Audi 50

Audi 50

Audi 50

— 17.01.2014

Retter des Imperiums

So sieht ein Erfolgs-Auto aus: Mit dem Audi 50 zeigte Audi 1974 der Welt, wie ein Kleinwagen zu sein hat. Das Vorbild von damals wirkt heute nicht gestrig.

Der kleinste aller je gebauten Audi ist im im Team mit seinen Vergleichstest-Kollegen BMW R50S, Ape und Trabant P50 der Boss, das zeigt schon der Blick ins Datenblatt: vier Zylinder, fünf Sitze, 60 PS, 1300 Kubik! Das Lenkrad ist groß und dünn, lässt sich schwer drehen. Das unterstreicht den Eindruck vom braven, etwas zähen Untersteuerer. Dennoch fegt er dank seiner breiten Spur flott um den Kurs. Die 60 PS katapultieren ihn beim Beschleunigungstest an die Spitze, und bremsen kann er im Vergleich mit den anderen "Fuffzigern" auch am besten. Zudem bietet er viel Platz, auch wenn der Kofferraum kleiner als im Trabi (und natürlich auch bei der Ape) ausfällt. Aber mit umgeklappter Rücksitzbank wird der Audi zum zweisitzigen Lieferwagen, der durchaus mit der Ape konkurrieren kann.

Der Audi 50 tanzt locker um die Hütchen, allerdings ohne Servolenkung und mit etwas Kraftaufwand am großen Lenkrad.

©C. Bittmann

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt die Qualität. Einerseits gilt der Audi 50 als ziemlich robust (abgesehen von seiner zwanghaften Neigung zum Oxidieren). Andererseits fühlt er sich so zerbrechlich an, dass man ihn instinktiv ganz vorsichtig bewegt. Der Zwerg erblickte 1974 erstmals seinen verdutzten Kunden, denn Audi hatte sich mit ihm gerade neu erfunden, weg vom muffigen Lebensgefühl der 60er-Jahre. Unglaubliche 685 Kilogramm wog der 50 bloß, sein radikal kantiges, raumeffizientes Design setzte auf viel Glas, bot damit eine prima Übersicht. Ein Novum war das aufklappende Schrägheck. Aber "premium" nannte er sich nicht. Am "oberklassigsten" wirkt noch das speckige Holzimitat am Armaturenbrett. An Luxus besitzt der Audi eine Leseleuchte, eine Sonnenblende rechts und eine Scheibenwaschanlage mit Fußgummibalg in Krötenform links neben dem Kupplungspedal. Bei unserem Testwagen war das Ding so sensibel, dass es bei jedem etwas kräftigeren Bremsvorgang die Scheibe mit Wasser benetzte.

Aufgeräumt, simpel, im Prinzip alles wie heute. Den dekadenten Hauch von Jaguar verströmt das Holzimitat dann doch nicht.

©C. Bittmann

Der 50 war die späte westdeutsche Version des Mini, fuhr ausgezeichnet und verdrehte nicht nur der jungen Generation die Augen. Auch die kränkelnde Audi-Mutter Volkswagen bemerkte die Talente des Zwergs, kaperte ihn einfach und machte daraus ihren ersten modernen Kleinwagen. Der leitete unter dem Namen Polo zusammen mit dem Passat (der auch von Audi kam) und Golf die Rettung des gesamten Konzerns ein. Daher ist unser kleiner silberner Wagen ein echter Held der Wirtschaft und hat einen Ehrenplatz im Volkswagen-Himmel verdient. Und die Spaß-Note? Nun, er funktioniert von allen anwesenden Kandidaten am besten. Aber eine gewisse Langweiligkeit ist dem kleinen Streber trotzdem nicht abzusprechen.
Fahrzeugdaten Audi 50
Motor Reihenvierzylinder
Ventile pro Zylinder/Nockenwellen 2/1
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 1272 ccm
Bohrung x Hub 75,0 x 72,0 mm
kW (PS) bei U/min 44 (60)/5600
Nm bei U/min 93/3400
Höchstgeschwindigkeit 152 km/h
Getriebe Viergang
Antrieb Vorderrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel
Bereifung 155/70 R13
Verbrauch (Werksangabe) 10 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 36 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 1100 kg
Länge/Breite/Höhe 3538/1560/1344 mm
Radstand 2335 mm
Messwerte
Beschleunigung (Viertelmeile) 14,81 s
Anhalteweg aus 50 km/h 8 m
Leergewicht/Zuladung 730/370 kg
Wendekreis 10 m
Testverbrauch - CO2 9,2 Liter - 218 g/km
Reichweite 390 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 79 Euro
Werkstattintervalle 7.500 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 100/250 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand 10/2013) 8.200 Euro
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Das saß! Der Audi 50 war ein Blitzerfolg, zum großen Glück für den VW-Konzern. Bei ihm haben die Konstrukteure alles richtig gemacht: fabelhafte Fahreigenschaften, munterer Motor, reichlich Raum, dynamisches Design. Bis auf die etwas billig wirkende Verarbeitung haben wir keine Schwachpunkte festgestellt.

Fotos: C. Bittmann

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