Pogea: Klassische Corvette mit 485 PS

Chevrolet Corvette: Tuning von Pogea

— 24.01.2012

Fette Vette, Wetten?!

Alte Autos sind eine feine Sache, wenn da nur die anfllige Technik nicht wre. Veredler Pogea Racing lst das Problem auf eigenwillige Art und Weise: Er verheiratet eine 59er Corvette mit topmoderner Technik.

Konfrontiert man Menschen auf diesem Erdball mit den Stichworten "Amerika" und "Sportwagen", kommt selbst Automobil-Uninteressierten nahezu sofort die "Corvette" in den Sinn. Seit beinahe 60 Jahren fasziniert der Sportler aus Bowling Green, Kentucky, Autofans rund um den Globus. Das hier gezeigte Exemplar gehrt zur ersten, zwischen 1953 und 1962 gefertigten Corvette-Generation, hat mit dem offenen Zweisitzer von damals aber nahezu nichts mehr gemein. Klassikerfans sollten jetzt allerdings nicht geqult aufsthnen, sondern sich auf das Gesamtkunstwerk einlassen, das Pogea Racing innerhalb eines Jahres auf die Rder gestellt hat.

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Am ausgestellten Heck sollt ihr sie erkennen: Echte 485 Pferdestrken reizen zu genussvollen Ausflgen mit dem Chevy-Sportler. Egal bei welchem Wetter.

Auch ich hatte insbesondere als groer Freund amerikanischer Automobile meine Vorurteile auf der Fahrt Richtung Bodensee. Allerdings nur bis zum Erstkontakt mit dem rot-weien Hingucker. Trotz ihrer recht kompakten Abmessungen ist die Corvette von 1959, auf der das Projekt basiert, schon im Serienzustand eine auffllige Erscheinung im deutschen Straenverkehr. Insbesondere zwei Tatsachen verleihen dem Pogea-Projekt zustzliche Prsenz: Da ist einmal das um 37 Zentimeter auf satte 2,09 Meter verbreiterte Heck des Sportlers, das nun gleich vier von Pogea konstruierte und technisch mit den Leuchten des Ferrari 458 Italia verwandte Rcklichter in moderner LED-Technik zur Schau stellt. Warum der Widebody-Eingriff ntig war? Wie sonst sollten die jetzt montierten dreiteiligen Leichtmetallrder in immensen 12 x 19 Zoll mit ihren 305er-Reifen Platz finden? Die Megawalzen sind definitiv ntig, um die Power unter dem Blech Pardon Fiberglas einigermaen vertretbar auf den Asphalt zu bringen.

Klassik gegen Moderne das Ergebnis fasziniert

Unter der Haube des Klassikers arbeitet die Technik der aktuellen Corvette-Generation am Vortrieb.

Womit wir bei der zweiten Tatsache angelangt sind, die den speziellen Reiz des Projekts ausmacht: Pogea schickt den ab Werk verbauten V8 in Rente und implantiert stattdessen in mhevoller Arbeit den seit 2008 in der aktuellen Corvette C6 verbauten LS3-Achtzylinder mit 6,2 Liter Hubraum, der nach diversen Eingriffen wie schrferer Nockenwelle, offener Ansaugung mit offenem Konusfilter und Einspritzventilen aus der Corvette Z06 jetzt explosive 485 Pferdestrken und 585 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterachse weiterreicht. Diese verfgt ber ein kurz bersetztes Dana-44-Differenzial, das ein maximales Drehmoment von bis zu 1000 Newtonmetern vertrgt. Wrde Pogea derlei Performance auf den Serienrahmen von 1959 loslassen, der damals maximal 290 PS zu verkraften hatte, wre das Debakel programmiert. Unter dem Fiberglas steckt deshalb ein eigens fr das Projekt von Pogea Racing und Hot-Rod-Designguru Chip Foose entwickelter Rohrrahmen, der Verwindungen jedweder Art komplett vermeiden soll. Dass dem wirklich so ist, davon durfte sich der Verfasser dieser Zeilen selbst berzeugen.

