DeLorean DMC-12

DeLorean DMC-12

— 19.09.2011

Völlig losgelöst

Höhenflug und Bruchlandung lagen selten so nah beieinander wie beim DeLorean. Eines der schillerndsten Autos seiner Zeit scheiterte an Übermut, Drogen und Intrigen. Dabei war alles ganz anders – vielleicht.

Die Grenze zwischen Wahrheit und Legende über den DeLorean DMC-12 liegt auf 53,29938 Grad nördlicher Breite/9,76344 Grad westlicher Länge und verschlickt dort in den Tiefen des Atlantiks. Nach dem Konkurs der DeLorean Motor Company soll die britische Regierung die Presswerkzeuge zur Herstellung des linken vorderen Kotflügels und des rechten hinteren Seitenteils vor der westirischen Küste bei Galway versenkt haben. 240 Meilen entfernt von der Fabrik in Dunmurry in Nordirland, das ein Teil des Vereinigten Königreichs ist. Die Geschichte von Aufstieg und Fall des John DeLorean und seines Autos zählt zu den großen Dramen der Automobilhistorie. Über das, was damals passierte, gibt es nicht so etwas wie die eine Wahrheit. Doch zumindest die allgemein verbreitete und dramaturgisch so wertvolle Meinung – eitler Automanager zockt Subventionsmillionen ab und stürzt dann über Drogengeschäfte – liegt ziemlich daneben. Versuchen wir, uns der Wahrheit zu nähern. Das hilft, um dieses ungewöhnliche Auto zu verstehen, den DMC-12.

Der DeLorean hatte hartnäckige Probleme mit dem Mechanismus der Edelstahl-Flügeltüren.

©S. Krieger

Alles beginnt bei General Motors in Detroit. John Z. DeLorean ist dort Topmanager im Vorstand, versucht, seine Vision eines Autos durchzusetzen: kompakt, sparsam, langlebig. Heute würde man es nachhaltig nennen, DeLorean findet dafür den Begriff des ethischen Autos. GM hat an so etwas kein Interesse. DeLorean kündigt 1972 aus Frust über die Trantütigkeit des größten Autoherstellers der Welt, gründet 1975 die DeLorean Motor Company. Ihr liefert Giorgetto Giugiaro Skizzen für einen Mittelmotor-Sportwagen. Das heißt, er recycelt einen Entwurf, den Porsche als Vorschlag für den 928 abgelehnt hatte. 1976 gibt die Studie DSV (DeLorean Safety Vehicle) einen Ausblick auf das Auto. DeLorean sucht nach einem Motor. Am liebsten hätte er den Wankel aus dem Citroën GS Birotor. Am Ende bekommt er den Europa-V6, der einen Nachteil hat: Er passt nicht ins Auto. DeLorean beschließt, die Entwicklung nun auszulagern. Porsche sagt ab, Colin Chapman nicht. Für 12,5 Millionen Dollar krempelt Lotus den DMC-12 um. Er bekommt den Doppel-Y-Rahmen des Esprit, trägt nun den schweren V6 und damit 63 Prozent des Gewichts im Heck. Der konventionelle Antrieb – ein Renault-Fünfganggetriebe kooperiert hakelig mit dem 2.8er – ändert nichts am spektakulären Auftritt des DMC-12, dessen Karosseriekörper aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit Edelstahl beplankt ist.

Zurück in die Zukunft: Der DeLorean als Zeitmaschine

Die miserable Sicht nach hinten können auch die Heckjalousien nicht mindern.

