Fahndung nach dem Mythos

VW Käfer 1200 VW Käfer 1200

Fahndung nach dem Mythos

— 24.04.2009

Gesucht: der wahre Käfer

Original oder originell? Rostig oder restauriert? Stark oder Schwach? Wer fährt heute noch Käfer und warum? Welcher ist Kult? Eine Spurensuche mit Typberatung. Im ganzen Land.

Wer will schon die Wahrheit hören, wenn es um die große Liebe geht? Ja, man muss das hier so pathetisch sagen, weil alle anderen Umschreibungen nicht greifen. Zweckgemeinschaften halten das nicht aus. Einen Säufer als Partner. Einen unzuverlässigen Typen, der mehr Fehler hat als ein Hund Flöhe. Einer, der schon bei der Geburt ziemlich alt aussah. Das ist die Wahrheit über den Käfer, zumindest die halbe. Denn wahr ist auch, dass er uns aufgebaut hat, als die Welt ein tiefes, schwarzes Loch war und unser Ego nach dem Krieg nicht größer als ein Marienkäfer. Dass er uns verzaubert hat mit seinen runden Scheinwerfer-Augen, dem Boxer-Geschnatter, der unverwechselbaren Kugel-Form. So liebenswert gezeichnet wie kaum ein Zweiter. Deshalb wird er heute immer noch geliebt, vermutlich mehr denn je. Weil wir wissen, dass der Käfer gut umsorgt werden muss, damit er uns nicht bald verlässt. Jeder Besitzer pflegt ihn auf eine andere Art. Manche Fans wünschen ihn sich möglichst original, stecken viel Geld und Arbeit rein, damit er glänzt wie ein Baby-Popo. Oder kaufen direkt in der Profi-Werkstatt. Andere lieben ihn unberührt rostig, aber technisch rüstig. Getunt, gekauft, geerbt und hier erklärt: fünf wahre Käfer und ihre Geschichte.

Rostig und rüstig: Dirk Lievrée und sein Ovali von 1954

Der 38-jährige Kölner Dirk Livrée möchte die Patina seines 54er Ovalis unbedingt erhalten.

"Komm schon. Komm schon", beschwört Dirk Lievrée seinen Käfer wie ein kleines, schmollendes Mädchen, das keinen Schritt mehr weitergeht. Der Wagen zickt, will einfach nicht anspringen. Sein trotziges Kind würde man jetzt an die Hand nehmen und hinter sich herziehen. Aber aus den Jahren ist der Wagen raus. Er hat ja schon Altersflecken, überall Flugrost, am Kotflügel sogar ein böses Loch. Stattdessen bespricht Lievrée den Wagen beinahe zärtlich und versucht es noch mal mit dem Starten: "Komm schon!" Er kommt. Wie immer. Und immer wieder ist es wie ein kleines Wunder, wenn der 30-PS-Boxer losprasselt. Als würden die Menschen im Stummfilm plötzlich das Reden anfangen. Kaum zu glauben, dass diese Rostlaube fährt. Und wie sie fährt. "Ich bin mehr an der Technik interessiert, nicht so sehr am Aussehen", sagt der 38-jährige Kölner. Er schwärmt, wenn er über die Seilzugbremsen spricht: "Das ist, als ob du einen Anker schmeißt." Und er jammert nicht, wenn er sagt: "WD-40 ist mein bester Freund."

Szene-Fans nennen rostige Autos "Ratte"

Im Heck des Ovali schnattert ein Boxer, der seine 30 PS Leistung bei 3400 Umdrehungen bringt.

