Autokauf

Autohäuser in Deutschland

— 24.02.2011

Mal nobel, mal normal

AUTO BILD Archiv-Artikel 13/1987: Ein Volks-Wagen, eine Edel-Karosse – zwei Autos, zwei Welten: nüchterne Sachlichkeit beim Familienwagen trifft vornehme Verspieltheit und dicke Tep­piche im besonders noblen Autohaus.

Nein, ich bitte Sie – wir verkaufen doch keine Autos. Wir helfen nur. Wir hel­fen unserem Kun­den bei seiner Über­legung, einen Rie­sen-Unsinn zu ma­chen. Nein, Autos verkaufen wir wirklich nicht. Allenfalls versor­gen wir ihn mit einem Wagen." So spricht, wohltemperiert wie der Moét & Chandon auf den Mahagoni-Tischen, Hans Günter Lehmann (49), Inhaber von Euro­pas vornehmstem und nobelstem Autohaus. In Köln, Aachener Straße 86 bis 88 "versorgt" Herr Lehmann sei­ne Klientel mit Rolls-Royce – und wenn es denn unbedingt sein muss, auch mit den gehoben aus­gestatteten Jaguar-Fahrzeugen. Nein, er ist beileibe kein Auto­händler, "denn bei mir wird nicht gehandelt".

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Unter der fünfzacki­gen Goldkrone Royal Motors wird gespielt, sinnlich gespielt mit der Lust des Kunden am Geldausgeben. Niemals würde Hans Günter Lehmann von seiner Zielgruppe sprechen. Pfui! "Ich ziele doch auf niemanden, schließlich will ich ja nichts von meinen Kunden, die wollen ja etwas von mir." So darf denn noch lange nicht jeder bei Herrn Lehmann ein- und ausgehen, selbst wenn er 400.000 Mark in bar für einen Rolli im Koffer hat. Der Herr Geschäftsführer erinnert sich noch mit Abscheu an den Tag, als drei Männer aus dem Hamburger Kiez-Milieu "bei mir Einlass be­gehrten: Ich habe sie nicht her­eingelassen, obwohl sie alle ei­nen Rolls-Royce kaufen wollten."

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Nein, das könne er sich nicht erlauben, derartige Herrschaften zu bedienen. Wenn sich das bei seinen Kunden herumspräche, dann würden all die Udo Jür­gens, Tina Turners, Fürsten und Prinzen von Sowieso hinter vor­gehaltenen Champagnergläsern tuscheln: "Seht, der hat das nö­tig, bei dem können wir auch nicht mehr verkehren." Wer bei Lehmann verkehrt, der muss in der Tat erst durch ein langwieriges und strenges Ritual beweisen, dass er zur Créme de la créme gehört. Es gibt keine Ver­kaufsgespräche und keine Vor­verhandlungen. Man stolpert auch nicht sogleich, kaum dass man die Begierde auf einen Rolls-Royce in seinem Herzen entdeckt hat, tölpelhaft zum Leh­mann und fragt etwa mit aus­gestrecktem Zeigefinger: "Was kost'n der da?"

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