Die Fahrzeuge des Sandmanns
— 07.01.2013Die coolen Schlitten des Sandmännchens
Einfach traumhaft: Die Fahr-, Flug- und Schwimm-Mobile des kultigen Traumsandbringers aus der DDR bringen nicht nur Kinderaugen zum Leuchten.
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Märchenhaft kommen diverse Schlitten daher, reich verziert, liebevoll gestaltet. Ganz bodenständig dagegen die vielen Miniaturen mit echtem Vorbild: Der Dresdner Elbraddampfer, die Magdeburger Trambahn, der Doppelstockwagen der ehemaligen Deutschen Reichsbahn. Deren Kürzel "DR" findet sich noch heute auf den Waggons. "Nach der Wende trug man den Wunsch an uns heran, die DDR-Fahnen von den Modellen zu entfernen, dagegen haben wir uns aber erfolgreich zur Wehr gesetzt. Das Sandmännchen ist nun mal DDR", sagt Winfried Kujas, seit 1961 mit der "Schlafmütze der Nation" eng verbunden. Der langjährige Produktionsleiter der Mahlsdorfer Trickfilmstudios des Deutschen Fernsehfunks (DFF) war nach 1991 bei der Sandmannstudio Trickfilm GmbH Berlin tätig.
Liebevoll und sorgsam arrangiert er diverse Original-Filmpuppen in Zügen, Schiffen, Raketen, Kutschen, Autos. Und kommt mächtig ins Schwitzen, als AUTO BILD ihn bittet, ein Sandmann-Taxi im Zentimeter-Abstand vor glühenden Kinderaugen auf dem Boden in Fotoposition zu bringen. Die Lütten glotzen sich mit Wonne die Augen aus dem Leib, kommentieren, diskutieren, schon zucken die ersten Fingerchen, dem Sandmännchen an die rote Jacke zu gehen. Schwupps, "fliegt" das gelbe Taxi davon – dieses Mal in Kujas’ sicheren Händen, zurück in das große Diorama der Ausstellung.
Kreativ und humorvoll waren sie, die DDR-Modellbauer: Die Schienen des Sandmännchen-Zugs sind aus Gardinenstangen, die orangen Rundumleuchten auf der "Papierkorb-Entleerungsmaschine" (solch einen Job gab es selbst im Sozialismus nicht!) aus DDR-Salzstreuern gefertigt. An Material mangelte es dem DDR-Kinderfernsehen nicht, auch das Budget spielte keine Rolle. Geplant wurde auf Basis des Faktors Arbeitszeit, nicht nach Gehalt und Lohn. Teuer seien uns die Kinder!
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Vor- und Abspann (Halt, Sand streuen nicht vergessen!) entstehen unabhängig vom eigentlichen Filmbeitrag. "Leider wurde das von 3,5 Minuten auf 70 Sekunden eingekürzt", bedauert Kujas die schnelllebige Zeit heute. Rund zehn neue Rahmenhandlungen pro Jahr entstanden, sodass heute über 500 der Einspieler vorhanden sind. Aktuell beauftragten die öffentlich-rechtlichen Sender leider keine neuen Folgen, bedauert Kujas. "Mal sehen, wie das weitergeht." Immerhin hat das Ost-Sandmännchen den West-Sandmann überlebt – wenn nach Kujas’ Ausführungen auch nur knapp. Um die gnadenlose "Abwicklung" des Sandmännchens zu verhindern, wurde 1991 rasch die heutige Trickfilm-GmbH gegründet. "In letzter Minute."So sind sie alle gerettet, die coolen Schlitten des Sandmännchens. Darunter auch solch krude Autos wie ein mattoranges Polski Fiat Cabrio mit Taschenlampen-Scheinwerfern oder ein rassiger Wartburg 353 als Zweitürer – Flitzer, von denen die realen Genossen Autobauer nur träumen konnten. Der Sandmann machte sie möglich, alle. Vor dem Schlafengehen.
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