Er hat ihn ja auch so gewollt, so fleckfiebrig wie er ist, als er ihn im vergangenem Dezember in Holzminden vom Händler holte. Vorher hatte er ihn beim Surfen im Internet entdeckt. Nur ein Vorbesitzer, gesuchter Ovali, fast original belassen – drei, zwei, seins. "Erst mal haben." Dabei blieb es dann. Bis heute. In Zukunft auch. Zu viele Baustellen habe er: das Haus von seinen Eltern, noch einen 57er Ovali, einen 73er Westfalia-Bus, und im Vorgarten liegt im Gras, unter der Birke, ein 44-PS-1302-Motor. Ein andächtiges Bild – wie ein Denkmal, das ins Leben zurückgeholt werden will. Seinen 1200er reanimierte Lievrée ebenfalls. Der stand bis zum letzten Jahr in irgendeiner Garage, die Fahrzeugpapiere erzählen eine unspannende Kurzgeschichte. 28. Mai 1954, Tag der ersten Zulassung. Einmal umgemeldet, am 3. Dezember 1971 abgemeldet. Anschließend: staubiges Garagendasein, nie mehr berührt und heute unglaublich angesagt. Szene-Fans nennen rostige Autos "Ratte". Ein schäbiges Tierchen, aber Kult. Wie die kleine Gasrolle, die Lievrée vorsichtig im Fußraum tritt. Mit gesetztem Winker geht es rechts rum und mit Krawumm in Richtung Beifahrertür. Nackt ist sie auch noch, die Ratte. Kein Haltegriff. Keine Tankuhr. Nur ein Reservehahn im Fußraum. Den bitte beachten. Sonst hilft auch kein "Komm schon".

Technische Daten VW 1200, Bj. 54 Vierzylinder-Boxermotor luftgekühlt, hinten längs eingebaut • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1192 ccm • Leistung 22 kW (30 PS) bei 3400/min • max. Drehmoment 77 Nm bei 2000/min • Hinterradantrieb • Vierganggetriebe • vorn Kurbellenkerachse, hinten Pendelachse • Trommelbremsen vorn und hinten • Länge/Breite/Höhe 4070/1540/1500 mm • Spurweite vorn 1290, hinten 1250 mm • Radstand 2400 mm • Spitze 112 km/h, Neupreis 1954: 3950 DM.

Gemacht und gepflegt: Sebastian Müller und sein 1303 von 1974

Die Schuhe zum Auto: Chucks in Leuchtorange aus dem Secondhandladen. Sebastian Müller und sein Käfer von 1974.

Schauen Sie mal nach links: cooler Typ, oder? Lässig durchgestylt: die langen Haare, die orangefarbenen Chucks, die speckige Lederjacke. Sieht doch aus wie ein Webdesigner, der in Berliner Szenekneipen rumhängt und mit Wodka-Redbull abendfüllend über die neuste Scheibe von "Element of Crime" philosophiert. Dabei sagt er Sätze wie: "Ich danke meinen Eltern, meinem Bruder Markus, Till und Manfred für ihre Unterstützung." Holla, was für Töne! Gut erzogen, vernünftig, bedeutungsschwer. Als wäre ihm gerade der Oscar für sein Lebenswerk verliehen worden. Josephine macht ihn so weich. Josephine – Sebastians VW 1303. Und die ist irgendwie auch sein Meisterwerk.

Original mit Szene-Schick: in Wagenfarbe lackierte Felgen. Sebastian hat den 74er Käfer zusammen mit seinem Bruder restauriert.

Vor drei Jahren entdeckte Webdesigner Sebastian Müller (26) Josephine am Straßenrand in der Nähe von Lüneburg bei Hamburg, als Josephine noch namenlos und ihr Zustand ein Häufchen Elend war. "Ich fand die Farbe cool, weil sie mich an alte Rennwagen erinnert", sagt Sebastian. "Und ich wollte unbedingt einen orangefarbenen Wagen." Der Vater prophezeite: "Das Auto wird dein Untergang." Eltern sagen so was gern. Aber die Mutter unterstützte ihn und machte 1500 Euro für den Käfer locker. "Orange ist Mamas Lieblingsfarbe." Der Bruder half beim Restaurieren. Im November 2004 startete Sebastian das Projekt 1303, baute Armaturenbrett und Motor aus, schliff dem Wagen den Rost vom Leib, erneuerte alle Gummidichtungen. Auch den Boxer zerlegte er. "Mein Bruder und ich haben alles selbst gemacht. Bis auf den Lack und die Sitzpolster." Und nebenbei schweißte der Käfer auch die Brüder zusammen. "Wir haben Bier getrunken, gegrillt und Rockmusik gehört."

Edles Gestühl: Die schwarzen Kunstledersitze kommen vom Sattler.

