VW T2

Der VW T2-Bus läuft aus

— 22.10.2013

Feierabend – nach 46 Jahren

Gerade erst, im Sommer 1967, brachte Volkswagen den T2-Bulli auf den Markt – und schon ist die Karriere des coolen Quaders schon wieder vorbei. Im November läuft das letzte Exemplar von den VW-Bändern in Brasilien.

Offiziell heißt er treffend Kombi, denn dieser Volkswagen ist eine Kombination aus Deutschland und Brasilien (sozusagen die Kombi-Nationen), aus Neuwagen und Oldtimer, aus Pkw und Lkw, aus Alleskönnen und, jawohl, Unzulänglichkeiten. Wegen letzterer wird er jetzt eingestellt, der Tapfere, der Methusalem, dessen Produktionsanlagen zigmal abgeschrieben sind und den selbst die mit Hochtechnologie nicht gerade verwöhnten Brasilianer allmählich verschmähen. Für VW wird er zum Imageproblem. Es möchte ja nicht in Brasilien so dastehen wie Lada hierzulande.

Mehr Infos zum T2 der Letzten Edition

So (verhältnismäßig) edel wie der brasilianische Bus der Last Edition konnte der T2 sein – und...

Kurz vor Produktionsstopp steigen wir nochmal in einen Brasilien-T2 der letzten Serie. Er wirkt sofort sympathisch, er rasselt nicht mehr ordinär da hinten, er summt gediegen, ja geradezu vornehm seidenweich, und bei Losfahren bäumt er sich in alter Manier kurz auf und springt nach vorne wie ein Jaguar, womit das Tier gemeint ist, das in Brasilien heimisch ist. Der wassergekühlte Reihenmotor hat mit 78 PS gerade genug Mumm, den großen Wagen flott bis 100 zu bewegen, darüber ist er jedoch zäh. 130 soll er schaffen. Immerhin verträgt er Benzin und Ethanol. Die Schaltung ist genauso teigig wie damals. Auch die Lenkung ist trotz des modernen und griffsympathischen Lenkrad elastisch wie ein Perlonstrumpf, verlangt folglich selbst auf der Geraden volle Aufmerksamkeit. Dazu ist es auch noch kalt an Bord, denn eine Heizung gibt es nicht, in Brasilien ist sie überflüssig. Womit er sich nicht groß von seinen germanischen Vorgängern unterscheidet, denn die besaßen zwar den roten Schieberegler, doch war die Wirkung nach seinem Betätigen eher psychologisch. Viel Hitze kam von hinten selten, und wenn, dann meist dank durchgegammelter Heizbirnen, vermischt mit einem leckeren Abgascocktail. – Übrigens: Was der VW-Bus trotz einfachem Heckantrieb im Gelände Unglaubliches leisten kann, zeigt sehr eindrucksvoll dieser kleine Youtube-Film:


...und so sachlich und spartanisch wie dieser frühe Pritschenwagen.

Die nach dem ersten Jauler aufkeimende Zuneigung und mein spontaner Wunsch, noch schnell einen der letzten Brasilianer zu importieren (obwohl er in Deutschland wegen Abgas und Sicherheit nicht mehr zulassungsfähig ist), verflüchtigen sich also nach ein paar Kilometern. Ich bin nach der Probefahrt als geheilt entlassen. Es ist schon korrekt, dem Greis den Ruhestand zu gönnen und ihn in netter Erinnerung zu behalten. Im Laufe der 46 Jahre hatten wir reichlich Zeit, uns an den T2 zu gewöhnen, obwohl er aus dem Alltag schon lange verschwunden ist. Denn der Brasilien-T2 wurde hier nie angeboten, und die deutschen T2 wurden ja nur bis 1979 gebaut. Da die aber nicht gerade im Geiste der Langzeitidee fabriziert waren, leben nun nicht mehr viele, so dass die Preise in die Höhe schnellen. Nur eines ist seltsam: dass so ein nüchternes Arbeitstier, fern jeder Emotion, unberührt vom Marketing, ohne irgendeinen Sex-Appeal, mit fehlendem Anspruch, unseren Status aufzuwerten, dazu absolut temperamentfrei, maximal simpel, ohne nennenswertes Design (außer man findet Quader sexy), also dass ein derartiges Auto uns so die Sinne vernebelt.