©S. Krieger

Im April 1981 startet die Produktion in der vor allem durch 165 Millionen Pfund britischer Subventionen finanzierten Fabrik im nordirischen Dunmurry. 2700 Arbeiter, je die Hälfte Protestanten und Katholiken, um Unruhen vorzubeugen, bauen die ersten Autos, die in einer Boeing 747 in die USA geflogen werden. Es scheint zu klappen. Die Nachfrage ist höher als erwartet, DMC steigert die Produktion. Doch da kommen erste Beschwerden über schlechte Verarbeitung, gleichzeitig bricht der US-Automarkt wegen einer Wirtschaftskrise um 50 Prozent ein. DMC reagiert zu spät, baut Autos auf Halde, muss gleichzeitig die Nachbesserungen an Kundenwagen bezahlen – zu viel für die dünne Finanzdecke. Im Februar 1982 stoppt DMC die Produktion, nimmt sie im April wieder auf. Dann tappt John DeLorean in eine Falle, als er nach Investoren sucht. Die US-Antidrogenbehörde DEA testet damals die Gesetzestreue der Bürger, indem sie prüft, wie sie sich bei Angeboten zu Drogendeals verhalten. Zwei FBI-Fahnder verwickeln DeLorean in einen fingierten Drogenschmuggel. Am 19. Oktober 1982 wird er in Zimmer 501 des Hotels La Reina in Los Angeles festgenommen.

Freispruch für John DeLorean

Der breite Tunel des Doppel-Y-Rahmens separiert Pilot und Co.

©S. Krieger

Es ist das Ende der DeLorean Motor Company. Angeblich lässt die britische Regierung die Pressen im Meer versenken, damit der DMC-12 nicht woanders gebaut werden kann. Eine abstruse Begründung, gibt es 1982 doch kaum ein Auto mit schlechterem Ruf. Heute ist der DMC-12 über seine Schwächen erhaben. Es sind nicht wenige, die lässige Verarbeitung zählt ebenso dazu wie der enorme Wendekreis, der hohe Verbrauch, die herbe Federung und die schwergängige Lenkung. Doch die Anlagen stimmen. Selbst mit der geplanten Bi-Turbo-Version wäre das aufwendige Fahrwerk locker zurechtgekommen, der röchelnde V6-Sauger kann es kaum zu einem Leistungsübersteuern verführen. Innen bringt der DMC-12 zwei Passagiere gediegen unter. Hätte er sich doch nur Gran Turismo und nicht Sportwagen genannt, man hätte womöglich ganz anders über ihn geurteilt. John DeLorean wird im August 1984 freigesprochen, die Jury rügt die Methoden des FBI. Doch DeLoreans Ruf ist ruiniert. "Würden Sie von mir noch einen Gebrauchtwagen kaufen?", fragt er einen Reporter. Der soll ausweichend geantwortet haben. 

Historie

Das Projekt des ethischen Sportwagens beginnt 1975. Damals zeichnet Giorgetto Giugiaro erste Entwürfe für den DMC-12. Das erste Konzeptauto wird 1976 als DSV (DeLorean Safety Vehicle) vorgestellt. Die Entwicklung des Serienmodells stockt wegen des Motors. Zunächst soll ein Wankelmotor von Citroën für den Antrieb sorgen. Als DeLorean sich für den V6-Europamotor von Renault/PSA/Volvo entscheidet, muss der Wagen umkonstruiert werden. Während Porsche schätzt, vier Jahre zu brauchen, um den Wagen in Produktion zu bringen, verspricht Lotus-Chef Colin Chapman, das in 18 Monaten zu schaffen. Lotus braucht schließlich 25 Monate, ändert das DMC-Konzept vom Mittel- zum Heckmotorsportwagen. John DeLorean stampft mithilfe britischer Subventionen eine Fabrik samt Teststrecke in Dunmurry/Nordirland aus dem Boden. Zunächst läuft der DMC-12 gut, die Produktion muss gesteigert werden, um die Nachfrage zu befriedigen. Darunter leidet die Qualität stark – die Nachfrage bricht ein. Währungsschwankungen treiben die klamme Firma in den Bankrott, bevor weitere Modelle fertig sind. Im September 1982 endet die Produktion.

Technische Daten

Der etwas antrittsmüde V6 klingt zumindest energisch, dabei sprintet jeder Golf I GTI schneller.