Aus einem dieser Songs kommt auch Josephines Name. "Wir nennen sie liebevoll Josy." SIE! Ganz wichtig. Josy ist eine echte Frau, mit viel schmückendem Tinnef behängt. Auf dem Armaturenbrett liegt eine Hawaiikette, am Rückspiegel tanzt ein Mädchen Hula. Manchmal ist Josy auch eine eifersüchtige Zicke. Nebenbuhlerinnen auf dem Beifahrersitz bestraft sie mit Liegenbleiben oder täuscht Pannen mit Motorstottern an. Dabei ist Josy topfit. Obwohl ausgerechnet an Sebastians Geburtstag ein BMW am Bahnhof Hamburg-Altona in sie reinrauschte. "Das war der 31. Mai", erinnert sich Sebastian. Und er sagt es, als wäre es der 11. September gewesen. "Man sieht, wie schnell es mit Josy zu Ende sein kann." Das fände er sehr uncool.

Technische Daten VW Käfer 1303, Bj. 1974 Vierzylinder-Boxermotor, hinten längs eingebaut • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1192 cm3 • Leistung 25 kW (34 PS) bei 3800/min • max. Drehmoment 75 Nm bei 1700/min • Hinterradantrieb • Vierganggetriebe • vorn McPherson-Federbeine, hinten Doppelgelenkachse • vorn und hinten Trommelbremsen • Länge/Breite/Höhe 4110/1585/1500 mm • Spurweite vorn 1394, hinten 1349 mm • Radstand 2420 mm • Spitze 116 km/h, Neupreis: 7480 DM.

Scharf und schnell: Peter Thielen und sein 68er mit 160-PS-Motor

Peter Thielen, 40 Jahre alt, Angestellter bei der DHL am Köln-Bonner-Flughafen. Kein Wunder, dass bei dem Mann die Post abgeht ...

Im Telefonhörer nur Höllenlärm. Schlürfen, Gurgeln, Wummern. Und alles zusammen: Ein Geräuschteppich, als ginge gerade die Welt zugrunde."Hallo? Ich kann Sie schlecht verstehen, der Motor ist zu laut", brüllt Peter Thielen in sein Handy. Was da gerade abgeht, ist ein packender Klang-Krimi: Typ 1 killt D1. Die diabolische Kulisse des 160-PS-Boxers raubt dem Telefon die Verbindung. Am anderen Ende der Leitung entstehen Bilder im Kopf, die so dunkel und gefährlich sind, dass die Freiwillige Selbstkontrolle sie erst ab 16 Jahre freigeben würde. Mit was der Thielen jetzt wohl anrollt? Schlussendlich ist es nur ein Käfer. Zwar scharfgemacht und ziemlich schnell, aber immer noch mit freundlichem Augenaufschlag und flaniertauglichem Faltdach. "Von außen soll der auch nicht schnell aussehen. Ich wollte einen Wolf im Schafspelz." Thielen, 40 Jahre alt, Angestellter bei der DHL am Köln-Bonner-Flughafen. Kein Wunder, dass bei dem Mann die Post abgeht.

Motor mit 160 PS: Peter Thielen ließ den 1,5-Liter-Boxer auf zwei Liter hochzüchten und einen Weber-Doppelvergaser einbauen.

Das Rezept für seine Käfer-Restaurierung kommt aus Amerika. Da heißt es: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Also ließ er den 1,5-Liter-Boxer auf zwei Liter hochzüchten und einen Weber-Doppelvergaser einbauen. Die schwächelnden Trommelbremsen tauschte er gegen gelochte Scheiben aus der Tuningszene aus. Deshalb verwehrte ihm der TÜV auch ein historisches Kennzeichen. Im März 2003 kaufte Thielen den 1500er, in erster Linie wegen des Motors. "Davon hab ich mich blenden lassen." Der Wagen sah optisch ganz gut aus, aber hinter der Fassade tat sich ein Fass ohne Boden auf. Alles verfloss. Die Zeit – drei Jahre restaurieren waren nötig. Und das Geld – geschätzte 25.000 Euro schluckte das Projekt, die 7000 Euro Anschaffungspreis waren dagegen Peanuts. Was nicht verfloss, war die Liebe zum Käfer. Im Gegenteil: "Da steckt so viel Herzblut drin, dass ich den Wagen nur bei schönem Wetter fahre." Am liebsten in die Eifel, ganz gemütlich mit der Familie. Sprintrennen, die der Kraft-Käfer regelrecht herausfordert, würde er ihm nie zumuten. Wirklich nie! "Meine Klubfreunde sagen, ich soll mal Gas geben, damit die Vergaser nicht so stinken." Die sind von mittelschwerem Kaliber: 44er-IDF-Weber-Doppelvergaser. Zusammen mit den offenen Luftfiltern sorgen die für Höllensound. Wie himmlisch.

