Die Geschichte der Adam Opel AG

— 18.02.2009

Blitz-Karriere

1862 begann Adam Opel in Rüsselsheim Nähmaschinen zu fertigen – und legte damit den Grundstein für einen Weltkonzern. Bislang hat Opel rund 60 Millionen Fahrzeuge produziert. Droht im Sog von GM jetzt das Aus?
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Von Lars Busemann Nach einem nicht enden wollenden Übernahme-Poker fiel im November 2009 die Entscheidung: Opel bleibt bei der kränkelnden Mutter GM. Die Mitarbeiter an den deutschen Standorten Eisenach, Kaiserslautern, Bochum und Rüsselsheim sehen die Zukunft mit Sorge: Hat GM aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? Denn ganze Regionen hängen am Wohl der Opelaner. Am Wohl eines Unternehmens, das 1862 im hessischen Rüsselsheim aus der Taufe gehoben wurde und zu einem deutschen Markenzeichen aufstieg. Der junge Adam Opel entscheidet damals, in der Schlosserwerkstatt seines Vaters Nähmaschinen zu fertigen. Mit großem Erfolg: 1868 zieht er um in eine neu errichtete Fabrik. Seine Söhne drängen ihn, in das aufkeimende Fahrrad-Geschäft einzusteigen. Als Adam Opel 1895 stirbt, gehört seine Fahrrad- und Nähmaschinenfabrik zu den erfolgreichsten in Europa. Seine Söhne führen die Geschäfte fort – und beweisen eine Spürnase für neue Entwicklungen. Die Idee, ein eigenes Automobil zu bauen, setzen die Opel-Brüder schnell um: 1899 beginnt in Rüsselsheim die Fertigung des "Patent-Motorwagens System Friedrich Lutzmann".
Opel führt die Fließband-Fertigung in Deutschland ein
Der erste \
Der erste "Volks-Wagen" in Deutschland: der einfache, robuste und zuverlässige Opel 4/8 PS, im Volksmund Doktorwagen genannt.
Nach einigen Jahren der Kooperation mit dem französischen Hersteller Darracq fällt bei Opel die Entscheidung, ein erschwingliches Auto für einen großen Käuferkreis anzubieten. Das Ergebnis ist der 1909 erschienene Opel 4/8 PS: kompakt, leicht, tauglich auch für schlechte Wegstrecken, dabei zuverlässig und einfach in der Bedienung. Er setzt sich vor allem bei Land- und Tierärzten durch und bekommt schnell den Spitznamen "Doktorwagen".
Die Inflation zu Beginn der 1920er Jahre zwingt Opel im August 1923 zu einer Werksschließung. 1924 kommt es zu einem radikalen Neubeginn bei Opel: Das Werk wird umgebaut und alle bisherigen Modelle werden eingestellt. Der Opel 4/12 PS, im Volksmund "Laubfrosch" genannt, wird nach amerikanischem Vorbild am Fließband produziert. Der Erfolg ist überragend: Statt wie geplant 25 Wagen je Tag herzustellen, sind es 1927 bereits fünfmal so viele, der Kaufpreis fällt von anfangs 4500 Mark auf 1800 Mark im Jahr 1930. Im gleichen Zeitraum verdreifacht Opel die Mitarbeiterzahl von 2400 auf 7600 Menschen und führt einen flächendeckenden Kundendienst in Deutschland ein.
Die Rettung vor der Weltwirtschaftskrise 1929: Verkauf an GM
Der Opel 4/12 PS hatte wegen seiner grünen Lackierung den Spitznamen Laubfrosch. Es ist das erste Fließband-Auto aus Deutschland.
Der Opel 4/12 PS hatte wegen seiner grünen Lackierung den Spitznamen Laubfrosch. Es ist das erste Fließband-Auto aus Deutschland.
1928 ist Opel mit einem Marktanteil von 44 Prozent der größte deutsche Automobilproduzent. Die Weltwirtschaftskrise und die zunehmenden Importe von US-Fahrzeugen in Deutschland führt am Ende der 1920er Jahre zu einem Absatzrückgang bei allen Automobilherstellern. Opel reagiert mit einem Verkauf an den amerikanischen Konzern General Motors. Ein vorteilhaftes Geschäft für beide Seiten: Für Opel bringt der Verkauf finanzielle Sicherheit und bessere Möglichkeiten im Exportgeschäft, General Motors hat mit Opel eine starke Marke im Portfolio und Zugang zum europäischen Markt. Die erste Frucht der Fusion ist der 1931 erschienene Opel 1,8 Liter. In Amerika entwickelt, stellt er für Opel einen neuen Abschnitt dar, denn hinsichtlich Bedienbarkeit und Alltagstauglichkeit setzt er neue Maßstäbe. Auch im Motorsport ist Opel sehr erfolgreich: 1928 stellt Fritz von Opel mit dem Opel Raketenauto RAK 2 einen Geschwindigkeitsweltrekord von 228 km/h auf.
