Autos der 90er: Italiener und Franzosen

Autos der 90er: Italiener und Franzosen

— 21.12.2011

Charakterköpfe und Rassehengste

Einen lächelnden Zwerg, der schon zu Lebzeiten Kultstatus erreicht, Formel 1-Technik für die Straße und das hässlichste Auto aller Zeiten: Das alles bieten die Italiener und Franzosen in den 90ern.

Lifestyle, Humor, Individualität – daran mangelt es in den frühen 90ern in der Kleinstwagenklasse. Bis Renault mit dem Twingo Leben in die Bude bringt. Der Twingo kann 1992 schon, was dem Fiat 500 heute glänzende Absätze beschert, nur ohne Retro. Er berührt uns, lächelt sich in unsere Herzen. Vor allem Frauen verfallen dem Augenaufschlag des kleinen Charmeurs. Doch der Twingo kann nicht nur süß, sondern auch zweckdienlich sein. Das One-Box-Design des Franzosen-Zwergs bietet wenig Platz für die eher konventionelle Technik, dafür umso mehr für die Passagiere. Mit Liegesitzen und verschiebbarer Rücksitzbank setzt er in seiner Klasse Maßstäbe. Zum Microvan fehlen ihm eigentlich nur die hinteren Türen. Dass der näselnde Vierzylinder im Grunde noch aus dem R4 stammt? Schwamm drüber. Der Twingo war schon zu seinen Lebzeiten Kult und so geht es uns nah, als Renault ihn nach 14 Jahren ohne nennenswerte Modellpflege in Rente schickt.

Neue deutsche Welle: Die deutschen Autos der 80er

Der Ferrari der Superlative heißt ab 1995 F50, ist 513 PS stark und 325 km/h schnell.

Die Emiglia-Romagna, 1995: Anlässlich des fünften runden Geburtstages von Ferrari entsteht in den heiligen Hallen der Sport- und Rennwagenmanufaktur ein wahrhaftiger Rennwagen für die Straße. Der 513 PS starke 4,7-Liter-V12 des F50 stammt aus dem 641, dem Formel 1-Boliden der Saison 1990. Auf Grundlage der Stilübung "Mythos" von 1989 schafft Pinininfarina eine brachiale Zweckform aus Kohlefaserverbundsstoff mit ausladendem Heckspoiler. Listenpreis des limitierten Über-Ferrari: umgerechnet 380.000 Euro. Spitze: 325 km/h. Dank abnehmbarem Hardtop ist der F50 Berlinetta (Sportcoupé) und Barchetta (Roadster) zugleich. Praktisch, eigentlich. Blöd: Die Mütze lässt sich nicht verstauen.

Der Reis ist heiß: Japaner der 70er-Jahre

Wirklich praktisch ist dagegen der Fiat Multipla, pardon, Multipla Fiat. Trotzdem haben ihn unsere Nutzer zum peinlichsten Auto aller Zeiten gewählt. Dabei hat es der Minivan aus dem Stiefelland sogar ins Museum of Modern Art geschafft. Wir fragen uns: Hatten die Fiat-Designer einfach nur einen schlechten Montag oder ist das Vieraugengesicht mit der Speckwulst unter der Windschutzscheibe ein unverstandenes Genie? Fiat wollte kein überraschendes Ende der allgemeinen Banausie abwarten: 2004, fünf Jahre nach seinem Debüt, musste sich der Multipla einer Gesichts-OP unterziehen. 2010 ist Schluss.

Wettbewerb: Der R4 lebt!

Bereits zu Beginn des Jahrzehnts flatterte die Ente ins Abseits. Nach 41 Jahren und fast vier Millionen gebauten Exemplaren schickt Citroën seinen "Döschwö" 1990 in die ewigen Jagdgründe. 1992 rollt in Kolumbien der letzte Renault 4 vom Band. Fini für die Charakterköpfe, für die Kult-Kästen und die Volkshelden? Zumindest ein ganz großer Zweg musste noch nicht "Arrividerci" sagen: der Fiat 126, Bruder des legendären 500 Nouva im Geiste, läuft in Polen weiter vom Band. Diese und weitere Autos der 90er-Jahre Sehen Sie oben in der Bildergalerie!

Autor: Lukas Hambrecht

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