Citroën CX 25 RD

Citroën CX Citroën CX

Citroën CX 25 RD

— 01.02.2011

Traumschiff Raumschiff

Er ist groß, stilsicher und technisch einmalig. Kenner sagen, der CX sei der letzte echte Citroën. Neben Unmengen an Gepäck transportiert so ein CX Break auch Raum und Zeit.

Franzosen sind Helden des Alltags. Wenn es um Praxisnähe geht, macht ihnen so schnell keiner was vor. Mögen sie ihr Leben mitunter auch mit Laisser-faire und Gottvertrauen gestalten, hat die Wirklichkeit in Frankreich doch großes Gewicht. Wie sonst hätten Citroën Acadiane, Renault 4 Fourgonette und Peugeot 404 Pick-up entstehen können? Die Ente trug Eier und Bauern sanft durch schweres Geläuf, der Kasten-R4 wurde zum König des Kleingewerbes, und der Peugeot bewegte halb Afrika. Und dann ist da noch der Citroën CX Break, der revolutionäre Geist mit dem Raumangebot eines Überseecontainers. Ein Designer-Stück mit 2,35 Kubikmeter Ladevolumen und einer Zuladung von 700 Kilogramm!

Schwebendes Verfahren: Citroën CX

So elegant kann riesig sein: Die CX-Form überzeugt auch nach mehr als 30 Jahren, Platzangebot und Komfort sind über alle Zweifel erhaben

Der letzte frei von Zwängen entwickelte Citroën, das letzte Produkt vor der Ära Peugeot, die 1976 begann. Nach den wegweisenden und stilbildenden Vorgängern Traction Avant (1933) und DS (1955) war der 1974 vorgestellte CX der dritte epochale Mittelklasse-Entwurf des Hauses Citroën. Die reduzierte Form des halbierten Tropfens signalisierte vernunftbetonte Avantgarde, und das Kürzel CX stand im Französischen für den Luftwiderstandsbeiwert. Bei seinerzeit sehr guten 0,369 lag der cW-Wert, das obligatorische Citroën-Wortspiel ging somit auch auf. Vieles blieb auch beim Alten: Natürlich war die Hydropneumatik an Bord, das Motorenangebot blieb überschaubar: Vierzylinder, zwischen zwei und 2,5 Liter groß, Benziner und Diesel.

Stille Revolution: Citroën CX

Laderaum oder mobile Garage? In den Kofferraum passte noch ein Citroen 2 CV.

Erst nach dem Ableben der einstigen Größen Citroën DS und SM im Jahr 1975 durfte der CX über sich hinauswachsen. Zeitgleich mit dem Kombi kam 1976 das Luxusmodell "Prestige" heraus, Kombi und CX-Oberklasse besaßen den gleichen Unterbau mit einem um 250 mm auf 3095 mm gewachsenen Radstand. Auf 4,92 Meter streckt sich das Raumschiff CX, über zwei Meter lang ist die ebene Ladefläche bei umgelegten Rücksitzen, an der schmalsten Stelle 1,10 Meter und zwischen den Türen über 1,40 Meter breit. So ein CX lässt sich völlig unkoordiniert beladen: einfach alles reinschmeißen und Klappe zu. Ein großer Teil des ganz eigenen CX-Charmes ging 1985 mit dem Übergang zur Serie II verloren, als ein Plastik-Rammschutz die Edelstahl-Stoßstangen ersetzte und der Innenraum optisch entschärft wurde.

Passagierschiff

Bis dahin standen die grüngelb flirrenden Tacho- und Drehzahl-Walzen inmitten der zwei Bedienungs-Satelliten im starken Kontrast zum simplen Nutzwert des Hecks, in dem sogar die Großfamilie Platz fand. Die Version "Familiale" war ein Break mit drei Sitzreihen, zugelassen für acht Personen – eine Größenordnung, die scheinbar nur von Franzosen erfunden werden konnte. Sie blieben dem CX treu, über 15 Jahre lang. Erst 1991 lief der letzte von 1.170.645 CX beim Karosseriebau-Spezialisten Heuliez vom Band. Und was? Natürlich ein praktischer Break.

