Citroën 2 CV6 Charleston

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Citroën 2 CV6 Charleston

— 27.10.2010

Der letzte Tanz zum Abschied

Glänzende Augen und ein wenig Farbe auf den Rundungen – als Charleston ging die Ente in Rente. Der nostalgische Oldie ist heute gesucht und noch immer ein Auto für Liebhaber.

Der letzte Tanz der Mademoiselle, die Zeit ihres langen Lebens als hässlich verschrien war, begann 1980. Damals hatte die Ente das biblische Auto-Alter von 32 Jahren erreicht und sogar ihre Nachfolgerin, die Dyane, längst überlebt. Zum Finale legte Citroën erstaunlicherweise Glanz und Schminke auf: verchromte Scheinwerfer und eine zweifarbige Lackierung, deren satter Schwung die Rundungen vorteilhaft betonte, kreierten den "Charleston". Als Sondermodell gestartet, rückte dieser 2 CV6 ab 1981 ins reguläre Programm und spielte den nostalgischen Rausschmeißer – bis zum bitteren Produktionsende 1990.

Die Standard-Ente: Citroën 2 CV6 Club

Lüftung auf Französisch: Seitenfenster hochklappen, Stoffdach aufrollen. Fertig.

Die Enten-Freunde staunten nicht schlecht, wie aufmerksam Citroën den Charleston bedachte – so viel Liebe hatte das Einfach-Auto weder vom Hersteller, der seine Modellpflege stets aufs Notwendigste beschränkte, noch von seinen Käufern erfahren, die das Leben oft mehr schätzten als Autopflege. Der ewige Modernisierungsstau in der Ente steigert das Fahrerlebnis mit der letzten Serie heute zum nostalgischen Wiegeschritt in die Sechziger, ja die Fünfziger: Es ist alles wie immer, alles wie damals. Man rückt Schulter an Schulter zusammen auf dünnen Stühlchen, der kleine Zweizylinder-Boxer verbreitet lautstarke Hektik, und es geht nicht wirklich voran.

Die Allrad-Ente: Citroën 2 CV 4x4 "Sahara"

Der Citroën ist ein vom Wind umtostes Studierzimmer für die Erkenntnis, dass Geschwindigkeit im Leben nichts bedeutet. Gar nichts. Derart entspannt genießt man drei Lüftungsstufen. Erstens: Seitenfenster nur aushaken, dann flattert die Scheibe im Fahrtwind. Zweitens: Arm raushängen (gilt nur im Citroën nicht als Manta-Macke). Und drittens: Seitenfenster ganz hochklappen. Halt, eine Steigerung gibt es noch. Für den deutschen Minutensommer bietet das Rolldach eine Extraprise Frischluft, die nach typischer Enten-Art verabreicht wird: aufrollen, festknöpfen – fertig. Die Freude, wie schnell eine Cabrio-Limousine nach einem Arbeitstag den Kopf freibläst, bietet für diesen Preis kein modernes Auto.

Zu schrauben gibt es immer

Dabei gilt der Charleston heute als modernste und besonders begehrte Ente: Er hat den stärksten Motor (29 PS) und innenliegende Scheibenbremsen. Deren größter Vorteil ist nicht die bessere Bremswirkung, sondern der leichtere Wechsel der Beläge, der bei älteren Trommelbremsen schnell zur Totaloperation ausartet. Und zu schrauben gibt es an der Ente immer, dafür sorgt schon der Rost. Dann gehört man dazu, zur großen Gemeinde der Enten–Fahrer, die sich noch immer grüßen. So was nennt man heute Community, nur mit dem wichtigen Unterschied: Am Charleston ist nichts virtuell. Sondern alles hautnah. Und lebensecht.

Historie

1948: Nach Plänen, die aus den 30ern stammen, präsentiert Citroën die erste Ente. Mit grau lackiertem Wellblech, Rolldach und neun PS. Die Kasten-Ente Fourgonette folgt 1951, der Sahara (4x4) 1958. Die Motorleistung steigt von 21 PS (1966) auf 23 und 29 PS ab 1969. Enten mit eckigen Scheinwerfern (ab 1974) wurden anfangs nicht gegrüßt. Der Charleston (ab 1981) wurde bis zum Produktionsende (1988 in Frankreich, 1990 in Portugal) gebaut.