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Erste selbsttragende Karosserie
Eine technische Revolution bringt das Jahr 1935: Opel führt mit dem Olympia die erste selbsttragende Ganzstahl-Karosserie in Deutschland ein. 1936 beginnt mit der Vorstellung des ersten Opel Kadett  eine weitere Erfolgsgeschichte, von 1937 bis zum kriegsbedingten Ende der Produktion 1940 werden 107.608 Kadett produziert. Opel gelingt es in den 1930er Jahren, sich als Anbieter von zuverlässigen und langlebigen Alltagsautos zu etablieren. 1939 sind fast 30.000 Mitarbeiter in den Opel-Werken Rüsselsheim und Brandenburg beschäftigt.
Opel motorisiert das Wirtschaftswunder
1948 nimmt Opel die Produktion des Kapitän wieder auf. Er verkauft sich besser als Mercedes 170 S und 220.
1948 nimmt Opel die Produktion des Kapitän wieder auf. Er verkauft sich besser als Mercedes 170 S und 220.
Kurz nach der Fertigstellung des einmillionsten Opels stehen stehen die Produktionsbänder für Autos still. Stattdessen fertigt Opel Rüstungs- und Flugzeugteile. Das Opel-Werk in Rüsselsheim ist im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert worden, das Brandenburger-Werk fiel in die Hand der Sowjets. Die Produktionsanlagen des Kadett werden demontiert und gehen als Reparationszahlung nach Russland, wo der der Opel Kadett als Moskwitsch 400 produziert wird. Im von der US-Militärregierung verwalteten Werk Rüsselsheim wird ab 1946 der Lkw Opel Blitz gefertigt. Als erster Pkw nach dem Zweiten Weltkrieg wird 1947 der leicht modellgepflegte Vorkriegs-Olympia aufgelegt, 1948 übernimmt GM wieder die Werksleitung bei Opel. Der große Aufschwung beginnt mit der Gründung der Bundesrepublik 1949: Die Produktionszahl verdoppelt sich, der Olympia verkauft sich blendend, der Opel Kapitän ist ein Statussymbol und verkauft sich besser als die Konkurrenz von Mercedes, der Klein-Lkw Opel-Blitz ist sehr begehrt auf den zahllosen Baustellen des Landes.
Amerikanisches Styling für die deutsche Mittelklasse
Der neue Kapitän von 1954 trifft  mit seinem Haifischmaul und kleinen Heckflossen genau den Geschmack der Käufer.
Der neue Kapitän von 1954 trifft mit seinem Haifischmaul und kleinen Heckflossen genau den Geschmack der Käufer.
1953 erscheinen der neue Opel Olympia Rekord und der neue Kapitän. Mit ihnen verabschiedet sich Opel vom Vorkriegs-Stil. Die neuen Modelle sind nach amerikanischem Vorbild gestaltet: ein moderne Pontonkarosserie und ein grimmiges Haifischmaul-Gesicht lassen die neuen Opel sehr imposant wirken. Der US-Einfluss ist unübersehbar: Chrom wohin das Auge blickt, Panorama-Windschutzscheiben und barocke Formen prägen das Design der Opel-Fahrzeuge in den 1950er Jahren. Bei der Kundschaft kommt das US-Design gut an: 1956 verlässt der zweimillionste Opel das Werk in Rüsselsheim.
In den Sechzigern werden die Karosserieformen bei Opel wieder sachlicher und glattflächiger, der üppige Chromschmuck wird reduziert. Der Nachfolger des erfolgreichsten Opel Kapitän (Kapitän P-LV, 1959-1963) erscheint 1964 gleich in drei Ausführungen: Kapitän A, Admiral A und Diplomat A (KAD-Serie) versuchen mit amerikanischen Abmessungen, sachlich-kantigem Design und üppiger Ausstattung gegen die etablierte Konkurrenz aus Stuttgart zu punkten. Bis 1968 stellt Opel 89.277 Fahrzeuge der ersten KAD-Serie her. Damit ist es Opel weder gelungen, an den Erfolg des Kapitän P-LV anzuknüpfen, noch Mercedes in der Oberklasse zu schlagen. Auch die zweite KAD-Bauserie (1969-1977) kann trotz euopäisch geprägtem Design und mustergültigen Fahreigenschaften nicht mehr an den Erfolg früherer Tage anschließen.
