Auto-Obduktion bei General Motors

Auto-Obduktion bei General Motors

— 14.03.2011

Aufgeschraubt und abgeschaut

AUTO BILD-Archiv-Artikel 18/1987: Was machen die Anderen besser als wir? Um das herauszufinden, nehmen die Ingenieure von General Motors die Autos der Konkurrenten auseinander. Es hat sich schon gelohnt.

Das Wappenschild der amerikanischen Automobilhersteller ist matt und trübe geworden. Die großen Firmen leiden noch immer unter der Ölkrise, von der sie sich nie erholt haben. Japaner und Europäer, die aus dem wirtschaftlichen Durcheinander so stark wie nie herausgefahren sind, haben die Amerikaner abgeschüttelt. Doch nun sind die US-Giganten aufgewacht – und handeln. General Motors (GM) forciert jetzt das, was die ausländischen Fabrikanten schon immer getan haben: Sie nehmen die Automodelle der Konkurrenz vollständig auseinander, untersuchen sie mit peinlicher Genauigkeit.

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Der amerikanische Konsument legt beim Autokauf am meisten Wert auf umfangreiche Ausstattung, mechanische Zuverlässigkeit, Neuerungen und technische Optionen. Da muss er der ausländischen Konkurrenz dankbar sein, die ihn mit diesen Dingen bekannt gemacht hat. Dutzende von Autos werden bei GM in ihre Einzelteile zerlegt und auf Tischen untersucht. Hier sieht man sowohl amerikanische als auch ausländische Fabrikate: Audi neben Opel, einen Dodge neben einem Toyota. Die Tische sind so angeordnet, dass der Vergleich zwischen zwei Marken leicht anzustellen ist.

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Zum Beispiel liegen alle Sitze nebeneinander, dann die Achsen und Aufhängungen oder die Elektrik-Elemente. Die Techniker sehen, ertasten und vermessen, wie GM-Produkte im Vergleich zu denen der Konkurrenz abschneiden. Die riesige Halle mit den ausgeschlachteten Karossen gleicht einem technischen Leichenhaus. In einer Ecke nehmen drei Mechaniker einen Toyota Camry auseinander und brechen ihn dabei im wahrsten Sinne des Wortes in Stücke. Mit Akribie kennzeichnen sie jedes Teil, wiegen es und legen es zur Prüfung in einen Metallkorb.

Schlecht geschrumpft

Noch 1970 schien es einfacher, einen Chevrolet zu nehmen, ihn mit Hilfe eines Computers zu verkleinern und dann Chevette zu nennen, als sich einen Fiat, Toyota, Volkswagen oder Renault zu besorgen und ihn unter dem Vergrößerungsglas zu untersuchen. Nach dieser "Schrumpf-Methode" entstand eine Vielzahl von so genannten Kompaktautos, die ausnahmslos die gleichen Fehler aufwiesen wie ihre "großen Schwestern": zu schwer, keine Neuerungen, kein Komfort und am schlimmsten, mangelnde Sicherheit. Das ist vorbei, denn die Japaner kamen mit ihren kleinen Autos, die luxuriös, bequem, billig und außerdem mit technischen Spielereien ausgestattet waren – und die nur wenig Wartung verlangten.

Mit Vollgas in die Lernkurve

Die Amerikaner lernten. Inzwischen hat aber auch die Qualität bei ihnen Fortschritte gemacht. Die Bibel für all diese Fragen ist das jährlich erscheinende "The Car Book", das von Jack Gillis in Zusammenarbeit mit dem Center of Automobile Security erarbeitet wird. Dieses Buch machte zum Beispiel bekannt, dass der kleine Sportwagen von Pontiac, der Fiero, in punkto Sicherheit die Nummer eins ist. Die am meisten empfohlenen Autos sind, in der Reihenfolge ihrer Bewertung: Honda Civic , Chevrolet Nova (GM), Dodge-Plymouth Colt (Chrysler), Ford Escort und Mercury Lynx (ebenfalls von Ford).

Das US-Magazin "Fortune hat viel versprechende Zahlen der drei größten amerikanischen Hersteller veröffentlicht. Bei Ford beispielsweise gab es 1982 pro hundert Autos noch 167 Probleme an tragenden Teilen, im Jahre 1986 dagegen nur noch 111. Auch die den Motor betreffenden Zahlen sanken von 60 auf 24. Danach haben die Amerikaner zwar aufgeholt, die Japaner und Europäer aber keineswegs überholt, denn das schlechteste japanische Produkt des Jahres 1986, der Subaru, der pro hundert Autos rund 250 Probleme aufwies, liegt immer noch gleichauf mit den besten GM-Wagen, Cadillac Coupé und DeVille. Toyota schneidet mit nur 80 Schwierigkeitspunkten pro 100 Autos am besten ab. Der beste Europäer – Mercedes – weist pro 100 Wagen 150 Fehler auf.

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