BMW 1802

BMW 1802 BMW 1802

BMW 1802

— 20.03.2009

Null-zwo für die Bayern

So sehen Sieger aus: Die 02-Serie begründet die BMW-Tradition des leichten, schnellen Wagens. 2002 Turbo und 2002 tii setzen Maßstäbe in Sachen Dynamik. Auch ein schlichter 1802 macht Freude am Fahren – und schont die Geldbörse.

1966. Auf den Autobahnen bestimmen Myriaden von Käfern mit ihren 30 bis 44 PS das Tempo. Zwischen lahmen Volkswagen und teuren Mercedes herrscht ein Vakuum. Wenige kompakte Sportler füllen es, die meisten kommen aus Italien. Was liegt näher, als diese Nische aufzumischen? BMW ist dank Quandts Millionen-Einstieg gerade erfolgreich dabei, die neue Baureihe 1500 bis 2000 zu positionieren – und braucht sie nur abzumagern. Designchef Hofmeister kürzt die Karosse um 27 Zentimeter, streicht zwei Türen, und fertig ist im Frühjahr 1966 die Überraschung des Genfer Autosalons: Der 1600-2 (2 für zwei Türen) ist geboren.

Die blaue Ölwolke wird zum 02er-Markenzeichen

Eine grazil-sportliche Linie mit gepfeilter Schnauze und dezentem Chrom-Einsatz prägt das Design des 02.

Der erste Baukasten-BMW sozusagen, denn viele Komponenten sind übernommen worden. Die Bayern landen einen Volltreffer, bauen die Reihe in den folgenden neun Jahren wie im Rausch aus. 85, 90, 100, 105, 120, 130 und 170 PS kommen bis 1975 an die Hinterräder. 1967/68 bekommt der von Glas geerbte, leider erfolglose GT ebenfalls ein 1600er-Motoren-Implantat. Und 1971 gibt es ein neues Kürzel. Der 1600-2 heißt von nun an 1602. 1973 folgt ein Facelift, erkennbar an den eckigen Rückleuchten, erfühlbar beim Bergabfahren. Denn ein Fliehkraftbegrenzer im Verteilerfinger sorgt für brutales Ruckeln, sobald der Motor in zu hohe Drehzahlbereiche kommt. Die blaue Ölwolke beim Gaswegnehmen wird zum 02er-Markenzeichen wie der leicht negative hintere Sturz. Der 1973er Ölkrise geschuldet: Als Nachfolger 3er (E21) 1975 anrollt, gibt es für zwei Jahre noch ein Magermodell mit 75 PS, den 1502. Der sich übrigens nur bei der Anschaffung lohnt. Denn der Spar-02 verbraucht mehr als seine stärkeren Geschwister.
Kosten pro Jahr
Steuer 192 Euro
Versicherung 77,50 Euro
Benzin 805 Euro
0,15 Euro pro Kilometer
Berechnungsgrundlagen: 7000 km pro Jahr, Oldtimer-Versicherung, H-Kennzeichen

Das Fahrwerk giert nach Kurven

Die stärkeren Versionen des BMW 02 zeigten anderen Verkehrsteilnehmern oft nur die Rücklichter, die ab 1973 eckig waren.

Eine atemlose Zeit, die 02-Dekade: Es gibt auch noch Cabriolets mit und ohne Bügel sowie das Fließheck-Modell touring mit großer dritter Tür, von den legendären Umbauten der diversen Veredler wie Alpina, Koepchen oder Schnitzer ganz zu schweigen. Nebenbei mischt der leichte BMW die Rennszene auf, denn Fahrwerk und Lenkung sind schon im Originalzustand kurvengierig ausgelegt. Spektakuläre Driftwinkel legt mit etwas Übung jeder hin. Ein unbezahlbarer Imagegewinn schiebt die Baureihe an. Die Niere im Rückspiegel wirkt wie eine Lichthupe. Das ist längst vorbei, der Rest von über 800.000 Null-zwo lebt in schützenden Händen. Die Topversionen sind teurer als damals im Schauraum, aber auch ein sanft motorisierter 1600-2 oder 1802 ist nicht weniger vergnüglich als vor vier Jahrzehnten. Da haben wir sie, die Traumwagen für Geizhälse mit Stil.
Technische Daten BMW 1802
Motor Vierzylinder-Reihenmotor, vorn längs um 30 Grad geneigt eingebaut
Ventile Zwei pro Zylinder
Hubraum 1766 cm³
Leistung 66 kW (90 PS) bei 5250/min
max. Drehmoment 146 Nm bei 3000/min
Antrieb Hinterrad
Schaltung Viergang-Schaltgetriebe
Bremsen vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen
Reifen 165 SR 13
Länge/Breite/Höhe 4230/1590/1410 mm
Leergewicht 970 kg
Tankinhalt 46 l
Verbrauch 9,9 l Super
Spitze 165 km/h
Neupreis 1973 11.880 Mark
Wert 2009 in Zustand 1 rund 13.000 Euro

