Cadillac Eldorado

Cadillac Eldorado Cadillac Eldorado Cadillac Eldorado

Cadillac Eldorado

— 21.10.2013

Für US-Gourmets

El Dorado heißt ein sagenumwobenes Goldland, für Cadillac wurde der gleichnamige Fronttriebler zur Goldgrube. Nach den früheren Flossen-Orgien geriet der Cadillac Eldorado fast nüchtern – was seinem Erfolg nicht schadete.

Der Cadillac Eldorado ist ein Auto zur Vermeidung des Autofahrens. Er ist so gebaut, dass man zwar den Vorgang des Ortswechsels beobachten kann, aber von den Anstrengungen und Bewegungen in den zugehörigen technischen Vorrichtungen nicht viel bemerkt. Es ist wie im Kino: Lümmeln auf bequemen Polstern, und draußen zieht ein Film vorbei. Oder als würde sich mein Ledersofa in die weite Welt begeben. Das Steuer lässt sich mit dem kleinen Finger drehen, und Kurven zollt der Caddy mit vielen Verbeugungen großen Respekt.

Mit schmalen Flossen und breiter Spur durchschwimmt der Cadillac Eldorado den Slalom.

©S. Krieger

It’s the American Way of Luxury. Läuft der Motor? Man streichelt kurz das Gaspedal, "Vroooaaam", und er antwortet wie ein großer böser Hund, dem sich ein Fremder nähert. Da bellen 400 US-PS, von denen unter DIN-Regeln 238 übrig bleiben. Acht Komma zwei Liter Hubraum, macht gut einen Liter pro Zylinder, das geht in Richtung Lanz Bulldog. Der Hubraum zweier Töpfe entspricht dem kompletten Volumen eines neuen Golf-GTI-Motors, der hat auch 220 bis 230 PS. Der Antrieb ist normalerweise kaum präsent, außer man tritt ihm auf den Pinsel. Tut man das bei halber Fahrt, holt er tief Luft wie ein Pottwal, bevor er sich zum Tauchgang aufmacht, und sofort schnellt die Fuhre vorwärts. Was er sich bei jedem Arbeitstakt an Sprit genehmigt, möchte man lieber gar nicht wissen. Aber ein kleiner Fiat käme damit sicher ein paar Kilometer weit. Das ganze Schmalz wird übrigens an die Vorderräder geschickt. Erst mal natürlich vom Motor, der über der Achse thront, zur Dreistufenautomatik, und die leitet den ganzen Bums dann über eine massive Kette an die Antriebswellen weiter. Vorteil der kuriosen Konstruktion: praktisch kein Ziehen in der Lenkung. Man spürt zu keiner Zeit, dass der Caddy Frontantrieb hat. Und das bei 556 Newtonmetern!

Von allem zu viel: Cadillac Fleetwood

Stilistisch hat der Cadillac eine ganz andere Klasse als der Lincoln Continental Mark IV. Die von Bill Mitchell entworfene Karosserie kann man als zeitlos schön bezeichnen, wenn man das amerikanisch Extrovertierte mag. Er ist breit, er ist schwer, aber eine Taille hat er doch. Ein besonderes Detail: die zweiteilige, gepfeilte Heckscheibe. Innen ist er nicht ganz so aufgetakelt wie der Lincoln, aber es genügt, und an technischen Sperenzchen herrscht auch hier kein Mangel: Klimaautomatik, Cruise-Control, Abbiegelicht, Abblendautomatik ... da bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt.
Fahrzeugdaten Cadillac Eldorado
Motor V8, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 16/1
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 8194 ccm
Bohrung x Hub 109,22 x 109,32 mm
kW (PS) bei U/min 175 (238)/3800
Nm bei U/min 556/2400
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Getriebe Dreistufenautomatik
Antrieb Vorderrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 225/75 R 15 S
Verbrauch (Werksangabe) 25,0 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 104 Liter/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 2650 kg
Vorbeifahrgeräusch 76 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 593 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 4,0/7,4 s
0–100/-130 km/h 10,6/16,1 s
Zwischenspurt 60–100/80–120 km/h 6,4/9,8 s
Bremsweg aus 100 km/h 60,4 m
Leergewicht/Zuladung 2250/400 kg
Wendekreis 14,8 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 62/66 dB (A)
Testverbrauch - CO2 21,0 Liter – 498 g/km
Reichweite 500 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 129 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 250/550 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand 9/2013) 19.500 Euro
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Von sportlichem Handling zu sprechen wäre übertrieben, aber immerhin schwankt der Caddy  nicht so wie ein Lincoln Continental Mark IV. Der Frontantrieb zickt dabei kein bisschen, während der Motor seine Kraft locker aus dem Keller holt. Mit seinen scharfen Kanten stilistisch ein Klassiker, auch technologisch weit vorn, aber bei der Verarbeitung eine Liga unter Europa.

Fotos: S. Krieger

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