BMW 3.0 Si: Tagebuch des Dauertest-Bayern

BMW 3.0 Si: Dauertester der Redaktion

— 22.09.2015

Baikalblau ist der neue Kollege von BMW

Ein neuer Dauer-Testwagen zieht in die Garage von AUTO BILD KLASSIK ein: ein BMW 3.0 Si in Baikalblau. Nach kurzer Zeit ist klar: Mit dem werden wir was erleben!

Die berhmte BMW-Niere ziert auch den Grill des 3.0 Si. Neu bei der Baureihe E3 sind Doppelscheinwerfer.

Frher waren BMW-Fahrer noch richtige BMW-Fahrer. Das zeigt schon der Aufkleber, der sichtbar wird, wenn man zum Tanken das Kennzeichen am Heck herunterklappt. Dort findet sich die bliche Tabelle mit den Reifen-Luftdrcken. Aber mit dem Hinweis: "Fr Sportfahrten gelten besondere Vorschriften!" Sportfahrten? Mit einer Luxuslimousine? Darauf wrden BMW und die BMW-Fahrer heute nicht mehr unbedingt kommen. Die Baureihe E3 war schlielich so etwas wie der erste 7er. Auch wenn sie noch nicht so hie. Jetzt ist das Auto der neue Dauertestwagen von AUTO BILD KLASSIK. Nach einem Audi 100 (Typ 43) und einem Opel Monza soll er uns im Alltag begleiten und steht deshalb in der Tiefgarage: glasklare Linien, glnzendes Blaumetallic, astreiner Innenraum. Motor 3.0 Si, der erste Einspritzer, 200 PS stark. Dazu ein Viergang-Schaltgetriebe.

Monza-Fakten, die kaum einer kennt

Bewundernder Blick zurck

Schnell bildet sich eine kleine Redakteurs-Traube. "Sieht gut aus." "Vier Jahre bevor der Wagen auf den Markt kam, hat BMW noch Barockengel gebaut. Und sechs Jahre vorher die Isetta!" "Heute noch sichtbar, dass BMW mit dem zum ersten Mal in der Oberklasse etwas gegen Mercedes in der Hand hatte." Chefredakteur Bernd Wieland greift sich den Schlssel, und fnf Mann steigen in den Wagen. Aus dem Auspuff trompeten Sportwagen-Tne. Das drfte nicht original sein. Kollege Henning Hinze hatte das Auto aus Bregenz mit nach Hamburg gebracht und war dort zuvor in einem weien 3.0 S mit Vergaser, Automatik und Stahlrdern die Rallye "Bodensee-Klassik" gefahren. Er sagt: "Der war viel braver und leiser, ein krasser Charakterunterschied!"

Opel-Monza-Dauertest: Die groe Bilanz

Lob fr den lichten Innenraum

Das Cockpit ist klar und bersichtlich gestaltet, inklusive Echtholzleisten im Wohnzimmer-Stil der 60er.

Wieland gefllt der lichte, klar gestaltete Innenraum. Spter wird er die filigrane Karosserie des BMW-Designers Wilhelm Hofmeister loben. "Diese schmalen Dachsulen: Ich liebe das!" Verwunderung ber die Riesen-Ablageflche von den Instrumenten bis zur Beifahrertr: "Alles, was eine Familie auf Reisen braucht, kann da vorn liegen." "Das wre bei Mercedes undenkbar gewesen. Da knnte ja Unordnung herrschen im Auto!", sagt der stellvertretende Chef Christian Steiger. Er besitzt privat eine Mercedes S-Klasse der Baureihe W 116, das Auto, mit dem unser E3 konkurrierte, als er 1973 vom Band lief. Mit dem als Mastab arbeitet er sich durch den BMW. Kollege Martin Puthz, ein Freund historischer Jaguar-Limousinen, macht mit. Puthz: "Der wirkt ja regelrecht zerbrechlich." Steiger: "Wieg mal den Handschuhfachdeckel: Presskonstruktion VEB Schkeuditz." Puthz: "Konsequenter Leichtbau!" Steiger: "Man fasst die Sonnenblende an und sprt die Metallbgel. Und dieser klebrige Kunststoff-Schaltknauf: So war BMW. Aber sie hatten eben diesen Wahnsinns-Motor! Und ein tolles Schaltgetriebe."

Ein Rcklicht dunkler als das andere

Ein schner Rcken. Die filigrane Silhouette gestaltete BMW-Designer Wilhelm Hofmeister.

"Auf der Autobahn gehrten diese Autos immer zu den Schnellfahrern, und das rechte Rcklicht war dunkler als das linke", wirft Frank B. Meyer, der stellvertretende Chefredakteur, ein. "Wenn an schnen Tagen blauer Nebel aufzog, war so einer vorbeigefahren", erinnert sich Steiger. Auch unser E3 blut heftig aus dem Auspuff, wenn man bei hoher Drehzahl vom Gas geht. "Wer hat so was damals gefahren?", fragt Puthz in die Runde. "Stiernackige Metzger ja wohl nicht ..." "Der Zahnarzt in unserer Strae", antwortet Steiger. "Ich kannte auch einen jungen Anwalt, der einen besa. Leute, denen die Marke Mercedes zu autoritr war. Der BMW hatte dafr immer ein etwas unvernnftiges oder gar unserises Image." Konsens: Sptestens nach einem Jahrzehnt wurden die Autos von Leuten mit ttowierten Oberarmen aufgebraucht. Rost fhrte dann dazu, dass sie zerfielen. Die soliden Motoren und die restliche Technik htten lnger mitgemacht.