Chip Foose mischt mit

Allzu gro gewachsen darf man als Besitzer eine Corvette von 1959 nicht sein. Meine 1,86 Meter falte ich gerade so hinter das Vallelunga-Lenkrad an der neuen Lenksule, dabei fllt mein Blick auf die neuen Instrumente mit km/h-Bogentacho und dem mittig platzierten Drehzahlmesser. Das Alpine-Multimediasystem mit Touchscreen in der Mittelkonsole bleibt im Schlummermodus, viel zu gespannt bin ich auf den Klang des modernisierten Klassikers. Einen kurzen Schlsseldreh spter wei ich einmal mehr, warum mein Herz fr V8 schlgt: Der Aluminiummotor brllt seine ungezgelte Power ber Edelbrock-Abgaskrmmer mit 45 Millimeter Rohrdurchmesser und eine 76 Millimeter dicke Edelstahlanlage nur leicht gefiltert heraus, saugt dabei dank High-Flow-Pumpe seinen Lebenssaft in gierigen Zgen aus dem Tank. Schon auf den ersten Metern zeigt sich die liebevolle und auch im Detail perfekte Umsetzung des Pogea-Projekts: Das Gewindefahrwerk macht Kurven zu Geraden, die aus der aktuellen Corvette entnommene Bremsanlage jeden Verzgerungsvorgang zum Vergngen.

Brachiale Beschleunigung, infernalischer Klang

Man kann nicht alles haben: Viel rotes Leder, aber keine Airbags, kein ESP, kein ABS und lediglich Beckengurte.

Die Neuinterpretation des Klassikers fasziniert, von den kurzen vorderen Chromstostangen bis zu den Auspuffenden, vom Hauptlack in Rosso bis zu den weien Seitenteilen in Bianco, beides dem Ferrari-Farbsortiment entliehen. Einziger Wermutstropfen: das neue Tremec-Fnfgang-Schaltgetriebe mit seiner Keramikkupplung, welches nach einem uerst durchtrainierten Unterschenkel und einiger bung verlangt, um sich an der Ampel nicht mit abgewrgtem Motor zu blamieren. Doch selbst das wandelt sich schnell von der Tat- zur Nebensache, katapultiert man sich in den rot-weien Cobra-Sportsitzen gen Landstraentempo, lsst sich bei offenem Verdeck den Wind um die Nase und den Motorklang in die Ohren blasen. Und wer bei all diesen rollenden Emotionen zu sehr ins Schwitzen gert, schliet einfach das weie Stoffverdeck und dreht die nachgerstete Klimaautomatik an. Kein Problem vor allem, da der jetzt leere Verdeckkasten als zustzlicher Resonanzkrper fr den V8-Sound dient. Danke, liebe Ingenieure, auch wenn Ihr damals sicherlich bei der Konzeption des Wagens nicht auf diesen Effekt hingearbeitet habt.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

225.000 Euro kostet das einzigartige Gefhrt. "Sonderwnsche des Besitzers haben den Preis in irrwitzige Hhen getrieben", erklrt Eduard Pogea. "Ein etwas weniger spektakulrer Umbau wrde bei hnlicher Performance mit einem Gesamtpreis von 80- bis 100.000 Euro zu Buche schlagen." Wir sind begeistert: Konfrontationen zwischen Klassik und Moderne gehen schlielich nicht immer gut aus, wie uns die Vergangenheit schn des fteren gezeigt hat. Im Falle von Eduard Pogea, seinem Team und der Corvette auf diesen Seiten aber stimmt die Mischung. Der Veredler aus Friedrichshafen baut den ohnehin sehenswerten Sportwagen von 1959 tatschlich zum Gesamtkunstwerk um.

Autor: Bjrn Marek

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