BMW 700 RS

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BMW 700 RS

— 28.05.2014

Wenn schon sportlich, dann richtig

Da können wir doch nicht Nein sagen: Als sich die Chance bietet, auch einen 700 RS zu testen, zögern wir nicht lange. Ein Ritt in dieser heißen Alu-Schachtel bleibt ein unvergessliches Erlebnis.

Ja, es stimmt, das ist ein Regelverstoß: Der BMW 700 RS dürfte in dem Vergleichstest gar nicht teilnehmen, denn er ist kein Serienwagen. Nur zwei Exemplare wurden gebaut. Ab 1961 lotete BMW mit dem 700 RS bei Bergrennen am Roßfeld, am Gaisberg und am Schauinsland die Grenzen des BMW-700-Konzepts aus. Könner wie Hans Stuck und Walter Schneider zierten die Liste der 700-RS-Starter. Schneider wurde mit dem 700 RS 1961 Deutscher Bergmeister und war auch in Österreich und der Schweiz erfolgreich.

Dünn wie Frischhaltefolie wirkt die Aluhaut des 700 RS, die sich über einen filigranen Gitterrohrrahmen spannt. Auf die Waage bringt er nur 493 Kilo.

©S. Krieger

Dünn wie Frischhaltefolie wirkt die Aluhaut des 700 RS, die sich über einen filigranen Gitterrohrrahmen spannt. 3465 Millimeter Länge, 1460 Millimeter Breite und ein Radstand von 2000 Millimetern lassen ihn so kompakt wie eine Schuhschachtel auf Rädern erscheinen. Auf unsere Waage bringt er nur 493 Kilo. Speziell für den 700 RS entwickelten die BMW-Ingenieure einen luftgekühlten 70-PS-Boxer-Rennmotor mit 697 Kubikzentimeter Hubraum. Weil sein Bohrung-Hub-Verhältnis fast quadratisch ist, zeigt er sich drehfreudig: Die Nennleistung liegt erst bei 8000/min an. Faszinierend und exotisch: Königswellen treiben die beiden oben liegenden Nockenwellen pro Zylinder an. Neben Renntechnik kommen ganz bewusst auch Serienkomponenten zum Einsatz.
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Beim Handling macht dem 700 RS keiner was vor

Der Zweizylinder-Rennboxer im Heck versteckt sich unter einem Gewirr von Rohren, Schläuchen, Kabeln und Nebenaggregaten.

©S. Krieger

Das gilt unter anderem für Motor- und Hinterachsgehäuse sowie das Viergang-Synchrongetriebe. Die Kupplung stammt aus dem BMW 700 Sport, die Vorderachse samt Einzelradaufhängung aus dem BMW 700. Aus dessen Teileregal nahmen die Techniker auch die Zahnstangenlenkung und das Grundkonzept der Bremsen. Hinten verfügt der 700 RS ebenfalls über eine Einzelradaufhängung mit Anleihen aus der Serienproduktion. Sie ahnen es sicher: In Sachen Handling macht dem Heckmotor-Renner so schnell keiner etwas vor. Er kann Haken schlagen wie ein Gepard auf Beutejagd. Und das akustische Inferno, das er entwickelt, lässt die Trommelfelle erzittern. Schalldämpfung? Fehlanzeige. Mehr Rennwagen-Sound geht praktisch nicht, auch wenn das hochfrequente Dröhnen so gar nichts mit dem souveränen Klang von 328 und 507 zu tun hat. 1964 endete die Karriere des kompakten 700 RS. Eine Randnotiz in der BMW-Historie? Ja. Und nein. Auf jeden Fall ein faszinierendes Beispiel für die erfolgreiche Kombination von Rennsport- und Serientechnik auf kleinstem Raum.
Fahrzeugdaten BMW 700 RS
Motor Zweizylinder-Boxer
Gemischaufbereitung zwei Rennvergaser
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Königswelle
Hubraum 697 ccm
Bohrung x Hub 78,0 x 73,0 mm
kW (PS) bei U/min 51 (70)/8000
Nm bei U/min k. A.
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 145 R 13
Zulässiges Gesamtgewicht k. A.
Tankinhalt/Kraftstoffsorte k. A. /Super plus
Verbrauch (Werksangabe) k. A.
Abgas CO2 (nach Werksverbrauch) k. A.
Messwerte
Beschleunigung 0-50 km/h 3,8 s
Beschleunigung 0-80 km/h 8,0 s
Beschleunigung 0-100 km/h 12,3 s
Beschleunigung 0130 km/h 23,4 s
Elastizität 60-100 km/h 7,5 s (3. Gang)
Elastizität 80-120 km/h 13,1 s (4. Gang)
Bremsweg aus 100 km/h 54,0 m
Leergewicht 493 kg
Zuladung k. A.
Gewichtsverteilung 47/53 %
Wendekreis links/rechts 10,4/11,6 m
Innengeräusch bei 50/80 km/h 93/98 dB (A)
Slalom (Pylonenabstand 18 Meter) 9,5 s
Spurwechsel 70,0 km/h
Rundenzeit 1:56,97 min
Stückzahl 2
Neupreis (1961) k. A.
Zeitwert (Zustand 2, Stand 4/2014) k. A.
Autor:

Peter Michaely

Fazit

Mit dem 700 RS hat sich ein Exot ins Feld geschlichen, der vor allem eines ist: anders. Faszinierend ist bei ihm die Demonstration des technisch Machbaren. Er ist laut, hart und kompromisslos. So wird aus einem 700-Kubik-Mini ein echter Rennsportler.

Fotos: S. Krieger

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