Fotos: Dauertest Audi 100

Testwagen stammt aus Bella Italia

Die Redaktion suchte einen E3 fr den Dauertest, BMW hat diesen in Italien gefunden und stellt ihn uns zur Verfgung. Das Scheckheft ist bis zum 29. April 1983 bei einem Mailnder Hndler gefhrt worden. Kilometerstand damals: 73.154. Kilometerstand heute: 74.233. Tja, alles ist mglich. Aussteigen an der Oldtimer-Tankstelle, an der die Redaktion gern Mittagspause macht. Der Motor lief auf Langstrecke toll, jetzt in der Stadt unrund. Der lverbrauch ist viel zu hoch, das l aber auch viel zu dnn. 5W30 welcher Fachmann war da am Werk? Bremsen, Khlsystem, Frontscheinwerfer und Sitzbezge hat BMW offensichtlich neu gemacht. Hoffentlich haben sie das Auto nicht totrestauriert. Fnf Mann begutachten die Karosserie: "Die Spaltmae passen vorn und hinten nicht." "Der Farbton ist auch nicht original." Und: "Unter dem Wagenheber ist ein Rostloch im Kofferraumboden." Vor dem hinteren rechten Radhaus zeigt sich zudem eine Blase, die schon unter leichtem Kuli-Druck zum Loch wird. Glck gehabt! Diesen BMW knnen wir im Alltag fahren. An ihm werden wir zu tun haben. Und mit ihm werden wir was erleben, so wie das mit alten Autos ist. Willkommen, Kollege!

Der BMW stottert!

An der Hebebhne kann Kfz-Meister Andreas Boje den BMW von oben bis unten durchprfen.

Schon nach wenigen Tagen im hohen Norden scheint der aus Italien zurckgeholte Bayer schlappzumachen. Im Leerlauf dreht der Motor mit 1800 Umdrehungen viel zu hoch. Beim Kaltstart springt er schlecht an, unterwegs luft er unrund und hat Fehlzndungen. Liegt es an der Zndanlage? Oder spielt womglich die D-Jetronic verrckt? Ist die erste elektronische Benzineinspritzung von Bosch, der unser BMW das "i" auf dem Kofferraumdeckel zu verdanken hat, wirklich so anfllig, wie viele behaupten? Mit gemischten Gefhlen bringen wir den BMW in die Werkstatt. Was machen wir, wenn das Steuergert der Jetronic kaputt ist? Die Sorge kann uns Andreas Boje schnell nehmen. "Meistens liegt der Fehler woanders, nur ganz selten im Steuergert."  Arbeiten an der D-Jetronic sind nur etwas fr Profis. Der BMW-Spezialist tauscht den Zusatzluftschieber, bei dem das Dehnstoffelement mit der Zeit verhrten kann. Schon ist das Problem mit dem zu hohen Leerlauf behoben. Als er den Impulsauslser, ein weiteres typisches Verschleiteil der D-Jetronic, durch einen neuen ersetzt, luft der BMW wieder rund. Erleichtert machen wir uns auf den Weg in die Redaktion.

Ein Bayer auf Rgen 

Parkplatz mit Panorama: Die Seebrcke in Sellin ist mit 394 Metern die Lngste der Insel.

Das Dirndl geschnrt, den bayrischen Freund betankt und endlich in den ersten gemeinsamen Urlaub. Wohin? Natrlich nach Rgen! Unser Dauertest soll schlielich etwas von der Welt sehen. Der krftige Wind an der See ist gewhnungsbedrftig. Das kennt unser neuer Dauertester weder aus seiner bayerischen Heimat noch aus Mailand, wo er jahrzehntelang fuhr. Die Strecke Hamburg-Stralsund verging wie im Flug. Auf Rgen sind uns Aufsehen und Anerkennung sicher. Der Flirtfaktor des Autos und der Dirndl ist hoch! Nur ein einziger nlt ber den Gestank. Ein schlanker Gasfu drckt den Verbrauch des BMW. Absurd hoch bleibt er trotzdem. Ansonsten bleibt der Tageskilometerzhler zweimal hintereinander stehen und Kaltstarts bringen die Batterie an ihre Grenze. Unser starker BMW, das steht nach zwei Tagen fest, ist ein echtes Urviech aus dem tiefsten Sden und bald auf der halben Insel bekannt. Wo wir auch ankamen, wurde gegrt, gewunken, gelacht. Unser Bayer mochte Rgen, und die Rgener mochten uns Bayern. Also uns Beinahe-Bayern.

Dauertest: BMW 3.0 Si

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom BMW 3.0 Si (Dauertest).

Verffentlicht:

07.08.2015

Preis:

1,00

BMW 3.0 Si: Tagebuch des Dauertest-Bayern





Autoren: Henning Hinze, Christian Steiger

Stichworte:

Oldtimer

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