Test: Datsun 1200

Datsun 1200

Datsun 1200 im Test

— 06.12.2013

Zwischen Soll und Haben

Wer sich einem Japan-Klassiker wie dem Datsun 1200 nähert, sucht automatisch nach den Merkmalen einer Kopie. Schade, wenn sein wahrer Charakter deshalb verborgen bleibt.

Für uns ist er ein kleiner Star, der Datsun. Schon deshalb, weil es verrückte Leser gibt, die einen Exoten wie ihn verhätscheln und uns das auch noch schriftlich mitteilen. Und weil der Datsun 1200 de Luxe – der nebenbei auch Nissan Sunny heißt – eine so gelungene Mischung ist. Nein, keine Kopie, auch wenn er als Japaner per se unter dem Generalverdacht steht, von notorischen Nachmachern gezeichnet worden zu sein. Dem Toyota Corolla sollte er Konkurrenz machen und sah diesem wohl auch deshalb – nun ja – verblüffend ähnlich.

Auf dem Kofferraumdeckel steht Nissan – egal, gutmütiges Kurven bedarf keiner Namen.

©R. Rätzke

Vielleicht ist er nicht unbedingt "die bessere Alternative", wie die Datsun-Werber einst texteten, aber er tritt seinen Gegnern in diesem Vergleich auf Augenhöhe gegenüber. Der Datsun 1200 leistet sich sogar noch ein paar Extravaganzen: eine silbrige Plastikblende in Aluoptik am Armaturenbrett zum Beispiel. Oder einen Kunstleder-Himmel, der gemustert ist wie Tante Gertruds Wachstischtuch. Aber auch Fensterkurbeln aus echtem, verchromtem Metall und ein Clarion-Radio, dessen deutschsprachige Blende zwischen all den englischen Beschriftungen so heimatlich wirkt wie ein Brauhaus in Tokio. Wir lassen den Dudelfunk aber lieber ausgeschaltet und lauschen dem flüsterleisen Leerlauf des Motors – der sich mit steigender Drehzahl leider zu einem rustikalen Brummer entwickelt. 

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Der Motor verblüfft mit seinen Fahrleistungen, brummt bei höheren Drehzahlen aber ziemlich laut.

©R. Rätzke

Der Schalthebel wächst dem Fahrer aus dem Getriebetunnel griffgünstig entgegen und fühlt sich an wie eine Kreuzung aus den Exemplaren in Triumph Herald und MGB. Die Schaltung ist knackig, aber nichts für sportliche Feingeister. Das Fahrwerk mit Federbeinen vorn und Blattfedern hinten ist straff, aber nicht straff genug, was den Datsun trotz seiner guten Ansätze nur zum Möchtegern-Raubein macht. Trotzdem kann er uns noch verblüffen: durch Fahrleistungen, die selbst den Fiat ausstechen! In nur 17,8 Sekunden beschleunigt er auf 100 und ist damit von allen Kandidaten der Schnellste – trotz seiner 54 PS wie im Fiat 128 und Opel Kadett. Der Sushi-Kadett kann sich aber einfach nicht entscheiden, ob er Datsun oder Nissan, junger Wilder oder guter Kamerad sein will. Das kostet ihn im Vergleich einige Punkte. Und der Fahrer? Der lässt rasch eine gemächliche Gangart einkehren und hält die Zeituhr mit ihrer roten Sekunden-Nadel versehentlich kurzzeitig für einen Drehzahlmesser – Stars wie der Datsun 1200 sollten doch eigentlich einen haben, oder?
Fahrzeugdaten Datsun 1200
Motor Reihenvierzylinder
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 1171 ccm
Bohrung x Hub 73,0 x 70,0 mm
kW (PS) bei U/min 40 (54)/6000
Nm bei U/min 95/4000
Höchstgeschwindigkeit 144 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 155/80 R12 T
Verbrauch (Werksangabe) 8,0 Liter
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 40 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 1100 kg
Vorbeifahrgeräusch 80 dB (A)
Abgas CO2 (nach Werksverbrauch) 190 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 5,3/11,2 s
Beschleunigung 0-100 km/h 17,8 s
Zwischenspurt 50-80/60-100 km/h 5,8/11,1 s
Bremsweg aus 100 km/h 65,0 m
Leergewicht/Zuladung 730/370 kg
Wendekreis links/rechts 8,6/8,9 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 68/77 dB (A)
Testverbrauch - CO2 9,5 Liter - 225 g/km
Reichweite 420 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 109 Euro
Werkstattintervalle 5000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 160/350 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand 11/2013) 3500 Euro
Autor:

Frederik E. Scherer

Fazit

Auf dem Papier beschleunigt der Datsun 1200 seine Gegner locker aus. Hinter dem Lenkrad aber changiert sein Charakter zwischen kontinentaler Bürgerlichkeit und englischem Raubein-Charme. Ein Volksheld ist er trotzdem – und als solcher zu Unrecht vergessen.

Autoren: Jan-Henrik Muche, Frederik E. Scherer

Fotos: R. Rätzke, R. Rätzke

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