Technische Daten VW Käfer 1968/160-PS-Motor Vierzylinder-Boxer, hinten längs eingebaut • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 2000 cm3 • Leistung 118 kW (160 PS) • Hinterradantrieb • Vierganggetriebe • vorn verstellbare Vorderachse von VW-Brasilien, hi. Pendelachse • vo. Scheibenbremsen, gelocht, hi. Scheibenbremsen gelocht und geschlitzt • Länge/Breite/Höhe 4070/1550/1400 mm • Spurweite vo. 1310, hi. 1360 mm • Radstand 2400 mm • Reifen v. 195/50, h. 195/60 R 15 V, Neupreis: 5435 DM.

Original und gut: Die Jumpertz mit dem Spar-Käfer von 1972

Familienbild mit Spar-Käfer: Heinz, Betty und der australische Terrier Schnuppi.

Sie sehen ihre Töchter auf der Rückbank. Sie sehen Fahrten zur Schule und zum Kieferorthopäden. Sie sehen den Supermarktparkplatz, auf dem ihnen Terrier Schnuppi zulief. Heinz (74) und Betty (68) Jumpertz gucken in die Garage. Dieser Blick ist wie das Blättern in einem Fotoalbum. Das Modell ist immer das gleiche: ein leuchtorangefarbener Käfer. Es gibt keine Fotos von diesen Bildern in ihren Köpfen. Zu alltäglich lief das Leben mit dem 1200er, solche Szenen knippst man einfach nicht. "Der Käfer war unser Stadtwagen", erzählt Heinz. Und vergisst, dass der Käfer noch immer ihr Stadtwagen ist. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – der Käfer begleitet Heinz und Betty bald ein halbes Leben lang. Da geraten die Zeiten schon mal durcheinander. Vor 35 Jahren kaufte das Ehepaar den Wagen bei einem alten Traditionshändler in Jülich. Jülich, ein Städtchen zwischen Köln und Aachen, das die meisten Menschen nur deshalb kennen, weil es ein Forschungszentrum mit Nobelpreisträger hat. Dort leben Betty und Heinz noch heute, ihre beiden Töchter sind längst aus dem Haus, der alte VW-Händler Pleite.

Die nackte Armut? Ach was – weniger ist mehr. Es lebe der alte Käfer'sche Purismus!

"Etwas mehr als 5000 Mark hat der Käfer damals gekostet." Dafür gab es aber nur die nackte Sparversion. Mit alter Pendel-Hinterachse, härterer Federung, bescheidener Innenausstattung und schwachem 34-PS-Motor. Alles, was den 1200er bequemer, sicherer, hübscher macht, kaufte das Ehepaar im Italienurlaub am Gardasee. Die Kopfstützen, Sicherheitsgurte, Thermometer. Bella Italia ... Dahin reisten die Jumpertz stilecht im Fiat 125 S. Der Käfer sah Jahre lang nur Jülicher Rübenäcker, das kleine Zentrum, die umliegenden Dörfer, bis Tochter Angela den Wagen nach Köln entführte. Sie studierte an der Euro-Akademie, während der Wagen in der Großstadt litt. "Der bekam überall Beulen, da haben wir den Wagen zurück nach Jülich geholt." Aber sonst krankte der Wagen in all den Jahren nicht. Eine Kupplung, die nach 160.000 Kilometern erneuert werden musste, und die Benzinanzeige, die jetzt zum zweiten Mal kaputtgegangen ist – das wars. Das Auto funktionierte einfach nach dem Motto: Und läuft und läuft und läuft. Das soll auch so bleiben. Tochter Angela meldete Interesse an, auf dem Nummernschild stehen bereits ihre Initialen "AJ". Weil sie zu viele Geschichten mit dem Käfer verbindet, will sie sich nicht trennen. Sie sieht ihre Eltern vorn im Cockpit. Sie sieht sich vor der Praxis des Kieferorthopäden. Und Schnuppi, wie er in ihre kleinen Arme läuft.

