BMW M1

BMW M1 BMW M1

BMW M1

— 20.01.2009

Ausfahrt mit einer Legende

Flach, breit, keilförmig. Der BMW M1 war bei seiner Geburt im Jahr 1978 die Sensation und gilt noch heute als Ikone des Sportwagenbaus. Wir sind den Sportwagen in Ascari gefahren.

Ich weiß nicht mehr, wann der BMW M1 mich verzaubert hat. Es muss irgendwann in den Achtzigern gewesen sein, schließlich verbinden mich und die Bayern-Flunder dasselbe Geburtsjahr. Damals beschäftigte ich mich neben den lästigen Hausaufgaben der Grundschule vor allem mit den Erfolgen "meines" HSV und dem Quartettspielen. Bei einem dieser Spiele muss es mich dann erwischt haben. Obwohl der M1 schon nicht mehr gebaut wurde, war er mein Star. Flach und breit, glänzte er auf der Karte und gewann nicht nur bei mir fast jeden Stich.

Schief eingesetzte Schalter, billig wirkendes Plastik, grob verklebte Teppiche

Der 3,5 Liter große Reihensechser war 1978 weltweit einer der ersten Serienmotoren mit Vierventiltechnik.

Über 20 Jahre später sitze ich in meinem Helden von einst, und ich muss zugeben, unsere erste reale Begegnung schockt mich ein wenig. Ich sitze im Innenraum, und meine inzwischen haptikverwöhnten Testerhände erfassen eine ziemlich lieblose Verarbeitung. Schief eingesetzte Schalter, billig wirkendes Plastik, grob verklebte Teppiche. Sahen so damals Supersportler aus? Mit einem Grundpreis von 100.000 DM gehörte der BMW M1 1978 zum Teuersten, was man auf vier Rädern kaufen konnte. Auch die Sitzposition ist, sagen wir mal, anders. Aufgrund der vorderen Radhäuser sitze ich leicht schräg, meine Beine zielen in etwa auf die kleine BMW-Niere in der Fahrzeugfront. Okay, ist halt so, kann man nicht ändern. Und ich muss ja auch nicht von München nach Hamburg fahren. Stattdessen darf ich schnelle Runden auf der Rennstrecke im spanischen Ascari drehen.

Zeichen der Zeit: Lamellen über der Heckscheibe, Rückleuchten vom 6er und zwei BMW-Logos.

Der BMW M1, ich und eine Rennstrecke! Langsam verfliegt der Schock über die Verarbeitung, ein Grinsen kriecht über mein Gesicht. Wenn die Jungs von damals mich jetzt sehen könnten! Nervös fummel ich den Schlüssel ins Zündschloss, dreh ihn – und bin erstaunt. Ich hatte den typischen BMW-Reihensechser-Klang erwartet. Doch der von der Motorbau-Legende Paul Rosche entwickelte Sechszylinder mit Vierventiltechnik (damals eine Sensation) surrt nicht sonor. Er röchelt. Und erinnert damit mehr als nur ein wenig an den Klang der alten Porsche-Boxermotoren. Ganz großes Kino, denke ich und lege den ersten Gang ein. Funktioniert wunderbar, genau wie das Spiel von Gas und Kupplung. Mit dem O. K. der freundlichen Streckenposten rolle ich auf die Rennstrecke und gebe Gas.

Tempo 100 in 5,6 Sekunden

Ohne zu zuckeln nehmen die 3,5 Liter Hubraum ihre verschärfte Gemischfüllung an, die 277 PS haben leichtes Spiel mit dem Leergewicht von 1,3 Tonnen. Doch viel mehr als die Beschleunigung – Tempo 100 ist laut Werksangabe in 5,6 Sekunden erreicht – begeistert mich die direkt Art und Weise des BMW M1. Die Zahnstangenlenkung ist zwar nicht die Leichtgängigste, dafür verwöhnt sie mit ihrer Direktheit. Wie beim BMW M3 der ersten Generation können einmal eingeschlagene Lenkwinkel auch bei höherem Tempo beibehalten werden.

Das Fahrverhalten des BMW M1 ist trotz aller Direktheit komfortabel.

Auch das Fahrwerk kommuniziert mit dem Fahrer. Streckenmarkierungen werden genauso wahrgenommen wie Querfugen. Dabei fährt sich der M1 nicht einmal unkomfortabel. Doch wehe man überschätzt sich. Zwar kündigt sich das Unter- oder Übersteuern – je nach Gangart – an, wer jedoch überhastet das Gaspedal lupft, sieht sich mit einem blitzschnell eindrehenden Heck konfrontiert. Solche Risiken vermeide ich lieber, schließlich ist der M1 bereits 30 Jahre alt. Und die lieblose Verarbeitung habe ich inzwischen völlig überwunden. Ich hab damals ja auch nicht immer meine Hausaufgaben gemacht.

Interview mit Jochen Neerpasch

Jochen Neerpasch, Gründungsmitglied der M GmbH.

Herr Neerpasch, als Gründungsmitglied der M GmbH haben Sie den Bau des BMW M1 ermöglicht. Was denken Sie heute, 30 Jahre später, wenn Sie den BMW M1 sehen?
Ich finde, es ist nach wie vor ein wunderschönes Auto und noch heute so aktuell wie damals. Auch das Design passt noch wunderbar in diese Zeit.
Was ist das Besondere am BMW M1 ?

Das Besondere am M1 ist, dass es sich um einen für den Rennsport entwickelten Wagen handelt, der dann straßentauglich gemacht wurde. Außerdem handelt es sich um den ersten Mittelmotorsportwagen von BMW.
Wenn Sie die Fahreigenschaften der Fahrzeuge von damals und heute vergleichen: Wo liegen die größten Unterschiede?
Der ganz große Unterschied ist, dass die Autos von gestern leichter sind als die Autos von heute. Das Leichtere ermöglichte natürlich ein ganz anderes, schöneres Fahren.
Meinen Sie, dass es wieder einen BMW M1 geben sollte?

Ja natürlich, ganz unbedingt. Ich würde es empfehlen. Es gibt da ja dieses wunderschöne Konzeptfahrzeug, den BMW M1 Hommage. Wenn man den in der heutigen Zeit in einer modernen Version auf die Straße bringen würde, wäre das eine große Sache.
Technische Daten* BMW M3
Motor R6
Einbaulage mittig längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 3453 cm³
kW (PS) bei 1/min 204 (277)/6500
Literleistung 80 PS/Liter
Nm bei 1/min 330/5000
Antriebsart Hinterrad
Getriebe 5-Gang
Bremsen vorn 300 mm/innenbelüftet
Bremsen hinten 297 mm/innenbelüftet
Radgröße vorn / hinten 7 x 16 / 8 x 16
Reifen vorn / hinten 205/55 R 16 / 225/50 R 16
Reifentyp Pirelli P Zero Asimmetrico
Länge/Breite/Höhe 4360/1824/1140 mm
Radstand 2560 mm
Leergewicht/Zuladung 1300 kg/300 kg
Leistungsgewicht 4,7 kg/PS
Tankvolumen 116 l (58 l pro Tank)
EU-Normverbrauch Ø auf 100 km keine Angabe
Beschleunigung von 0–100 km/h 5,6 s
Höchstgeschwindigkeit 262 km/h
Serienfahrzeug ohne Extras 100.000 DM (1978)
* Herstellerangaben

Autor: Lars Zühlke

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.