Plus/Minus

Die Freude am Fahren war oft nicht von Dauer, weil mancher Heizer seinen 02 zu heftig rannahm und die Knete lieber in Sprit als in Inspektionen steckte. Das ging zu Lasten der Antriebsmechanik. Typisch: Heiße Motoren bläuen aus dem Auspuff, wenn bei hohen Drehzahlen das Gaspedal gelupft wird. Verschlissene Kolbenringe oder Ventilschaft-Dichtungen sind die Ursache (dickeres Öl kann etwas abhelfen). Bei der Probefahrt also in den Rückspiegel schauen, besser einen Beobachter folgen lassen. Gepflegte Modelle sind aber noch voll alltagstauglich. Nicht unwichtig: Ab Januar 1969 gab es die wesentlich stärkere Lichtmaschine mit 12 Volt und 490 Watt (vorher 6 Volt/250 Watt).

Ersatzteile

Laut Werk gibt es derzeit in Deutschland noch einen zugelassenen Bestand von rund 10.000 BMW 02 (Stand Januar 2009). Die Ersatzteillage ist entsprechend gut. Das Werk hält alle zum Überleben notwendigen Ersatzteile vor, bestellbar über jeden BMW-Händler auf der Welt. Gewisse Engpässe gibt es bei Zierteilen und der Innenausstattung. Zusätzlich kümmern sich noch jede Menge Fanklubs liebevoll um eine lokale und überregionale Ersatzteilversorgung.

Marktlage

Unverbastelte und rostarme Modelle aus behutsamer Hand sind mittlerweile fast so selten wie Maiglöckchen im Herbst. Auf dem Markt überwiegen mittelprächtige, oft nur kosmetisch zurechtgemachte Exemplare. Eine Totalrestaurierung aber lohnt kaum. Olditax notiert: 10.500 Euro für einen Spitzen-1502, 12.900 Euro für den 1802, 26.000 Euro für Cabrios (Baur-Targa: 21.500). Top-touring werden mit 13.000 Euro gehandelt. Aber richtig gut sind eben nur die wenigsten.

Empfehlung

Vorsicht vor Blendern, ein Magnet kann Verkaufslackierungen aber schnell entlarven. Wie oben schon zu lesen, ist der 1502 die preiswerteste Art, einen 02er zu fahren. Der 1802 macht den ausgeglichensten Eindruck. Mehr als einen Seitenblick ist auch der touring wert, der Vater aller Lifestyle-Kombis. Vom 2002 turbo träumen ganze Generationen, es wurden aber nur 1672 Stück gebaut, die Masse ist mit den Jahren leider verheizt worden.

Historie

Der 90 PS starke 1802 ist ein guter Kompromiss: Er bietet flotte Fahrleistungen bei moderatem Verbrauch (rund 10 Liter).

1966: Markteinführung BMW 1600-2 mit 85 PS im April.
1967: 1600 ti mit 105 PS und 1600 Cabriolet folgen.
1968: 2002 mit 100 PS (auf Wunsch mit Automatikgetriebe) starten im Januar,  im September 1968 kommt der 2002 ti mit zwei Doppelvergasern und 120 PS.
1971: 1802 mit 90 PS sowie 2002tii mit Kugelfischer-Einspritzung und 130 PS. Gleichzeitig debütiert der Kombi Touring.
1973: Topmodell 2002 turbo mit 170 PS.
1975: Sparmodell 1502.
1977: Bauzeitende nach rund 800.000 Fahrzeugen.

Weitere Klassiker für Knauserer:

BMW 525e

Porsche 924

Fiat 500 D

VW Golf I

Citroën 2 CV 6

Mercedes 200 D

Opel Kadett B 1100

VW 1200 A

Audi 100 LS

Autor: Diether Rodatz

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