Opel-Blütezeit: die 60er und 70er Jahre
Die Produktionskapazitäten in Rüsselsheim reichen in den Wirtschaftswunderjahren nicht mehr aus. Im neu errichteten Werk in Bochum beginnt Opel 1962 mit der Produktion des Kadett A, bereits 1967 verlässt der einmillionste Kadett das Band. 1966 wird das Zweigwerk Kaiserslautern eröffnet, das Gelenkwellen, Stoßdämpfer und Fahrwerkteile herstellt. 1970 erscheinen die erfolgreichen Mittelklasse-Modelle Ascona und Manta, ein Jahr später fertigt Opel das zehnmillionste Fahrzeug, einen Rekord C. 1972 schlägt Opel mit einem Marktanteil von über 20 Prozent sogar Volkswagen, fast 60.000 Menschen sind bei Opel beschäftigt.
Aerodynamisch geglättet in den Achtzigern
Der Opel Omega überzeugte 1986 mit einem herausragenden Fahrwerk und bester Aerodynamik. Leider hatte der Omega A einige Kinderkrankheiten.
Der Opel Omega überzeugte 1986 mit einem herausragenden Fahrwerk und bester Aerodynamik. Leider hatte der Omega A einige Kinderkrankheiten.
1986 überrascht ein neuer Opel die konservative Kundschaft. Der Nachfolger des Rekord hat ein hervorragendes Fahrwerk mit hinterer Einzelradaufhängung und eine aerodynamische Karosserie. Die Abkehr von Starrachse und hausbackenem Design dokumentiert Opel auch im Namenswechsel: der Neue hört auf den Namen Omega. Aus Ascona wird 1988 Vectra, aus Manta ein Jahr später das Windkanal-Wunder Calibra. 1982 weiht Opel ein neues Produktionswerk im spanischen Saragossa ein, in dem seitdem der Corsa gefertigt wird.
Fehlentscheidungen des Managements prägen die 90er Jahre
Der 1991 gestartete Astra litt unter den Sparmaßnahmen des Opel-Managers Lopez. Die Folge: erhebliche Rostprobleme
Der 1991 gestartete Astra litt unter den Sparmaßnahmen des Opel-Managers Lopez. Die Folge: erhebliche Rostprobleme
Opel profitiert zunächst stark von der Deutschen Einheit und kann seinen Marktanteil in Deutschland ausbauen. Mit dem verstärkten Eingreifen der US-Kozernzentrale ab 1990 beginnt der Niedergang der Marke. General Motrors zieht Gewinne ab nach Detroit, um die eigenen Milliardenverluste auszugleichen. In den 1990er Jahren fließen insgesamt fast 4,5 Milliarden D-Mark von Rüsselsheim nach Detroit. Dazu kommen rigorose Sparmaßnahmen durch den damaligen Einkaufs-Chef Ignazio López. In der Folge offenbaren sich erhebliche Qualitätsprobleme: es kommt zu spektakulären Rückrufaktionen. Der 1991 vorgestellte Astra leidet unter erheblichen Rostproblemen, weil an Hohlraumschutz gespart wurde. Die ständig wechselnden Opel-Vorstände kommen meist aus den USA und schätzen den europäischen Markt falsch ein. So versäumt Opel den Diesel-Boom in den Neunzigern: Während VW mit dem TDI vorprescht, bietet Opel veraltete Diesel-Aggregate von Isuzu an. Erst 1996 kann Opel mit vergleichbaren Vierventil-Direkteinspritzern kontern.
Attraktive Modelle für das neue Jahrtausend
50 Millionen Opel entstehen bis zum Jahr 2000 – und Opel krempelt das Modellprogramm um. Schwer verkäufliche Modelle wie der Geländewagen Monterey oder Sintra verschwinden, attraktive fahrzeuge sorgen für Aufschwung. Der 1999 präsentierte Kompaktvan Zafira wird zum Marktführer in seinem Segment, er bietet mit seinen versenkbaren Sitzen das innovativste Raumkonzept seiner Klasse. Die Qualität der Volumenmodelle ist tadellos, Rostprobleme sind passé. Der 2000 vorgestellte Speedster sorgt für Begeisterung bei Sportwagen-Fans, der Opel Meriva hat sich nicht nur weit vorn in der deutschen Zulassungsstatistik etabliert, sondern liegt auch in der TÜV-Statistik ganz vorn bei den Mängelzwergen. Das Kleinwagensegment wird vom Opel Corsa angeführt, der neue Insignia erntet Lob ohne Ende. Keine Frage: Modellpolitisch ist Opel gut aufgestellt.
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