Die Tops der Flops

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Die Tops der Flops

— 12.01.2011

Autos, die ins Abseits fuhren

Augen auf und durch: Hier ist die Hitliste der Hässlichen, Technikwracks und Standuhren. autobild.de zeigt 38 Verlierer-Autos. Mancher Flop von gestern hat das Zeug zum Klassiker von morgen.

Ja, ich gebe zu: Mein Auto ist ein Flop. Weil ich einen Mazda 121 fahre, der nicht nur alt und klein ist, sondern auch noch unattraktiv. Neulich zollte mir eine Kollegin Respekt für eisernes Durchhaltevermögen, mich mit diesem Wagen immer noch öffentlich zu zeigen. Mit einem Auto, das aussieht, als hätte es Völlegefühl – ein Blähbauch auf Rädern. Das sich mit türkisfarbenen Außenspiegeln und bunten Farbaufklebern lächerlich macht – und mich gleich mit. Selbst bei Aldi sehen Jogginganzüge heute stilvoller aus. Natürlich habe ich das mal anders gesehen, 1994 beim Gebrauchtwagenhändler. Meine Augen glänzten, seine auch – verständlich, bei 14.000 Mark.

Autos mit Zukunft: die Klassiker von morgen

Mazda 121: Für manche ist er die zuverlässige Ente der Neuzeit, für andere ein runder Blähbauch auf vier Rädern.

Ich bildete mir ein, etwas Besonderes zu kaufen. Weil meine Freundinnen kantige, langweilige VW Polo fuhren oder kantige, langweilige Ford Fiesta. Aber mein Mazda, der war rund. Trotzdem eckte er an. Ich ignorierte Männer, die sich lustig machten über meinen 121, indem sie feixten: "Ich war mal eine Dose." Ein Zeichen. Ich überhörte den Spott, berauscht von dem Gefühl, anders zu sein, und übersah dabei die Tatsache, dass Polo-Fahrer solche Schlappen erst gar nicht einstecken müssen. Es gibt viele Gründe, warum Autos wie der Mazda 121 ins Abseits geraten sind. Einer davon ist Design, das auf der Skala von genial bis grässlich mehr ins Grässliche tendiert. Oder die Technik, die versagte. Und dem Modell so den Todesstoß versetzte oder es zumindest in den Keller der Zulassungsstatistik schubste. Darüber hinaus womöglich die Marke auf Jahre beschädigte.

50 Design-Totalausfälle: die hässlichsten Autos der Welt

Wie beim Alfasud, der schneller wegrostete, als er repariert werden konnte und das schlechte Alfa-Bild prägte. Bis heute. Und dann gibt es noch Flops, da ist die Chefetage schuld. Zum Beispiel beim Porsche 914, dem Volks-Porsche, der unter VW-Flagge lief. Was für eine Kränkung für jeden 911er-Fahrer, seinem Angestellten jetzt in der eigenen Luxus-Marke zu begegnen. Eine Ohrfeige, die saß – noch Jahre später, auch wenn der 914 in Amerika erfolgreich lief. Das muss nicht immer so kommen, auch nicht so bleiben. Einige Verkaufsflops sind auf dem besten Weg, sich von ihrem Verlierer-Image zu erholen. Auch mein Mazda. Vor kurzem grüßte mich ein anderer 121-Fahrer offensiv und freundlich, ohne Schamesröte im Gesicht. So, wie es Mini- und Enten-Fahrer pflegen. Weil ihre Autos Kult sind. Wie mein Mazda-Ei. Nicht heute, aber morgen.

Aus dem Fuhrpark

AUTO BILD-Chefredakteur Bernd Wieland über den Renault Avantime: "Guter Geschmack macht einsam. Für das schräge Van-Coupé mit Plastikkarosse, durstigem V6 und gelegentlich blockierenden Türen erwärmten sich weltweit ganze 7000 Käufer. Einer davon bin ich. Seit fünf Jahren verrichtet ein Avantime bei uns seinen Dienst als Familienkutsche. Die Kinder lieben den zentralen Knopf, mit dem sich wie von Zauberhand Dach und alle Fenster öffnen lassen. Der Avantime bricht Konventionen: keine B-Säule, kein Gurtpiepser. Kontrovers auch die Form: für manche ein Graus, für mich eine Skulptur. Zu Ehren von Renault-Chefdesigner Le Quément trägt unser Avantime die Initialen LQ im Kennzeichen. Wir kriegen wenige anerkennende Blicke – aber von den richtigen Leuten."

Die Bezeichnung "VW-Porsche" war nicht die glücklichste Wahl, der 914 wurde als "Volks-Porsche" oder "Vo-Po" verspottet.

AUTO BILD-Testredakteur Jörg Maltzan über den VW-Porsche 914: "Nicht, dass Sie mich für was Besseres halten, aber mein erster Wagen war ein Porsche. Ein echter, dachte ich, bis Freunde den 914 verspotteten. "Volksporsche" nannten sie ihn. Noch schlimmer: "Neckermann-Porsche". Oder ganz schlimm: "Vopo". Der 914, ein Porsche? Dann ist der Opel GT auch eine Corvette. Denn der Zündschlüssel steckt rechts und nicht links. Im Rücken startet ein Zweiliter-Vierzylinder – immerhin ein Boxer mit 100 PS. Im Kfz-Schein steht als Hersteller die Volkswagen AG. Aber irgendwie fand ich die Kombination dann doch reizvoll: solide VW-Technik, Sportlichkeit von Porsche und Mittelmotorkonzept wie beim Ferrari Dino. Deshalb tat es auch nicht weh, das VW-Plagiat zu fahren, quasi den Kunstdruck und nicht das Gemälde. Das gab es nämlich auch, als 914/6. Der fuhr mit 911-Sechszylinder, trug das Zündschloß links und stand auf Fünflochrädern. Mein 914 ist trotzdem ein tolles Auto, wenn auch kein ganz echter Porsche. Ich habe ihn immer noch."

Autor: Margret Hucko

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