Chrysler LeBaron Cabriolet

Chrysler LeBaron Cabriolet Chrysler LeBaron Cabriolet

Chrysler LeBaron Cabriolet

— 15.03.2008

Ein Chrysler für Cruiser

Für die einen ist das Chrysler LeBaron Cabrio der King of Kitsch, für die anderen die letzte Blüte des US-Autobarocks. Beides macht den LeBaron sammelnswert. Selbst LeBaron mit weniger als 100.000 km sind unter 5000 Euro zu haben.

Heute lächeln wir über diese irren Spät-80er. Höhöhö: David Hasselhoff, Dirty Dancing und Miami Vice. Die Gläser unserer Sonnenbrillen waren handtellergroß, ungestraft trugen wir Moonwashed Jeans zum mintfarbenen Sakko. Und wir ahnten nicht, dass übermorgen die Mauer fallen würde. Lächeln wir weiter. Irgendwann kommt das große Revival der wilden Wende-Zeiten, und wir suchen unsere Traumwagen von damals. Dann wollen wir ein Chrysler LeBaron Cabriolet, weil kaum ein Auto typischer ist für diese Epoche. Aber wir werden keines mehr finden. Dabei könnten wir es heute kaufen. Mittelmäßige Exemplare kosten ungefähr so viel wie das Navigationssystem eines neuen VW Tiguan (2400 Euro), Spitzenstücke sind geringfügig teurer.

Top bei der Ausstattung, weich im Charakter, nachlässig bei den Bremsen

Ami-Chic der 80er: weißer Lack, weißes Verdeck und sinnfreie Scheinwerferabdeckungen.

Es gibt sie noch, weil diese Form des US Open damals vielen Wohlstands-Rentnern gefiel. Sie gönnten sich einen letzten Ausklang des 70er-Jahre-Zuckerbäcker-Designs, außerdem war so ein LeBaron viel sanfter als ein offener BMW 3er oder Saab 900. Mehr Mitbewerber gab es nicht. Und dann prunkte der LeBaron auch noch mit elektrischem Verdeck ohne Aufpreis. Das reichte fürs große Kino vorm Eiscafé. So unschuldig waren die Zeiten. Die Show kostete anfangs weniger als 50 Riesen, ein Kampfpreis, der sich beim Fahren erklärte. Mit empörtem Karosserie-Knarzen wälzte sich der weiche Ami über Waschbrett-Pisten, und Tester rieten ernsthaft, die nie passende Persenning gleich nach dem Kauf wegzuwerfen. Sechs Autobahn-Vollbremsungen konnten den Austausch der vorderen Bremsscheiben notwendig machen. Und selbst Mattel wählte hochwertigere Kunststoffe als die Chrysler-Einkäufer.

Im Innenraum Material-Mix aus Joghurt-Becher-Plastik und Knautsch-Leder

Reichlich graues Knarz-Plastik, aber Klimaanlage und viele Knöpfe ohne Aufpreis.

Das waren damals Schwächen, die den Cruiser zum Rügen-Baron machten – und die wir längst verzeihen können, weil ihn sein schräger Charme in eine Zeitmaschine verwandelt hat. Grandios, diese Science-Fiction-Sessel im Knautschleder-Look. Diese Türverkleidungen mit Plastik-Wurzelholz und ewig vielen Tasten und Schaltern. Die vollkommen sinnfreie Abdeckung der vorderen Scheinwerfer. Ein Hauch von Futurama umgibt ihn, den LeBaron: Ein bisschen was hat er von diesen 60er-Jahre-Studien aus Detroit, die nie in Serie gingen. Mit seinem Liberace-Design lässt er auch vergessen, dass er im Herzen doch schon auf dem Weg in die Neuzeit war – mit Frontantrieb und (in der späten 3.0-V6-Version) einem DOHC-Motor, der von Mitsubishi kam. Aber beides schadet nicht, erst recht nicht im Klassiker-Alter: Als Chrysler für Cruiser muss er nichts mehr beweisen, sondern nur noch an damals erinnern. An eine Zeit, die wir belächeln. Noch.

Technische Daten Chrysler LeBaron 3,0 V6 Cabrio: • Sechszylinder, V-Form • zwei oben liegende Nockenwellen • Hubraum 2972 ccm • 100 kW (136 PS) bei 5200/min • max. Drehmoment 232 Nm bei 2800/min • Vierstufen-Automatikgetriebe • Frontantrieb • Scheibenbremsen rundum • Reifen 195/70 R 14 • L/B/H 4695/1760/1300 mm • Radstand 2550 mm • Einzelradaufhängung an Querlenkern vo., Starrachse mit Längslenkern/Panhardstab hi. • Leergewicht 1435 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 12 s • Spitze 182 km/h • Verbrauch 12,5 l N/100 km • Neupreis (1991) 50.930 D-Mark.

Autor: Christian Steiger

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