BMW 325e

BMW 325e

— 21.09.2010

BMW bremst die Kraft

AUTO BILD Archiv-Artikel 37/1986: Der Anteil neuer Autos mit Katalysator wächst. Das Zauberwort Steuerbefreiung hat vie­len Neuwagenkäufern die ursprünglichen Sorgen bei den Katalysator-Modellen genommen.

Zu Recht? AUTO BILD gibt Ant­wort. Ich schaue auf den Tacho des BMW 325e und traue den Augen nicht. Die Nadel pendelt bei 150 km/h. Dabei habe ich den Eindruck, mit nicht mehr als 100 km/h über die Autobahn zu gleiten. Spielt die Anzeige verrückt? Keineswegs. Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass der BMW 325e so ganz und gar BMW-untypisch ist. Der Grund für meine Täuschung hängt unter der Haube des BMW 325e. Ein Sechszylinder wie eine Dampfmaschine. Bauernmotor nannte man das früher und meinte damit: viel Hubraum (2,7 Liter), relativ wenig PS (122). Vorteil solcher Maschinen: Sie brauchen sich nie anzu­strengen. Um die geforderte Kraft zu leisten, sind dadurch praktisch von den ersten Kurbelwellenumdrehungen an voll da.

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Und: Wer sich so schont, lebt länger. Um das Leben des Motors ging es den BMW-Technikern allerdings nicht vorrangig, als sie sich für ihn entschieden. Das Leben der Natur stand im Mittelpunkt. Denn durch seine niedrigen Drehzahlen produziert er eindeutig weniger Schadstoffe als seine hochdrehenden Artgenossen aus gleichem Haus. Da erscheint es fast schon als Luxus, dass die Münchner den Motor auch noch speziell für den Katalysator-Be­trieb auslegten. BMW ging aber noch weiter: Den 325e gibt es serienmäßig nur mit dem Abgasfilter. Soweit die Theorie. Wie schlägt sich der Bayer mit der reinen Weste im Alltag? Zuerst dachte ich, BMW hätte einen Elektromotor mitgeliefert. Der Sechszylinder läuft so leise wie eine Quarzuhr.

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Die Drehzahl stabilisiert sich sofort nach dem Start bei 600 Touren. Eine dicke Schaumstoffmatte an der Unterseite der Motorhaube schluckt die letzten Laufgeräusche. Ich lege den ersten Gang ein, satt und ohne Kraftaufwand, lasse die Kupplung kommen, und schon zieht der bullige Motor kraftvoll aus dem Drehzahlkeller hoch. Noch nicht einmal zehn Sekunden brauchen wir von 0 auf 100 km/h (9,9 Sekunden). Nächste Übung: Elastizität. Wie ver­hält sich der Motor. wenn im hohen Gang aus niedrigem Tempo beschleunigt wird? Spontan, ohne Murren befolgt der Münchner die Befehle meines Gasfußes und dreht sauber hoch (60-120 km/h im 4./5. Gang in 18,2/26,6 Sekunden). Nerviges Herunterschalten beim Beschleunigen fällt also flach.

Vornehme Zurückhaltung

Auch Schnellfahrer ent­täuscht der 325e nicht. Die Höchst­geschwindigkeit beträgt 197 km/h. Soweit stimmt die neue Motor-Philo­sophie von BMW mit der Praxis überein. Doch wie sieht's mit dem Verbrauch aus? Die in der BMW-Werbung als "ver­brauchsoptimiert" gepriesene 325e-Ma­schine hält sich sogar im Spritkonsum vornehm zurück: 10,7 l/100 km schlürfte sie im Testdurchschnitt. Doch die Span­ne zwischen dem geringsten und höch­sten Verbrauch ist enorm. Wer den 325e vornehmlich in dem für ihn günstigsten mittleren Drehzahlbereich bewegt, kommt stets mit weniger als 10 Litern aus. Dauer-Vollgasfahrer müssen auf der anderen Seite mit Spitzenverbräuchen von über 13 Litern rechnen.

Nicht ganz unproblematisch

Für Fahrer mit einem nervösen rechten Fuß kann damit selbst der 325e ein recht kostspie­liges Vergnügen werden. In der Fahrwerksauslegung unter­scheidet sich der saubere 3er nicht vom 320i. Obwohl die Federdämpfer-Einhei­ten sportlich abgestimmt sind, bieten sie befriedigenden Komfort. Selbst auf Kopfsteinpflaster werden die Passagiere nicht durchgeschüttelt. Im Fahrverhalten ist der Hecktriebler nicht ganz unproblematisch. Auf gerader Strecke benimmt er sich tadellos. Aufgepasst jedoch bei schneller Kurvenfahrt. Er schiebt mit dem Hinterteil nach außen. Besonders bei nasser Fahrbahn bedarf der Münchner einer geübten Hand. Mein Urteil: Der 325e überzeugt durch seine Ausgewogenheit, die Lauf­ruhe und die hohe Verarbeitungsquali­tät. Indes: Billig ist der saubere BMW mit 33.150 D-Mark nicht. Selbst nach Abzug der Steuerersparnis von 2187 D-Mark blei­ben noch 30.963 D-Mark auf der Soll-Seite.

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Autor: Tomas Hirschberger

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