BMW 635 CSi (E24)

BMW 635 CSI BMW 635 CSI

BMW 635 CSi (E24)

— 30.08.2009

Der Klassiker ohne Alter

Ein BMW reinsten Wassers: die 6er-Reihe mit dem internen Code E24. Nach vorn gepfeilte Front, famose Reihensechser und ein den Fahrer umschlieendes Cockpit sorgen noch heute fr Freude am Fahren.

Die Augen des Mittvierzigers im beigebraunen Karoanzug leuchten. "Ist das Ihrer? Mein Traumauto!", sagt er knapp, aber freundlich, steigt in seinen Toyota Corolla und rollt aus dem Parkhaus. 6er-Fahrer ernten oft Komplimente wie dieses. Und doch fehlt dem Oberklasse-Coup das Zeug zum Trendsetter der Youngtimerbranche. Da konnte sich Ottfried Fischer noch so oft als "Bulle von Tlz" aus dem BMW 6er wuchten: Als Sammlerstck nimmt ihn nur eine kleine Szene wahr. Nostalgie sieht anders aus, fhlt sich antiker an, fhrt sich nicht so gelenkig wie dieser BMW.

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Die Reihensechszylinder sind ein Traum – und zudem solide.

Fr Barock und Plsch waren andere zustndig, damals, als die Bayern ihre legendren CS-Coups (1968-76) ablsten. Schon die galten in den spten 60ern als Automobile fr besonders feine Geschmacksnerven. Und genauso bestimmte es das Lastenheft auch fr den 6er-BMW: Chefdesigner Paul Bracq hatte ein Sportcoup der betont unaufgeregten und zeitlosen Art zu skizzieren. Das schien den BMW-Managern schon deshalb angebracht, weil die Marke kurz zuvor mit knalligen Effekten in Verruf gekommen war. "Batmobile" hatten Rennsport-Fans die CSL-Modelle mit ihrem extremen Heckspoiler getauft. Und der 2002 Turbo mit Spiegelschrift auf dem Spoiler lste pnktlich zur lkrise eine Bundestagsdebatte ber Rowdytum auf deutschen Straen aus. Da machte sich der 6er, vorgestellt auf dem Genfer Salon 1976, vllig unverdchtig.

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Väterchen Rost: Kotflügel, Stehbleche, Federbeindome, Radläufe, Endspitzen, Türböden und Schiebedach-Ränder sind typische Schwachstellen.

Selbst ein gleich alter Mercedes SLC wirkt angriffslustiger als das BMW-Coup mit seinen kleinen Doppelscheinwerfern, dem gepfeilten Khlergrill im feinen Chromrand und dem fragilen Dachpavillon. Erst spter legte er Frontspoiler und Gummilippe auf dem Heckdeckel an, aber selbst diese Gimmicks nahmen ihm nicht seinen fast khlen Charme. Die Kunden verstanden und whlten die passenden Lacktne. Wer heute einen 6er-BMW sucht, findet ihn nicht in den knalligen Modefarben jener Jahre. Sondern eher monochrom in Mittelgrau, Graphitgrau, Silbergrau. Wenn es sich um eines der rund 10.000 frhen Stcke handelt, die bis 1977 bei Karmann entstanden, kommen oft auch noch Einsprengsel in Rostbraun vor. Erst als BMW die Produktion an sich zog, verbesserte sich die Qualitt. Aber am farbigsten ist immer noch das Fahrerlebnis, das der alterslose Klassiker bietet: Seinen Fahrer erwarten straffe Sessel mit zupackender Kontur, ein Cockpit im schwarzen Designerstil der 70er-Jahre und Old-School-Reihensechszylinder-Motoren, die suselnd zubeien. Weder Stadtverkehr im Vierten noch linke Spur bei 6000 Touren verweigern sie. Dauertempo 200? Klar. Nur die orangefarbene Nachtbeleuchtung der Instrumente verrt doch noch, dass dieses Coup aus dem Flokati-Zeitalter stammt. Und das Schnste: Wer heute einen 6er will, braucht keinen Sechser im Lotto.
Technische Daten BMW 635 CSi (E24), Baujahr 1981
Motor Reihen-Sechszylinder, längs eingebaut
Digitale Motorelektronik Bosch Motronic
Hubraum 3453 cm³
Leistung 160 kW (218 PS) bei 5200/min
max. Drehmoment 310 Nm bei 4000/min
Getriebe Fünfgang, a.W. Vierstufenautomatik
Aufhängung Einzelrad
Bremsen vier Scheiben (vo. belüftet)
Reifen 195/70 VR 14
Räder: 6,5 J x 14
Länge/Breite/Höhe 4755/1725/ 1365 mm
Radstand 2626 mm
Leergewicht 1480 kg
0–100 km/h in 8,5 s
Spitze 225 km/h
Verbrauch um 13 l Super/100 km
Preis 1981 55.750 Mark

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Plus/Minus Die Reihensechszylinder sind ein Traum und zudem solide. Die Karosserie des 6er-BMW dagegen neigt zum Rosten: Kotflgel, Stehbleche, Federbeindome, Radlufe, Endspitzen, Trbden und Schiebedach-Rnder sind typische Schwachstellen. Oft leiden die klassischen BMW-Coups auch unter brutalen Tuningmanahmen frherer Besitzer. Selbst gepflegte Exemplare haben Probleme mit der Bordelektronik und den elektrischen Fensterhebern. Frhe Exemplare fahren mit H-Kennzeichen durch den Alltag, aber einen Kat gab es erst ab 1985 und anfangs nur auf Wunsch. Nachrst-Katalysatoren sind zurzeit nicht am Markt. Das drckt den Preis der Katlosen.

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Ersatzteile Der 6er fordert keine Schrauberkenntnisse: Jede BMW-Werkstatt repariert ihn noch. Und die Preise fr Verschlei߭teile sind moderat: Eine Wasserpumpe kostet 152,32 Euro (Modelljahre 1983 bis 1989), eine Benzinpumpe schlgt mit 241,57 Euro zu Buche. Bremsscheiben kosten 73,78 Euro pro Stck, Zierleisten zwischen 58 und 75 Euro pro Einheit. Im Prinzip finanzierbar wenn nicht alles auf einmal kaputtgeht.

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Marktlage Die Suche nach makellosen Exemplaren fordert Geduld und bis zu 20.000 Euro. Das aber sind Ausnahmen. Wer 12.000 Euro in die Hand nimmt, kann einen wenig gefahrenen, sehr gut erhaltenen 6er erstehen. Am seltensten sind die Modelle 630 CS (5766 Einheiten), 628 CSi (5951) und der sehr gesuchte M 635 CSI (5855). Der 635 CSi (45.215 Einheiten) ist am meisten verbreitet aber leider am hufigsten verbastelt.

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Empfehlung Fr Puristen: einen ganz frhen 6er ohne Spoiler, dafr mit H-Kennzeichen. Fr Alltagsfahrer: einen spten 635 CSi mit G-Kat und Klima. Fr Gourmets: einen perfekten M 635 CSi teuer (ber 25.000 Euro), aber mit weiterem Wertsteigerungs-Potenzial. Und fr alle gilt: Keine Bastelbude nehmen, sondern das beste Stck weit und breit. Und Finger weg von Stilblten der Tuningszene.

Autor: Claudius Maintz

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