Technische Daten

2 CV6 Charleston
Zweizylinder-Boxermotor, vorn längs • 602 ccm • 21 kW (29 PS) bei 5750/min • max. Drehmoment 39 Nm bei 3750/min • Vierganggetriebe • Vorderradantrieb • Länge/Breite/Höhe 3830/1480/1600 mm • Leergewicht 595 kg • Reifen 125 SR 15 • vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen • vorn und hinten Einzelradaufhängung, Teleskopstoßdämpfer • Spitze 113 km/h • 0–100 km/h 52,3 s • Verbrauch 6,5 l Normal/100 km • Neupreis 8690 Mark (1987)

Plus/Minus

Eine Ente ist eine Ente – ein Auto wie kein anderes: simpel, mit genialen Ideen wie dem Rolldach oder schnell abschraubbaren Kotflügeln und mit haarsträubenden Mängeln (Rost). Luxus darf man in der dünnen Blechlaube nicht erwarten. Die Sitze sind bessere Gartenstühle. Der kleine Motor stempelt den 2 CV zum ewigen Underdog. Dafür bietet der geräumige Viersitzer genug Platz für die große Urlaubsreise, der Motor gilt als vollgasfest. Der Komfort mit den langen Federwegen ist überragend, die Schräglage in Kurven abenteuerlich. Der Unterhalt ist spottbillig, die Anschaffung dafür umso teuerer. Kein Auto für Vernünftige, Rechner und Nörgler, sondern für Liebhaber und (Nach)lässige.

Marktlage

Rostgefährdet: die Frischluftklappe unter der Frontscheibe.

Frühe Baujahre sind selten und teuer, die meisten angebotenen Enten stammen heute aus den 80ern. Ungeschweißte Exemplare sind kaum zu finden, der Rost hat sie alle befallen. Prüfen sollte man vor allem die Karosserie, hier Frischluftklappe unter der Windschutzscheibe, Türen, Schweller, Dachholme und Sitzbankkasten. Besonders kritisch ist Rost am Rahmen, bei fortgeschrittenem Verfall kann er im Bereich des Vorderwagens brechen. Eine extrem schwergängige Lenkung ist ein Indiz für einen gebrochenen Rahmen. Vorsicht bei Billig-Geflügel: Brauchbare Autos sind erst ab 3000 bis 4000 Euro zu kriegen, gute kosten leicht 8000 Euro. Und sind nach Ansicht der Experten ihr Geld wert, wenn die Restauration gelungen ist.

Ersatzteile

Haltbarste Lösung: Tausch des vergammelten Rahmens gegen einen vollverzinkten.

Kein Problem. Aufgrund der langen Produktion (rund vier Millionen 2 CV wurden gebaut) sind noch alle Teile zu bekommen. Verschleißteile zum Teil extrem günstig (Bremsklötze für 9,90 Euro), die wichtigen Blechteile von gut sortierten Spezialisten wie "Der Franzose". Dort gehört ein feuerverzinkter Rahmen zu den Bestsellern, weil immer mehr Besitzer das Schweißen leid sind. Teuer wird es bei Blechteilen am Aufbau, etwa Türen und Säulen. Auch hier gilt: Alles ist zu haben.

Empfehlung

Suchen Sie einen Charleston aus der Zeit vor 1986. Denn Autos aus französischer Produktion sind langlebiger und solider als Exemplare, die in Portugal und später gebaut worden sind. Bei einem einfarbigen 2 CV Club gilt angeblich: je dunkler der Lack, desto rostresistenter die Ente. Der Knackpunkt bei der Wahl lautet: Wie stark sind Karosserie und Rahmen angegriffen? Unbedingt das Blech checken – Technik oder Rolldach sind im Vergleich günstiger zu reparieren.

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