Deutsche Automobilhistorie

— 03.08.2009

Die Geschichte der Auto Union

Viele Marken unter einem Dach – das gab es schon vor fast 80 Jahren. Damals formten sich Audi, Horch, DKW und Wanderer zu den vier Ringen, die für deutsche Wertarbeit standen.



Unionen gibt und gab es viele, die Christlich Demokratische, die Europäische, die der Sowjets und sogar eine der Autos. Die Umstände ihrer Gründung 1932 ähnelten denen von heute. Krise! Damals stand die Weltwirtschaft am Abgrund, und die Banken, die bekanntlich die wahren Herrscher der Welt sind, drängten die vier sächsischen Auto- und Motorradfirmen Audi, DKW, Horch und Wanderer, sich zur Auto Union zu verheiraten. Symbol: vierfache (Ehe-) Ringe. Der neu entstandene Konzern wurde die Nummer zwei in Deutschland – hinter Opel. Volkswagen gab es damals noch nicht.

Audi entwickelte sich nur mühsam

Im Krieg wurde das Horch-Werk in Zwickau vollkommen zerstört.

Im Krieg wurde das Horch-Werk in Zwickau vollkommen zerstört.

Die älteste Marke der Union hieß Horch, 1899 von August Horch gegründet. Seine Fahrzeuge besaßen schon bald einen guten Ruf, doch Horch brauchte Geld und wandelte seine Firma in eine Aktiengesellschaft um - nicht bedenkend, dass nun die Kapitalgeber via Aufsichtsrat das Sagen hatten. Der Ingenieur Horch war kein Genie in Betriebswirtschaft, und die auf Shareholder-Value schielenden Aktionäre mobbten den Patron weg. Zusatzpech für ihn, dass der Name Horch aus rechtlichen Gründen in der Firma bleiben musste, sodass er nach Gründung eines Konkurrenzunternehmens in Zwickau – in Sichtweite zur alten Fabrik – einen anderen Markennamen brauchte. Der zehnjährige Sohn eines Freundes war gut in Latein und übersetzte Horch in "Audi". Audi entwickelte sich allerdings nur mühsam, wogegen die Firma Horch unter neuem Management zum Höhenflug abhob. Selbst der Kaiser ließ sich im mondänen Horch chauffieren. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm August Horch, inzwischen 50 Jahre alt, freiwillig bei Audi seinen Hut. Durch eine verfehlte Modellpolitik in Richtung Luxuswagen geriet seine zweite Ex-Firma bald in finanzielle Not, weshalb sie 1928 von DKW billig gekauft werden konnte.

Mit Wanderer kam die Mittelklasse in die Union

Nürburgring 1936: In der Silberpfeil-Ära (1934 bis 1939) war die Auto Union der große Motorsport-Gegner von Mercedes-Benz.

Nürburgring 1936: In der Silberpfeil-Ära (1934 bis 1939) war die Auto Union der große Motorsport-Gegner von Mercedes-Benz.

DKW bedeutete ursprünglich "Dampf-Kraft-Wagen", weil ihr Gründer, der in Sachsen lebende dänische Ingenieur Jørgen Skafte Rasmussen 1916 dachte, das wäre die Zukunft. Klüger geworden, modelte er später das Kürzel in "Des Kindes Wunsch" um, nachdem er einen Spielzeug-Zweitaktmotor baute, und zuletzt bedeutete es "Das Kleine Wunder", als er einen Hilfsmotor fürs Fahrrad fertigte – am Gepäckträger zu montieren. "Arschwärmer" hieß der im Volksmund. Ab 1922 baute DKW echte Motorräder, zum Beispiel die RT 200, die der Volksmund wegen ihres roten Tanks "Blutblase" taufte, drei Jahre später waren Autos dran, vorwiegend Zweitakter. Vorsprung durch Technik zeigte 1932 das Modell F1 "Front": Es wurde Deutschlands erstes Großserienauto mit Frontantrieb, gebaut in Zwickau. Vierter im Bunde war Wanderer, eine von Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolf Jaenicke gegründete Fahrradfirma, die sich aber breit auffächerte und Schreibmaschinen, Werkzeuge, Motorräder und in Chemnitz Autos baute. Brave Mittelklasse, genau das, was im Sortiment der Auto Union fehlte.

Hitlers Strategie, die Autoproduktion zur Schlüsselindustrie Deutschlands zu machen, erzeugte bei der Auto Union einen Boom, bis im Zweiten Weltkrieg die Bomben auf die Werke fielen. Sachsen gehörte zum Gebiet der Sowjets, und die transportierten am Ende alles ab, was heil war. Aus dem kargen Rest wurde MZ (Ex-DKW-Motorräder), Trabant (Ex-DKW und -Horch) und Wartburg (Ex-DKW und -BMW). Um den Russen nicht in die Hände zu fallen, setzte sich das alte Direktorium jedoch in den Westen ab und gründete in Ingolstadt die Auto Union ein zweites Mal, zunächst um die zahlreichen noch existierenden DKW-Fahrzeuge zu reparieren, aber auch um DKW-Motorräder und -Autos nach alten Zeichnungen neu zu bauen. Alles Zweitakter. Horch, Wanderer und Audi kamen in den Planungen nicht mehr vor.

1985 wurde die Auto Union beerdigt

Erst 1985 wurde die Auto Union beerdigt und Volkswagens edler Südableger schlicht Audi AG genannt.

Erst 1985 wurde die Auto Union beerdigt und Volkswagens edler Südableger schlicht Audi AG genannt.

1958 ging die Auto Union aus strategischen Gründen des Hauptaktionärs Friedrich Flick an Daimler-Benz, doch Mercedes verkaufte die kränkelnde Firma bereits 1964 an Volkswagen. Die Ära des mülmenden Zweitakters endete allmählich, und wegen des Rängtängtäng-Images von DKW bediente sich VW aus dem Fundus der Markennamen und taufte die neuen, von einem Viertakter aus dem Mercedes-Erbe befeuerten Modelle in Audi um. Da VW sich 1969 auch noch NSU einverleibte, hieß die Firma nun sperrig "Audi NSU Auto Union AG". Erst 1985 wurde die Auto Union beerdigt und Volkswagens edler Südableger schlicht Audi AG genannt.

Autor: Bernhard Schmidt

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