T2-Camper Helsinki im Klassik-Test

Alle Welt fuhr einst T2, vom Gemüsehändler bis zum Bundesliga-Verein...

Okay, der Vorgänger T1 wirkt noch mehr als Herzensbrecher mit seinem Kellnerinnen-Schürzchen am Bug, das die Form der Käfer-Fronthaube karikiert, den niedlichen Fensterlein und der charmanten seitlichen Kleiderschrank-Klapptür zum Einsteigen hinten. Der T2 ist hingegen schmucklos wie ein Mönch, jedoch nicht edel, wie man das etwa vom damaligen ebenfalls schlichten Braun-Design sagen konnte. Der T2 war ein Arbeiter und trug sozusagen immer Blaumann, auch wenn er rot lackiert war. Die Handwerker unter den Bulli-Besitzern lernten an ihm, was Qualität ist. Der T2 war erstklassig verarbeitet. Nun, bis auf das notorische Problem mit dem dritten Zylinder, dem bei den 1,6-Liter-Modellen vom Ölkühler die Kühlluft verknappt wurde, und der daher gerne festging. Bullis, die von Lohnfahrern geprügelt wurden, brauchten manchmal bereits alle 30.000 Kilometer einen Austauschmotor! Dazu kam noch Luftsauerstoff in Verbindung mit H2O, der ihm an die Unterwäsche ging. Holme und Schweller zerkrümelten still aber rasch zu Rost.

Typ 2 ... T2 ...was denn nun?

... und vom Camping-Fan ...

An dieser Stelle ein Wort zu den unübersichtlichen Bezeichnungen: Der Bulli wird im Werksjargon Typ 2 genannt, denn der Käfer war Typ 1. Vom Typ 2 gibt es inzwischen aber fünf Generationen, die fatalerweise auch mit T anfangen, was Verwirrung stiftet: Der T1 vom Typ 2 war ab 1950 der Ur-Transporter, der T2 vom Typ 2 ist das Thema dieses Artikels, der T3 vom Typ 2 ist der eckige Nachfolger, ebenfalls noch mit Heckmotor, der T4 der erste mit Haube und Frontmotor und -antrieb, und heute sind wir beim T5 angelangt. Der T2 wird wegen seiner langen Bauzeit allerdings noch feiner differenziert. Angefangen hatte die Baureihe 1967 als T2a mit 47 PS. Der Neue bot mehr Platz durch größere Überhänge, er besaß eine Schiebetür, der lärmende Schrecken aller Zeltnachbarn auf dem Campingplatz, die Frontscheibe war nun gewölbt, höher und über die ganze Breite durchgehend. Vor allem aber besaß der Bulli nun eine Schräglenker-Hinterachse, die die kriminelle Pendelachse des T1 ablöste. Damit lag er ziemlich sicher in der Kurve, außerdem federte er erstaunlich kommod. Auch die Bremse wurde modernisiert, sie besaß nun zwei Kreise. Weitere Änderungen machten ihm zum "T2a/b", "T2b" und, inzwischen nur noch aus brasilianischer Produktion.

Noch mehr T2: Vom Kuli zum Kult

... bis zur Berufs-Feuerwehr.

Im November 2013 wird der Abschied gefeiert. Dazu gab’s eine finale Sonderedition (zunächst 600, wegen des Ansturms aber auf 1200 Exemplare aufgestockt) zu forschen 27.000 Euro, die mit allem aufgetakelt ist, was die Fabrik hergibt, zum Beispiel einer babyblauen Zweifarbenlackierung, Gardinen und einer Plakette mit der jeweiligen Produktionsnummer der Last Edition. Damit heißt es endgültig Servus für Ferdinand Porsches Entwurf, dem letzten Relikt von VWs düsteren Anfängen. Wichtige Änderungen und die verschiedenen Ausführungen vom frühen Pritschenwagen über das komfortable Wohnmobil bis zur gegenwärtigen Letzten Edition finden Sie oben in der Bildergalerie. Sehen Sie die ganze Vielfalt des "Teezwei"!



Autor: Bernhard Schmidt

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