Technische Daten VW Käfer 1200, Bj. 1972 Vierzylinder-Boxermotor, hinten längs eingebaut • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1192 cm3 • Leistung 25 kW (34 PS) bei 3600/min • max. Drehmoment 84 Nm bei 2000/min • Hinterradantrieb • Vierganggetriebe • vorn Kurbellenkerachse, hinten Pendelachse • Trommelbremsen vorn und hinten • Länge/Breite/Höhe 4070/1550/1500 mm • Spurweite vorn 1310, hinten 1350 mm • Radstand 2400 mm • Spitze 116 km/h, Neupreis: 5390 DM.

Offen und herrlich: Boris Schnitgers' Memminger-Cabrio von 1979

Boris Schnitgers' Modell ist Baujahr 1979, eines der letzten. Die Dachmontage ist noch echte Handarbeit.

Die Kunden sind kleine Könige. Gut situierte Zahnärzte, Münchner Söhne von der Maximilianstraße. Firma Memminger verkauft– so der Werbeslogan – "Feine Cab". Der Preis für so einen First-Class-Käfer mit beheizten Recaro-Sportsitzen und Wurzelholz stößt gern mal an die 40.000-Euro-Marke. Boris Schnitger gehört zu den Kunden von Memminger. Ja, er ist ein feiner Mensch. Aber anders, als Sie denken. Weder ist er Berufssohn noch schwimmt er in Geld, sondern eröffnete erst vor Kurzem einen Tauchladen in München. Er will einfach nicht in die Schickeria-Schublade passen. Boris Schnitger suchte keine VIP-Betreuung, sondern die perfekte Restaurierung, weil an dem Käfer Kindheitserinnerungen hängen. Denn seine Liebe begann früher als erlaubt. Mit vorsichtigem Streicheln, feurigen Blicken. "Ich habe den Käfer schon geputzt, bevor ich ihn fahren durfte." Da war der heute 36-Jährige gerade mal 15 Jahre alt. Sein Vater hatte den marsroten 1303 (Baujahr 1979) von einem Bekannten gekauft, als Spaß-Auto fürs Wochenende.

Käfer-Spezialist Memminger lackierte die Farbe Marsrot neu und polsterte die Kunstledersitze.

2001, der Käfer war längst seiner, stand Schnitger dann vor der Entscheidung: investieren oder trennen? Rost nagte an den Schwellern, zwei Jahre zuvor hatte er den Wagen noch mit provisorischen Schweißarbeiten durch den TÜV gebracht. Also entschied er sich, Geld in die Hand zu nehmen, der Liebe wegen. "So was gibst du so schnell nicht auf." Schnitger surfte im Internet, tauchte tief in die Materie ein, prüfte Profi- und Frickelwerkstätten. Und stieß auf die Stahlbau GmbH Memminger in Reichertshofen. Der Ort liegt 50 Kilometer von München entfernt, eine szenebekannte Werkstatt mit Top-Mechanikern. Die Oberliga, wenn es um Käfer geht. "Erst mal habe ich mir mit meiner Freundin angehört, wie Memminger das Cabrio restaurieren würde. Ein halbes Jahr später haben wir uns entschieden." Dann begann das rhetorische Duell: Traditionalist Schnitger gegen Tuning-Fan Memminger. "Der wollte eine Sportsemmel aus dem Wagen machen." Memminger wollte Ledersitze, Schnitger das original schwarze Kunstleder. Memminger rollte unter der Haube den Porsche-Teppich aus, Schnitger legte die Original-Pappe wieder in den Kofferraum. Am Ende siegte König Kunde. Auch ohne viel Kohle in der Tasche.

Technische Daten VW Käfer Cabr. 1303 LS, Bj.1979 Vierzylinder-Boxermotor, hinten längs eingebaut • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1584 cm3 • Leistung 37 kW (50 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 108 Nm bei 2800/min • Hinterradantrieb • Vierganggetriebe • vorn McPherson-Federbeine, hinten Doppelgelenkachse • vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen • Länge/Breite/Höhe 4140/1585/1500 mm • Spurweite vorn 1394, hinten 1349 mm • Radstand 2420 mm • Spitze 132 km/h, Neupreis: über 14.000 DM

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