BMW 318

BMW 318: Endstation Schrottplatz

— 22.03.2011

“Brummbienchen" – wenig Pflege, viel Stress

AUTO BILD Archiv-Artikel 21/1987: Letzter Kontakt der drei (Vor-)Besitzer mit dem silbernen, aber angerosteten Alt-Bayern: Es war einmal... Die Geschichte eines BMW 318 von der Auslieferung bis zum Schrottplatz.

Aus Freude am Fahren. Hinters Lenkrad setzen, starten und los­fahren. Wolfgang Bauer hatte mit seinem BMW 318 sogar so viel Freude, dass er eines Tages die Grundregeln des Auto(an)fahrens vergas. Im holsteinischen Provinzstädtchen Oldenburg startete der Textilkaufmann den silbernen BMW und verließ eine Garage zügig durch das geschloss­ene Tor. Das war vor knapp 12 Jahren. Heute sind sie reifer – der Held und sein zweitlackierter Begleiter. Der unfreiwil­lige Ex-Stuntman und Erstbesitzer geht im Schwabenland brav seinem Beruf nach und weiß nun wirklich, "dass ich vor dem Starten erst den Gang herausneh­men oder die Kupplung treten muss".

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Der einst so dynamische BMW mit dem ausgeprägten Vorwärtstrieb ist jetzt bei Kilometerstand 137.889,7 – und reif für den Schrott. Den letzten Weg, es sind nur wenige Schritte von der Schrottwaage zur Schrottpresse, konnte der BMW nicht mehr aus eigener Kraft zurücklegen. Gestützt auf die Gabeln eines Hydraulik-Staplers bewegt sich der Wagen Rich­tung Presse – gleich einem alten Star, der sein Ende vor dem Publikum gesucht hatte und den man nun von der Bühne trägt. Zur letzten Würdigung sind sie alle gekommen. Auf Einladung von AUTO BILD sogar Wolfgang Bauer aus Stuttgart, Georg Wenzl aus Lüneburg und die beiden Hamburger Olaf Stern und Heinz Posselt.

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Wolfgang Bauer: "Ich weiß es noch wie heute. 1975, es war ein verregneter Novembertag. Der BMW-Händler fuhr das Auto vor mein Textilge­schäft in Oldenburg. Ich sah das Wetter nicht mehr. Sah nur den Metallic-Lack silbern durch die Regentropfen schim­mern." Am selben Abend fuhren Wolfgang Bauer und Freundin nach Fehmarn und gingen "schick essen". Eben so, wie sich das gehört, wenn man gerade einen schmucken, neuen BMW vor die Tür gestellt bekommen hat. Drei Jahre mit 60.000 Kilometern machte der flotte Bay­er dem jungen Unternehmer "wirklich nur Freude".

Georg Wenzl, Maschinenschlosser aus Handorf bei Lüneburg, hatte schon einen BMW gefahren, als er sich für den silbernen Dreier entschied. Aber die Freude währte nur wenige Wochen, denn "das Auto war einfach zu klein für meine Familie". So richtig heimisch wurde der Bayern-Star erst wieder bei dem Hamburger Fotosetzer Olaf Stern. Er und seine Frau Annette entwickelten dann auch eine sehr intensive Beziehung zu "Brumm­bienchen". Für 4850 Mark hatten sie den Wagen erworben – "ganz happy, so günstig BMW zu fahren". Doch die Freude am Fahren hatte ihre Schattenseiten. Auf einer Tour zur Ost­see vor drei Jahren passierte es: Qualm drang aus dem Motorraum, die Maschi­ne begann zu stottern und stellte ihre Arbeit ein.

Motor flambiert

Es war im Juli und recht warm. Als Olaf Stern die Motorhaube öffnete, schlugen ihm Flammen entgegen. Strafe für eine schlampige Reparatur am (Aus­puff-)Hosenrohr, die der Fotosetzer in Eigenregie ausgeführt hatte. Nachdem der Brandschaden behoben war, arbeitete der Dreier zur Zufriedenheit seiner Fah­rer. "Brummbienchen" bekam jedoch all­mählich Alterserscheinungen. Rost an einigen Karosseriekanten ließ sich auch mit der Sprühdose nicht mehr verber­gen. Und als wieder mal eine Fahrt an die Ostsee anstand, zahlte die Maschine den quälenden Stadtverkehr mit hartem Klackern zurück. Die Ventilfedern waren gerissen, ein Austauschmotor fällig.

Ohne Pflege nichts los

Olaf Stern zuckt die Achseln: "Wir haben das Auto ja auch nie richtig gepflegt." Man sieht's. Außer Benzin, zwischen elf und zwölf Litern auf hundert Kilome­tern, kräftigen Zügen Öl zwischendurch und gelegentlich neuen Zündkerzen hat der Wagen kaum Zuwendung bekom­men. Keine Politur, stets nur straffe Bürsten der Waschstraße auf dem Lack, keine vernünftige Inspektion – den letz­ten beißen die Kosten. So hatte denn der letzte Fahrer des Wagens, Heinz Posselt, nicht viel von dem BMW. Ganze drei Wochen fuhr er das Auto, da gaben Getriebe und Hinter­achse mit einem lauten Knirschen ihren Dienst auf. "Ich hätte das Auto noch über den TÜV gebracht, aber 1000 Mark Repa­ratur, das war mir zu teuer."

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