©S. Krieger

DeLorean DMC-12: Motor: V6 (90°), hinten längs • eine oben liegende Nockenwelle pro Zylinderbank, angetrieben über Ketten, zwei Ventile pro Zylinder, mechanische Benzineinspritzung Bosch K-Jetronic • Bohrung x Hub 91 x 73 mm • 2849 ccm • Verdichtung 8,1 : 1 • 97 kW (132 PS) bei 5500/min • 220 Nm bei 2750/min • Antrieb/Fahrwerk: Fünfganggetriebe (auf Wunsch Dreistufenautomatik) • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung vorn mit oberen Dreieckquerlenkern, unteren Querlenkern, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfern und Stabilisator, hinten mit Schräg- und Querlenkern, Teleskopstoßdämpfern • Scheibenbremsen rundum • Reifen vorn 195/60 R 14, hinten 235/60 HR 15 • Maße: Radstand 2415 mm • L/B/H 4267/1990/1140 mm • Leergewicht 1268 kg • Fahrleistungen: 0–100 km/h 11 s • Spitze 198 km/h • Verbrauch 14,3 l N/100 km • Neupreis: 74.797 Mark (1982).

Plus/Minus

Es gibt kaum schillerndere und auffälligere Autos für 25.000 Euro. Vorteil der Edelstahl- Karosserieteile ist ihre hohe Rostresistenz. Trotz der aufwendigen Konstruktion können fähige Schrauber viel selbst reparieren. Müssen sie auch, denn der DMC-12 verlangt mitunter Improvisationstalent. Zu den typischen Problemen zählen Startschwierigkeiten. Oft ist dafür das Treibstoffsystem verantwortlich, etwa der Druckspeicher (Fuel Accumulator). Recht häufig kommt es zu Defekten am Kraftstoffpumpen-Trägheitsschalter. Seine Aufgabe ist eigentlich, bei einem heftigen Aufprall die Benzinzufuhr zum Motor zu unterbrechen, er stoppt sie aber mitunter grundlos. Weil sich das Schaltgestänge nur schwer einstellen lässt, sollten Interessenten auf die Schaltbarkeit des Fünfganggetriebes achten. Außerdem ist der Kupplungsnehmerzylinder anfällig. Auch checken, ob Drehzahlmesser und Tacho funktionieren und ob die schwer ersetzbaren Tür- und Dachverkleidungen in Ordnung sind.

Ersatzteile

Der DeLorean ist und bleibt etwas ganz Besonderes: Zwischen 1981 und 1982 wurden nur 8583 Exemplare gebaut.

©S. Krieger

Karosserieteile sind rar und teuer, alles andere wie Mechanik, Elektrik etc. ist zu erträglichen Preisen lieferbar. Da der DMC wie ein Baukasten aus Teilen unterschiedlicher Zulieferer zusammengestellt wurde, ist das meiste davon im allgemeinen Teilehandel und bei Spezialisten wie www.deloman.de lieferbar. Preisbeispiele gefällig? Bremsscheiben je 224 Euro pro Paar, Klimakompressor 400 Euro, Tachowelle 60 Euro, Kupplungssatz 380 Euro, Tür-Gasdruckdämpfer 50 Euro. Geht doch.

Marktlage

Der DMC-12 war schon direkt nach dem Bankrott von DeLorean ein Liebhaberauto. Von den 8583 gebauten Autos haben weltweit rund 4000 überlebt. Während das Angebot in Europa recht dünn ist und bei rund 23.000 Euro für ordentliche, fahrbereite Fahrzeuge startet, gibt es den Wagen in den USA häufiger. Steve Wynn baut neue auf.

Empfehlung

Übersehen Sie Probleme bei der Technik, Motor und Getriebe sind als Großserienaggregate ohne größere Probleme zu bekommen. Schwieriger – und damit auch viel teurer – wird es bei Karosserieteilen. Also unbedingt darauf achten, dass der DeLorean komplett ist. Das gilt natürlich besonders für den Innenraum. Die DeLorean-Szene in Deutschland ist klein, trifft sich auf delorean.de. Dort werden auch Autos und Teile angeboten. Für alle mit großem Budget lohnt sich eine Reise in die USA. Dort gibt es alte DMC-12 – und auch ganz neue.

Autor: Sebastian Renz

Fotos: S. Krieger

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