Concorso d'Eleganza 2015: Preisverleihung

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Concorso d'Eleganza 2015: Preisverleihung

— 25.05.2015

Edelstes Blech am Comer See

Ein gelber Renner aus Spanien betört beim Schaulaufen der blechernen Beautys auf dem Concorso d'Eleganza Villa d'Este die Jury. Doch den Titel "Best of Show" holt sich ein bestechend schöner Alfa.

Sein Sound lässt Menschen in Ehrfurcht erstarren: der Alfa Romeo 8C 2300 wird zum "Best of Show" gekürt.

©@bmwgroup

Erst beim feierlichen Finale am Sonntagabend verkündete die Jury ihre Entscheidung: Sie kürte den Alfa Romeo 8C 2300 (1932) mit dem Titel "Best of Show" des Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2015. Der amerikanische Sammler David Sydorick aus Beverly Hills war mit dem italienischen Sportwagen am Comer See angetreten. Die Entscheidung gilt durchaus selbstbewusst, weil die zweisitzige, offene Karosserie von Zagato zwar beeindruckend klar gezeichnet ist, doch als reduzierte, vom funktionalen Anspruch her gedachte Form sich keinerlei stlistische Extravaganzen leistet. Seinen Auftritt jedoch inszenierte der Achtzylinder-Rennwagen mit einem betörend ungestümen Sound, der das mondäne Umfeld in Ehrfurcht erstarren ließ. Jeden Mai versammelt sich am Comer See viel opulentes, altes Blech. Kaum ein Oldtimertreffen hat einen klangvolleren Namen als dieses Klassikertreffen, und kaum eines ist elitärer und internationaler. Auch die 2015er-Ausgabe bewies diese Qualität: 52 handverlesene Blech-Preziosen aus aller Welt traten auf dem feinen Kies in neun Klassen gegeneinander an. Erstmals 1929 wurde der Schönheitswettbewerb für edles Blech im Garten des Fünfsterne-Hotels Villa d'Este am Ufer des Comer Sees ausgetragen. Und trotz des immensen Reichtums, der sich jedes Jahr hier versammelt, eint Teilnehmer wie Zuschauer spürbar ihre Leidenschaft für schöne, faszinierende Automobile.

Concorso d'Eleganza 2015 in Bildern

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Die Wettbewerber beim Concorso d'Eleganza kommen längst nicht mehr nur aus Italien, Deutschland und Amerika, sondern beweisen tatsächlich Internationalität. So reiste ein frisch restaurierter Rolls-Royce Camargue aus Tschechien an, ein Ferrari 250 GT LWB Competizione mit zauberhafter Patina, der jahrzehntelang im Alltagseinsatz unterwegs war, gehört einem finnischen Besitzer. Aus einer litauischen Sammlung wurde ein Mercedes-Benz 380 an den Comer See geschickt, während ein "Großer Mercedes 770 K“ heute in Russland zu Hause ist. Ex-BMW- und Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder zeigte dagegen seinen Rolls-Royce Phantom V, mit dem einst Ivana Trump durch New York rollte. Hier am Comer See erzählt jedes Auto seine eigene, spannende Geschichte, so zum Beispiel der sechsrädrige Panther Six, der 1976 mit seinen 600 PS eine Spitze von sagenhaften 320 km/h versprach und extrem teuer war. Von den beiden gebauten Exemplaren ist nur dieses noch bekannt. Als wichtigster Preis des Concorso d'Eleganza gilt die legendäre Coppa d'Oro, der Goldpokal, den das geladene Publikum am Samstag vergibt. Dieses Jahr ging die Trophäe an einen Ferrari 166 MM, eine kompakte Barchetta mit einer Karosserie von Touring aus dem Jahr 1950. Nur 25 Stück sind damals entstanden, der einstige Fiat-Chef Giovanni Agnelli war sein erster Besitzer, der zweite der Rennfahrer Olivier Gendebien. Später stand dieser frühe Ferrari im Museum of Modern Art in New York, dann in der Berliner Nationalgalerie.

Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2014: Die Sieger

Der swingt auf unvergleichliche Art: Ein Ferrari Dino 206 S von 1966, den ein deutscher Sammler aufbewahrt.

Weitere Preise gingen an den Farman A6B (1925) als besterhaltenen Vorkriegsklassiker, an den slowakischen Besitzer des Isotta Fraschini 8A SS für die weiteste Anreise und an den Ferrari 212 Europa (1952) für die sorgfältigste Restaurierung, die der Amerikaner Paul Russell besorgt hatte. Der Preis für das aufregendste Design erhielt zu Recht der Pegaso Cupula (1952), der dem niederländischen Sammler Evert Louwman gehört: Diese exaltierte Mischung aus Farbe, Schönheit und Brutalität erreichte kein anderes Auto. Auch die extra befragte Jugend sprach dieser spanische Entwurf an: Die Unter-16-Jährigen kürten den Pegaso zu ihrem absoluten Highlight.

Auktion der Millionen-Oldies

Wurde für 6,72 Mio. Euro von RMAuctions versteigert: ein Ferrari 212 Export Barchetta von 1952.

©RM Auctions

Für Samstagabend hatte RM Sotheby's zum zweiten Mal zu einer Auktion im Rahmen des Concorso d'Eleganza geladen. Schon bei der Premiere 2013 hatte sich gezeigt, dass sich trotz des hochkarätigen Rahmen teure Lots hier nur schwierig verkaufen lassen. So auch 2015: Von den drei angekündigten Multi-Millionen-Highlights fand nur der 1952er Ferrari 212 Export Barchetta einen neuen Käufer. Mit 6,72 Mio. Euro (inklusive Aufgeld) war er bei weitem das teuerste Fahrzeug der gut zweistündigen Auktion, die beiden anderen Ferrari 250 GT SWB-Derivate blieben trotz Geboten von 9,1 und 10,25 Millionen Euro stehen – den Verkäufern genügten diese Summen nicht.

Ein Ferrari 288 GTO (1985) stieg dagegen auf über 1,9 Mio. Euro, ein 250 GT Cabriolet aus der zweiten Serie (1960) auf 1,57 Mio. Euro – das lag in dem Bereich, den RM Sotheby's vorab als Schätzung angeben hatte. Über diese bereits hoch angesetzte Schwelle hinaus konnten sich nur wenige Autos durchsetzen. Einem Ferrari Enzo (2002) gelang dies mit üppigen 1,26 Mio Euro, ein Ferrari 599 GTB HGTE (2007) kam auf unerwartete 358400 Euro. Weniger drängend zeigte sich die Nachfrage bei Porsche: Für einen Porsche 911 Carrera RS 2.7 Sport hatte sich RM etwas mehr versprochen als 1.008.000 Euro. Dafür punktete, passend zur Rahmenveranstaltung, der Alfa Romeo 6C 2500 SS Villa d'Este, der seinen Namen trägt, weil er in seinem Premierenjahr 1949 die Coppa d'Oro des Concorso d'Eleganza als schönstes Auto erhielt: 784.000 Euro dürfen als durchaus selbstbewusstes Ergebnis gelten. Doch vielleicht schwang bei ihm auch die spezielle Magie von Villa d'Este etwas mit.

Concorso d'Eleganza 2015 in Bildern

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Autor: Thomas Wirth

Fotos: @bmwgroup, RM Auctions

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