Austin Mini

Klassiker der Moderne: Austin Mini Klassiker der Moderne: Austin Mini

Austin Mini

— 27.02.2009

Der kleine Vordenker

Er wollte einfach nur ein Gebrauchs-Gegenstand sein. Ein kompakter Kasten mit einem Rad in jeder Ecke. Zu bescheiden: Der Mini wurde zum technischen Meilenstein mit 50-jähriger Erfolgsgeschichte.

Was haben ein Kanal und der Mini gemeinsam? Ach nein, nicht die alte Geschichte schon wieder, mögen Mini-Kenner stöhnen. Doch an dieser Stelle muss sie einfach sein. Als 1956 die Krise um den Suez-Kanal ausbrach, begann die British Motor Cooperation (BMC) mit der Entwicklung eines Spar-Autos, um die Abhängigkeit des Königreiches vom Erdöl zu verringern. Hört sich doch bekannt an, oder? Die Sorge ums Öl ist heute aktueller denn je, der Mini darum seiner Zeit voraus. Denn er gilt als direkte Folge der Suez-Krise. Als er 1959 auf den Markt kam, folgte er der Grundidee anderer "Volkswagen". Ähnlich wie Käfer und Ente wurde der Mini von seinem Konstrukteur als einfaches Transportmittel für die Massen konzipiert. Er war rein funktionsorientiert – einfach, klein und billig. Trotzdem wurde der Entwurf von Konstrukteur Alec Issigonis zur automobilen Revolution: ein Raumwunder für vier Personen plus Gepäck auf nur drei Meter Wagenlänge.

Der kompakte Motor schafft viel Raum

Quermotor oben, Getriebe darunter und Kühler seitlich: Der Mini-Antrieb spart viel Platz.

Das Geheimnis dahinter war die kompakte Antriebseinheit. Der quer eingebaute Frontmotor war nicht neu, doch erstmals lag ein Vierzylinder quer mit dar unter verblocktem Getriebe vor der Vorderachse – 15 Jahre bevor VW diesem Prinzip mit dem Golf folgte. Wurde er darum Kult? Nein. Die Mini-Technik schaffte nur die Voraussetzung dafür, dass er als Sportgerät und als klassenloses Identifikationsmobil entdeckt werden konnte. In Kurzform: Rennwagenbauer John Cooper verpasste ihm stärkere Motoren und bessere Bremsen. Gleich drei Siege bei der Rallye Monte Carlo (1964, 65, 67) gegen viel stärkere Konkurrenz hoben den Mini Cooper in den Rang des David-gegen-Goliath-Lieblings.

Selbst Enzo Ferrari war begeistert und stellte sich den Floh in die Garage. Das passte perfekt in die Swinging Sixties. Und ins damals schon verstopfte London: "Für den Stadtverkehr war er die Antwort auf ein Gebet", sagte Schauspieler Peter Sellers und kaufte im Laufe der Jahre Mini im Dutzend. Ehefrau Britt Ekland folgte, dann machten die Beatles, Cliff Richard, der Aga Khan und viele weitere VIPs den Mini zur Pop-Ikone. Natürlich musste auch Minirock-Erfinderin Mary Quant irgendwann Mini fahren. Und heute? In kaum einem anderen Auto macht die Parkplatzsuche mehr Spaß. Die Idee des Smart nahm der Mini schon vor 50 Jahren vorweg. Auch das Fahrverhalten begeistert nach wie vor: Gas geben, einlenken, schon zaubert der Mini ein Grinsen ins Gesicht des Fahrers. Der Mini war, ist und bleibt ein Phänomen. Ein klassenloses Auto ohne Alter.

Plus/Minus

Geringe Abmessungen sorgen für große Wendigkeit, ideal für Großstädte mit Parkplatznot. Gutes Platzangebot für bis zu vier Personen, einfache Technik, aber Reparturen erfordern durch enge Bauweise Geschick. Großes und vergleichsweise günstiges Ersatzteilangebot, viel Zubehör, große Individualisierungsmöglichkeiten. Tolles Image und sportliches Fahrverhalten. Kurze Federwege und direkte Lenkung sorgen für ein trockenes Einlenkverhalten. Auf Langstrecken durch sehr aufrechte Sitzposition ungemütlich. Lauter Motor bei hohen Drehzahlen. Rostanfällige Karosserie, empfindliche Elektrik. Auf schlechten Straßen nur minimaler Federungskomfort.

Ersatzteile

Kein Problem: Neu- und Austauschteile sowie Reproduktionen gibt es reichlich und zu vergleichsweise günstigen Preisen. Eine Bremsscheibe kostet zum Beispiel um 50 Euro. Teurer sind Blechteile. Eine Tür für einen Mini mit Kurbelfenstern kostet rund 350 Euro. Wer sich einen Mini komplett in neuwertiger Qualität (oder sogar besser) aufbauen will, bekommt sogar komplette Rohkarosserien vom Spezialisten geliefert. Kostenpunkt: rund 5000 Euro.

Marktlage 

Leichter parken: Mit dem kurzen Mini findet sich (meist) leicht ein Parkplatz.

Es gibt eine große Auswahl an Gebraucht-Mini aus den 80er- und 90er-Jahren, allerdings häufig mit (teilweise auch massiven) Korrosionsproblemen. Vielfältig ist außerdem das Angebot an restaurierten Modellen aus den 60ern, doch die Qualität schwankt bei diesen Fahrzeugen erheblich. Sehr teuer sind die Cooper- und Cooper-S-Modelle aus den Jahren der Monte-Siege, da sie sich ideal für den historischen Motorsport eignen. Deutlich günstiger findet man interessante Sondermodelle mit viel zeitgenössischem Charme aus den 70er-Jahren.

Empfehlung 

Wer einen weitgehend problemlosen Mini sucht, hat zwei Möglichkeiten: ein vom Experten restauriertes Exemplar mit echter Oldtimer-Aura oder einen der letzten Original-Mini mit 1.3-Einspritzmotor aus den späten 90ern. Hier empfiehlt es sich, gezielt nach einem Garagenauto mit wenig Kilometern aus erster Hand zu suchen – am besten aus der Final Edition. Zwar werden die immer seltener und teurer, doch die zusätzliche Investition zahlt sich aus.

Technische Daten

Austin Mini 850 Vier Zylinder, Reihe, vorn quer • Hubraum 848 cm³ • Ventilbetätigung über Stoßstangen 25 kW (34,5 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 60 Nm bei 2900/min • Vierganggetriebe • Vorderradantrieb • Trommelbremsen vorne/hinten • Reifen 5.20/10 • L/B/H 3050/1410/1350 mm • Radstand 2030 mm • Einzelradaufhängung mit Querlenkern und Gummifederung, Hydrolastic ab 9/1964 • Leergewicht 618 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 34 s • Spitze 116 km/h • Verbrauch 6,5 Liter S/100 km • Neupreis 5175 Mark (1959)

Adressen

Club www.miniregister.de Literatur Austin/Rover Mini, Band 1196, Reparaturanleitung aus dem Bucheli Verlag Ersatzteile Mengers Special Cars, Wilhelmshavener Heerstraße 301, 26125 Oldenburg, Telefon 0441/ 3 98 93 

Autor: Jörg Maltzan

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