DKW Schnellaster 2=6

DKW Schnellaster 3=6

— 23.01.2012

Aller Laster Anfang

1948 findet die Auto Union in Ingolstadt ein neues Zuhause. Die Macher wissen: Transporter braucht das kaputte Land. Schon ein Jahr später steht der erste Schnellaster auf der Hannover-Messe. Wir fuhren die zweite Serie.

Als Kinder nannten wir ihn "Schweinebus". Denn er stank. Außen nach Zweitakter, innen nach Stallmist. Unser Viehhändler fuhr so einen. Der DKW-Prospekt für den Viehtransporter hatte ihn überzeugt: "Die Heckklappe dient zugleich als Laufsteg zu dem nur 33 cm über der Fahrbahn liegenden Wagenboden." Ein Laufsteg zum Schlachthof ... 
Da waren uns die Schnelllaster von Bäcker, Milchmann oder Kolonialwarenhändler lieber. Auf das einfache Fahrgestell ließen sich viele Aufbauten stellen – vom fahrenden Tante-Emma-Laden bis zum Pritschenwagen. Die Höhe seiner Ladefläche: exakt 87 Zentimeter, was prächtig zur 90-Zentimeter-Norm der Stückgut-Rampen der guten alten Bundesbahn passte.

Diese Baureihe des DKW Schnellaster lief nach dem Krieg als erste in Ingolstadt vom Band.

©U. Sonntag

Doch darunter verschenkt der DKW keinen Platz, da wartet ein riesiger Laderaum auf Ersatzrad, Plane und allerlei andere Plünnen. Zugänglich aber nur durch Krabbeln unter den Fahrersitz. Besser gesagt: unter die Sitzbank. Sie besteht aus Lehne und Fläche, wehrt sich vehement gegen alle Verstellwünsche. So muss der Fahrer seine Extremitäten ungewohnt falten – und will nach jeder längeren Fahrt auf die Streckbank. Klammeraffenhaft die Sitzposition am Lenkrad, das dazu fast in der Wagenmitte liegt. Durch die Pedal-Bodenlöcher kann man den Asphalt sehen, jedes Reng-Deng-Deng des Dreizylinder-Zweitakters dringt ungehindert nach innen. Eine Lärmdämmung gibt es nicht. Draußen ist so ein DKW lustigerweise leiser als innen. Doch zumindest auf Kurzstrecken macht das Schnellaster-Kutschieren großen Spaß: bequemer Einstieg durch Selbstmördertüren. Ein um 90 Grad gedrehtes H-Schaltschema am Lenkrad. Winker, die der Wind ab Tempo 80 aus ihrem Gehäuse saugt. Ein Auf-zu-Hebel, der die Kühlerjalousie betätigt. Genial, so lässt sich ohne Thermostat die Wassertemperatur regeln.

Rückblick: Autos der 50er-Jahre

Im Leerlauf schockt der DKW mit entsetzlichem Rödeln, beim Gasgeben läuft er plötzlich weicher und rund. Kein Wunder, das 3=6 in seinem Namen heißt ja "Dreizylinder mit der Laufruhe eines Sechszylinders". Bis Tacho 100 zittert sich die Nadel hoch. Blick zurück im kleinen Außenspiegel: Was ist denn das für ein Nebel? Na klar doch, der Duft der alten Zweitakt-Zeit.
Fahrzeugdaten DKW Schnellaster
Motor Dreizylinder Reihe, Zweitakter
Hubraum 896 ccm
Bohrung x Hub 71,0 x 76,0 mm
kW (PS) bei U/min 22 (30)/3800
Nm bei U/min 65/1700
Höchstgeschwindigkeit 85 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Vorderrad
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 5.50-16
Verbrauch (Werksangabe) 8,5 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 40 l/Gemisch
zulässiges Gesamtgewicht 1980 kg
Achslast vorn/hinten 940/1040 kg
Neupreis 6300 Mark (1955)
Messwerte
Leergewicht/Zuladung 1145/835 kg
Wendekreis (links/rechts) 14,8/14,7 m
Innengeräusch bei 50 km/h 80 dB (A)
Testverbrauch 9,1 l
Reichweite 440 km
Kosten
Steuern pro Jahr 112 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 68 Euro
Werkstattintervalle 12.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion -/420 Euro
Zeitwert* (Zustand 2, Stand 01/2012) circa 15.000 Euro
* Schätzwert der Experten von "Historischer Kraftverkehr"

Autor: Diether Rodatz

Fotos: U. Sonntag

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