Technische Daten

Citroën CX 25 RD
Vierzylinder in Reihe • 2482 ccm • 75 PS bei 5500 U/min • max. Drehmoment 144 Nm bei 2000 U/min • Fünfgang-Schaltgetriebe • Vorderradantrieb • Länge/Breite/Höhe 4952/1770/1465 mm • Leergewicht 1505 kg • Reifen 185 SR 14 • Scheibenbremsen rundum • Einzelradaufhängung an Querlenkern vorn, an Längslenkern hinten, hydropneumatische Federung mit automatischem Niveauausgleich • Spitze 151 km/h • Beschleunigung 0–100 km/h in 18 s • Verbrauch: 8,6 Liter Diesel/100 km • Neupreis 1985: 32.330 D-Mark

Historie

Debüt im Oktober 1974, Wahl zum "Auto des Jahres 1975". 1976: CX Prestige und Kombi (Break und Familiale) mit 3095 mm Radstand, erster Diesel mit 2175 ccm und 65 PS. Diesel ab 1978 mit 2500 ccm (75 PS), ab 1983 auch als Turbodiesel (95 PS). Ohv- und ohc-Benziner zwischen 1985 ccm (102 PS) und 2347 ccm (168 PS) groß. 1985: CX Serie II mit neuem Armaturenträger und Kunststoffstoßfängern. 1989 endet die Produktion der Limousine, 1991 die des Break.

Plus/Minus

Futuristische Bedien-Satelliten: So sollte der Fahrer einst alles bedienen können, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen.

Die Kombination aus aufwendiger Fahrwerktechnik, eigenständigem Design und enormem Raumangebot ist bis heute unerreicht. Kein anderes Auto handelsüblicher Abmessungen bietet gleichzeitig so viel Platz, Stil und Komfort wie ein CX Break oder Familiale. Die Hydropneumatik des CX ist ausgereift, und ein Großteil der durchweg haltbaren Benzin- und Diesel-Motoren kann durch Aufrüstung derzeit noch fit für die Umweltzonen gemacht werden. Weniger schön sind die oft schlampige Machart des großen Franzosen, die Anfälligkeit der Elektrik und die fatale Neigung des CX zum Rosten. Größtes Minus: Gute Autos sind in Deutschland schwer zu finden.

Marktlage

Die Zahl der verschlissenen Arbeitstiere überwiegt deutlich, der große Nutzwert des großen Citroën ist sein Schicksal. Viele CX Break und Familiale wurden gekauft und verbraucht, gepflegte Autos mit niedriger Laufleistung sind sehr selten und dann meist auch teuer. Ein Besuch in Frankreich kann sich deshalb auszahlen, aufgrund hoher Reparaturkosten ist das bessere Auto der günstigere Kauf.

Ersatzteile

Die Suche nach CX-Teilen endet beim spezialisierten Händler, im Internet oder auf französischen Schrottplätzen – im offiziellen Handel gibt es so gut wie nichts mehr für den einstigen Million-Seller. Die robuste Mechanik des großen Citroën bereitet dabei kaum Probleme, allerdings sind Teile für den Innenraum, Türen (vor allem die hinteren), Zierrat und der Chromschmuck der Serie I selten geworden.

Empfehlung

Der CX gilt Anhängern der großen Marke als letzter echter Citroën, an die Beliebtheit der Göttin DS reicht er aber nicht heran. Das macht ihn attraktiv im Preis und sympathisch für Citroën-Einsteiger. Empfehlung für Sammler: ein pures und ursprüngliches Autos der Serie I als Liebhaberstück mit H-Kennzeichen. Empfehlung für Nutzer: ein pfleglich behandelter Benziner-CX der Serie II als Alleskönner mit grüner Plakette.

Autor: Jan-Henrik Muche

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