Ohne Tankstellen würde das Land stehen bleiben, denn sie liefern das Futter für unsere Autos. Höchste Zeit also für eine Hommage an die gute alte Zapfstation – mit wunderbaren Bildern!
Von Bernhard Schmidt Der betagte Reihensechser macht fröhlich Schnurrrrr und heiter Summmsummm, während ich das ozeanblaue
Opel-Schiff am majestätischen Ruder-Rad rhythmisch auspendele, damit es mir nicht aus den Spurrillen schlingert wie ein Frachter aus der Fahrrinne. Ich bin Kapitän im 62er
Opel Kapitän, sanft schaukelnd über die von Lkw-Reifen ausgewalzte Autobahn A40 bei Moers. Und dann: Wir stecken mitten in einer Reportage über Tankstellen und haben ganz vergessen, Sprit zu fassen. Denn die Tankuhr, na ja, sie ist nicht mehr die Jüngste und ihr Zeiger ein bisschen weltfremd zu einem wonnigen Instrument ewiger Fahrt gealtert. Wir erleben den GAU des Automobilisten: Dürre im Tank.
Die älteste deutsche Tankstelle eröffnete am 18. Mai 1924 in Essen. Hier gibt es auch heute noch einen Tankwart.
Nun liegt der Kapitän an der Ausfahrt Duisburg-Häfen trocken. Kraftlos trudeln wir aus, retten uns warnblinkend auf einen Gehweg an der Werftstraße. Uns fehlten nur noch 30 Kilometer bis zur ältesten Tankstelle Deutschlands, in Essen-Holsterhausen auf einem Hinterhof. Sie stammt aus dem Jahr 1924, verkauft
Aral, was aber nicht dranstehen darf, denn offenbar ist sie den Aral-Lenkern nicht schick genug. Stattdessen besitzt sie Charme. Ein auskragendes Dach an einem Garagenflachbau, der ehemaligen Kutschenwerkstatt von 1894, darunter drei topmoderne Tanksäulen mit allem elektronischen Schnickschnack, an die es – Achtersteven voraus – einzuparken gilt.
Im aufregenden Gebäude dieser ehemaligen Texaco-Tankstelle in Nijmegen (Niederlande) hat heute Architekt Koos van Lith sein Büro.
Vor 70 Jahren standen da noch "Eiserne Jungfrauen", gegossene Ungetüme mit Handpumpe und Messgläsern. Wir werden nett bedient, von einem echten Tankwart, der kontrolliert sogar das Öl und wünscht eine angenehme Reise. Fast alle historischen Tankstellen traf das Schicksal hart. Nur wenige überlebten mehr oder weniger original, und wenn, dann meist zweckentfremdet. Wie der Texaco Auto-Palace im holländischen Nijmegen. Seine Architektur stammt aus dem Jahr 1936. Jetzt betreibt der Architekt Koos van Lith sein Büro in dem aufregenden Gebäude. Ein Musterbeispiel für beste Form ist auch die Station des dänischen Designers und Architekten Arne Jacobsen nördlich von Kopenhagen, direkt am Meer, auch eine 1936er, auch für Texaco.
Die Ölkonzerne selbst haben es hingegen nicht so mit der Historie, am wenigsten kümmert sich
Shell. Dass Ulf Berger, Alleinunterhalter seines Tankstellenmuseums mit ehemaliger Shell-Tankstelle im sächsischen Kamenz, auch nur ein klein wenig Unterstützung bekäme, ist Wunschdenken. Für Romantik und die Bedeutung des eigenen Tuns scheint
Shell nichts übrigzuhaben.
Esso ist da traditionsbewusster. Es gibt eine gut gemachte Broschüre und zum Beispiel eine restaurierte Tankstelle in Wolfsburg, die heute von
Volkswagen Classic genutzt wird. Mit Esso-Logo wurde auch eine ehemalige Esso-Station aus dem Jahr 1937 im brandenburgischen Gransee verziert. Sie galt seinerzeit, kaum zu glauben, als Großtankstelle! Nun ja, es passen ungefähr zwei Opel Kapitän gleichzeitig unters Dach.
In der ehemaligen Tankstelle in der Oranienburger Straße in Gransee gibt es kein "Esso" mehr, sondern Essen und Trinken.
Jetzt wurde daraus laut Schild ein "Drive In Imbiss". Kaffee zu 50 Cent, Bratwurst mit Brot für 1,30. Den Schriftzug "Esso" hat der Betreiber schlitzohrig zu "Essen" umgetextet, man merkt es erst beim zweiten Hinschauen. Manche Leute auch gar nicht, die an den innerlich hohlen Säulen Sprit zu zapfen beginnen und schon mal richtig sauer werden, weil da nix fließt. Als wir dann dem Heimathafen entgegenschippern, singt im MP3-Player, Entschuldigung, Hans Albers heiser "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise". Unser
Opel sagt dazu nur Schnurrrrr und Summmsummm. Denn der launischen Tankuhr begegnen wir inzwischen mit Kilometerzählen und Kopfrechnen. Wie früher.
Lust bekommen auf klassische Tankstellen? In der Bildergalerie gibt es mehr davon!
13.11.2011 18:20Uhr
Grüsse
Norbert Hanke
22.05.2011 21:36Uhr
http://robertbenson.com/blog/2010/04/18/photographers-life-in-graph/
08.03.2011 21:08Uhr
Aber warum muss heute ständig an den Farben herum manipuliert werden? Das ist doch völlig übertrieben.
Gibt es keine Fotografen mehr, die natürlich schöne Bilder machen können???
12.01.2011 01:23Uhr
09.09.2010 16:23Uhr
Kontakt: msachse@snafu.de