Audi mit der Konzeption der Studie "Auto 2000". Angelehnt an dieses 1981 vorgestellte Forschungsauto entsteht der Audi 100 Typ 44, der 1982 debütiert. Leichtbau und der cW-Wert von nur 0,3 ermöglichen geringen Verbrauch und den Titel "Strömungsgünstigstes Auto der Welt". Der Typ 44, intern auch C3 genannt, ist lieferbar als Benziner mit Motoren von 75 bis 165 PS sowie mit Dieselmotoren von 70 bis zunächst 100 PS. Zur Auswahl stehen ab 1983 zwei Karosserievarianten: die Limousine und der Avant mit hohem Schrägheck, der respektable Absatzzahlen erreicht. 1984 Marktstart der quattro-Modelle mit permanentem Allradantrieb. Ab Modelljahr 1986 erhält der Typ 44 eine voll verzinkte Karosserie, 1988 einen neu gestalteten Innenraum (Armaturenträger, Türverkleidungen, Stoffe). Plan anliegende Griffschalen ersetzen die bisherigen Bügeltürgriffe. Ab Modelljahr 1990 ist eine Vierstufenautomatik lieferbar – und der erste TDI-Motor im VW-Konzern, der 2.5 TDI mit 120 PS. 1991 endet die Produktion des Typ 44 nach 900.000 Exemplaren, schon 1990 übernimmt der Nachfolger mit den internen Namen C4 und 4A.Technische Daten
Reihenfünfzylinder • oben liegende Nockenwelle, über Zahnriemen angetrieben • zwei Ventile pro Zylinder • mechanische Einspritzung • Hubraum 2226 ccm • Leistung 101 kW (138 PS) bei 5700/min • max. Drehmoment 188 Nm bei 3500/min • Fünfgang-Schaltgetriebe (auf Wunsch Dreistufenautomatik) • permanenter Allradantrieb • Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen vorn, Viergelenk-Trapezlenker-Hinterachse • Reifen 185/ 70 HR 14 vorne/ hinten • Radstand 2687 mm • Länge/Breite/Höhe 4792/1814/1422 mm • Leergewicht 1360 kg • 0–100 km/h 9,6 s • Spitze 202 km/h • Verbrauch 9,5 Liter Super • Neupreis 1985: 40.995 D-Mark.Plus/Minus
Ausdauernde Reiselimousine mit deutlich dynamischen Fahreigenschaften, spritzig und agil. Fantastische Traktion dank permanenten Allradantriebs quattro, hohe Sicherheitsreserven. Kerniger Fünfzylinder-Einspritzer mit unverwechselbarem Sound, viele Modelle bereits mit Katalysator ausgeliefert. Großzügiges Raumangebot, gute Geräuschdämmung. Niedriger Verbrauch dank strömungsgünstiger Karosserie, dadurch jedoch starkes Aufheizen des Innenraums (kleine Dachfläche, große Fensterflächen). Ein großer Vorteil des Audi 100 Typ 44 ist seine Rost-Resistenz. Seine Entwickler gönnten ihm erst eine Teil-, ab 1985/86 eine Vollverzinkung (außer Heckklappe des Avant). Damit rostete er viel weniger als viele andere Autos der 80er, ist jedoch heute nicht mehr gänzlich vor dem Gammel gefeit. "Im Radkasten hinten rechts nistet sich über dem Tankeinfüllstutzen gern der Rost ein", berichtet Lars Jakumeit von den Freunden des Typ 44 e.V. "Manche Exemplare hatten hier schon Löcher im Format von Familienpizzen, sodass das Wasser vom Radkasten in das Seitenteil des Kofferraums lief."Ersatzteile
Teuer wird es, wenn man einen Typ 44 kompromisslos instand halten möchte. Audi hat in den vergangenen Jahren viele Teile aus dem Angebot gestrichen, da bleibt noch einiges zu tun für die neu gegründete Abteilung, die sich mit dem Nachschub für junge Klassiker befasst. Ingolstadt hat einen Teile-Service mit Zugriff für alle Händler eingerichtet, allerdings sind die Preise üppig. Schwer erhältlich sind zum Beispiel Reflektoren/Scheinwerfer, Bremsscheiben und einige Fahrwerkteile. Alternativ bieten Online-Shops 44er-Komponenten mit teils eingeschränkter Qualität an. Tolle Hilfe bei der Teilebeschaffung geben Audi-Klubs.Marktlage
Die meisten Typ 44 verschwanden nicht auf dem Schrott, sondern in den Export. Trotzdem gibt es sie in beruhigender Stückzahl, die Audi 100 Typ 44, zu Kursen ab 250 Euro – und dann kann man sie meist sogar noch problemlos im Alltag fahren. Momentan verstärkt im Angebot: die letzten Exemplare verstorbener Erstbesitzer. Diese Audi besitzen jedoch meistens Frontantrieb. Wirklich rar ist ein CS quattro, vor allem als Avant und als Turbo. Preise: zwischen 2500 und 7000 Euro – das ist immer noch günstig! Exoten individuellen Zuschnitts (Büffellederausstattung etc.) sind extrem selten und kosten zwischen 10.000 und 15.000 Euro.Empfehlung
Viele der hierzulande angebotenen quattro-Modelle präsentieren sich mit hohen Kilometerleistungen und/oder verschlissenem Interieur sowie verbrauchtem Fahrwerk. Das kann teuer werden! Deshalb lieber zum gut erhaltenen 44er greifen, falls möglich. Mechanik genau prüfen, ebenso die Karosserie, denn Zink ist kein Wundermittel. Die Zeit nagt selbst am 44er, wenn auch überschau- und beherrschbar.Kommentar verfassen
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Angelehnt an die Form des Ro80 von 1967, ist dieser Audi ein Klassiker, genau wie sein kleiner Bruder, der Typ 89. Die Maschinen leben ewig, übrigens trotz Zahnriemen! Man beachte die übersichtlichen Armaturen, die kann man noch vom Rücksitz auf einen Blick ablesen und vergleiche mal mit dem Mist, der heute verzapft wird, z.B. auch bei Mercedes! Der Gammel hinter der Radhausschale ist eine VW/Audi-Seuche - bis heute! Besonders betroffen z.B. der Golf III und IV. Neuere Audi sind übrigens nicht mehr vollverzinkt und gammeln im Zeitraffer - wie bei Mercedes auch.