Opel Rekord

Endstation Schrottplatz

— 10.03.2011

Heißkalt erwischt

AUTO BILD-Archiv-Artikel 22/1987: Für liebevolle Pflege seiner drei Besitzer bedankte sich der weiße Opel Rekord jahrelang mit artigem Lauf. Dann stoppte ihn ein defekter Thermostat – nach fast 250.000 Kilometern.

Arthur Hopp liebte Experimente schon von berufswegen nicht. Beim Kohlekraftwerk in Wedel an der Elbe war der Holsteiner zuständig für die Zuverlässigkeit der Kesselanlagen. Opels Werbeslogan "der Zuverlässige" lag ganz auf Arthur Hopps Linie und half bei der Entscheidung für einen weißen Opel Rekord mit schwarzem Vinyllederdach. Für 12.960,06 Mark kaufte Herr Hopp den Wagen vor 14 Jahren. Mit Schiebedach, 1,9-Liter-Motor und Luxus-Ausstattung schenkte sich Arthur Hopp einen Begleiter fürs Alter. Jetzt sah der ehemalige Kraftwerker beim Norderstedter Autoverwerter Kiesow sein Auto zur Verschrottung wieder.

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Arthur Hopp ist Holsteiner. Bescheiden, korrekt, zugeknöpft und wortkarg. Über Gefühle spricht er nicht gerne. Schon gar nicht Fremden gegenüber. Der 68jährige hatte hier vor Augen, wie mit hässlichem Knirschen Zentimeter für Zentimeter Erinnerungen zerquetscht wurden. Erinnerungen an Benidorm, an die schönen Fahrten zusammen mit seiner Frau über die Alpen nach Italien. An viele Urlaube. Im Fichtelgebirge. Im Bayerischen Wald. Und auch in Dänemark. 76.000 Kilometer in acht Jahren – das ist die durchschnittliche Fahrleistung eines Rentners, der Zeit hat.

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So viel Zeit, dass dem Opel eine überdurchschnittliche Pflege zukam. Hatte der Wagen nach einer Einkaufsfahrt einen Regenschauer abbekommen, dann sorgte Arthur Hopp unverzüglich dafür, dass die Spuren verwischt wurden. Daheim in seiner Garage lederte er sorgsam Vinyllederdach und Lack wieder trocken. Seine Frau war zuständig für die Reinheit des Innenraumes. Wie gründlich die Hopps ihren Rekord pflegten, weiß Zweitbesitzer Wolfgang Steinhofer, Lehrer in Wedel, noch zu schätzen: "Vom Armaturenbrett hätte man essen können." Selbstverständlich ließ Arthur Hopp seinen Wagen in der Opel-Werkstatt scheckheftpflegen.

Rekord-Preis am Ende: 30 Mark

Das sollte sich auszahlen. Besonders für den dritten und letzten Besitzer, den Finanzbeamten Werner Follmer. Nachdem Wolfgang Steinhofer das Auto nur ein Jahr gefahren "und außer Ölwechsel und Tanken an dem Opel nichts gemacht hatte", erwarb der Finanzamtmann aus Ellerbek bei Hamburg das Auto für 1000 Mark. 101.000 Kilometer zeigte die Uhr, und Werner Follmer fuhr und fuhr. Knapp 150.000 Kilometer legte er in weniger als fünf Jahren zurück. 30 Mark betrug jetzt der Schrottpreis – der monatliche Wertverlust errechnet sich für den Finanzbeamten auf läppische 17,32 Mark.

Würde Vater Staat mit unseren Steuergeldern so haushalten wie Amtmann Follmer mit seinem Salär – wir wären nur noch auf der Überholspur. Indes, der Opel Rekord musste zweimal auf die Standspur, als er Werner Follmer gehörte. In Cuxhaven knallte ein Cabriofahrer in einer Kurve auf den geparkten Wagen. Die Versicherung bezahlte den Ausrutscher mit 2500 Mark. Mit aufgerüstetem Heck fuhr der Opel weiter seine Meilen. Als er das zweite Mal auf die Standspur musste, gab’s kein Zurück mehr. Werner Follmer hatte das Indiz für ein nahes Ende der Maschine falsch gedeutet, sonst liefe der Opel wohl heute noch.

Bei kalter Januar-Luft stand die Nadel der Wassertemperaturanzeige beständig im "kalten Feld. Ich dachte, dass der bei zwanzig Grad minus einfach nicht mehr warm wird", erinnert sich Werner Follmer. Falsch. Der Thermostat war ausgefallen. In Wirklichkeit schwitzte der Motor so sehr, dass er nach kurzer Fahrstrecke mit lautem Rasseln zusammenbrach. Immerhin, das geschah bei Kilometerstand 249.676. Trotzdem: Der Finanzamtmann hätte seinen monatlichen Wertverlust gern noch auf 15,90 Mark gedrückt. "Im August war der Wagen erst TÜV-fällig, bis dahin wollte ich ihn noch fahren."

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