Erbstück Ford Taunus 17M P3 — 22.12.2008
Ich fahre Papas 17M
Sentimentalität, Prinzip, Bequemlichkeit, oder weil das Geld nicht für einen Neuwagen reichte – es gibt viele Gründe, das Auto des eigenen Vaters weiterzufahren. Wolfgang Scherer und sein Ford Taunus 17M P3.
Es gibt Auto-Biografien, die verlaufen wie Passstraßen. Steil, schwer einsehbar, mit Spitzkehren und Abgründen. Die Geschichte von Wolfgang Scherers
Ford 17 M P3 gehört dazu. Und sie hat sogar ein Happy End. Dass der 50-jährige Jurist noch heute das elterliche Auto fährt, hatte anfangs nichts mit Sentimentalität zu tun. Es waren wirtschaftliche Gründe, die den weißen
Ford, Baujahr 1963, zu Scherers ständigem Begleiter machten. Denn innerhalb von fünf Jahren hatte der Frankenthaler beide Eltern verloren, 1971 den Vater und 1976 – kurz vor seinem 18. Geburtstag – die Mutter. Bis dahin war das Leben des Familien-Ford unauffällig abgelaufen: 1969 hatte Karl Heinrich Scherer, von Beruf Oberamtsanwalt am Landgericht Frankenthal, den
Ford 17M für 3000 D-Mark von einem Kollegen gekauft.
Hypermodern: Das Cockpit der "Badewanne" war bei seinem Erscheinen 1960 der letze Schrei.
"Der 17M P3 war ja zur damaligen Zeit allein vom Aussehen etwas Besonderes – der entsprach dem modernen Verständnis, das mein Vater von einem Auto hatte", sagt Scherer. Und er pflegte seinen Ford, auch wenn der kein Neuwagen war. Auch in Diensten der Mutter strengte sich der 17M nicht an: Nur 2000 Kilometer legte sie zwischen 1971 und 1976 zurück. Sie war an den Vorgänger gewöhnt, einen Weltkugel-Taunus, und empfand den 17M als zu groß. Als Wolfgang Scherer den Ford übernahm, waren Badewannen-Design, Lenkradschaltung und sofaweiche Sitzbank völlig out.
Heute wirken Details des 17M P3 barock, in den frühen 60ern galt "die Linie der Vernunft" als progressiv und sachlich.
Der Viertürer musste im Alltag schuften – Trips nach England, Touren nach Italien, viele Wege des Jurastudenten zu pfälzischen Gerichten. Bis 1986. "Ich hatte früh beschlossen, den Wagen einmal vollständig zu restaurieren." Und Scherer hielt Wort. Pünktlich zur eigenen Hochzeit 1987 war die Komplett-Sanierung abgeschlossen. "Ich bin mir sicher, dass sich mein Vater freuen würde, wenn er das alles wüsste", sagt der Ford-Fan heute. Und die Taunus-Tradition geht weiter: Mit Tochter Barbara (18) hat bereits die nächste Generation auf der Sitzbank Platz genommen. "Ich bin in dem Wagen groß geworden", sagt sie. Und: "Allein der Geruch innen drin – den lieb' ich".
| Technische Daten Ford Taunus 17M P3
|
| Motor
|
Vierzylinder-Reihenmotor
|
| Hubraum
|
1498 ccm
|
| Leistung
|
40 kW (55 PS) bei 4250 U/min
|
| Drehmoment
|
max. 113 Nm bei 2400 U/min
|
| Getriebe
|
Drei- oder Viergang-Lenkradschaltung
|
| Länge/Breite/Höhe
|
4450/1670/1450 mm
|
| Radstand
|
2630 mm
|
| Leergewicht
|
960 kg |
| 0-100 km/h
|
20,5 s
|
| Höchstgeschwindigkeit
|
130 km/h
|
| Verbrauch
|
9,0 l Super
|
| Bauzeit
|
1960 bis 1964
|
| Stückzahl
|
ca. 665.000
|
| Gebrauchtwagenpreis 1969
|
3000 D-Mark
|