Oldtimer-Sicherheitstraining

Fahrsicherheitstraining für Oldtimer Fahrsicherheitstraining für Oldtimer

Fahrsicherheitstraining für Oldtimer

— 01.04.2009

Kommt das Heck, bist Du weg!

Die meisten meinen, sie hätten ihren Alten im Griff. Immer – auch im Notfall. Stimmt aber nicht, gerade bei Autos ohne ESP und ABS. Da hilft nur üben – beim Fahrsicherheits-Training für Oldtimer-Fahrer.

Am Anfang ist die Angst. Die Angst ums Auto. Wird sie den Tag überleben, meine schöne Volvo-Amazone von 1965? Den anderen geht es ähnlich. Auf die Frage des Lehrers, was wir heute hier erwarten, antworten viele: Hoffentlich mit einem heilen Auto nach Hause zu fahren. Wir, das sind sieben Männer und drei Frauen. Alle sind Klassiker-Fans, die ihr Schätzchen besonders in Gefahrensituationen besser kennen lernen wollen. Beim Fahrsicherheitstraining für Oldtimer des Automobilclubs von Deutschland (AvD) im niedersächsischen Lengede. Los geht es mit Theorie. "Was ist Gefahr?", will Fahrlehrer Torsten Müller wissen. "Die anderen", witzelt Porsche-Fahrer Klaus Schmidt. Das Problem heißt Energie, erfahren wir. Müller: "Energie, die man schwer einschätzen kann. Zu leicht lassen wir uns täuschen – von Geräusch und Perspektive." Nur ein Prozent unseres Handelns passiert bewusst. Und das Unbewusste greift auf bereits Erlebtes zurück. Darum ist Erfahrung so wichtig. Laut Aristoteles ist sie der Anfang aller Kunst und jeden Wissens.

Wie war die Formel für den Reaktionsweg noch mal?

Platsch! Bei 40 km/h kann der Amazon den hochschießenden Wassersäulen nicht ausweichen.

Die Kunst beginnt für uns mit Slalomkurs, Brems- und Ausweichmanövern bei nasser Fahrbahn und in Kurven. Müller drückt allen Walkie-Talkies in die Hand. Dann korrigiert er die Sitzhaltung im Auto. Fahrzeugtechniker Jan Kreiling muss in seinem BMW 2002 tii die Lehne hochschrauben. "Ist ja keine Schlafveranstaltung hier", so Müller. Kreiling verdreht die Augen und fühlt sich wie eine Omi im Rentner-Rolls. Schrauberkumpel Pierre Rammelfang ist komplett aus dem Rennen. Bei seinem Citroën 11 CV von 1954 kann er weder Lehne noch Sitz verstellen – Original-Askese. Ab zum Slalomkurs. Erst mit niedlichen 30, dann 40 und zuletzt mit strammen 50 km/h schlängeln wir uns an den Hütchen vorbei. Dabei möglichst nicht am Lenkrad reißen. Und bitte die orange-weißen Dinger stehen lassen. Noch fühle ich mich sicher. Nächste Übung: Bremsen. Wie war die Formel für den Reaktionsweg noch mal? Geschwindigkeit durch zehn mal drei, hilft Müller. Stimmt. Bei der Übung bremsen wir trotzdem fast alle viel zu spät. "Weniger zaghaft", sagt Müller. "Du musst richtig in die Eisen hauen." Beim dritten Versuch ist er zufrieden. Nach dem Essen erlebe ich im Simulator einen unangeschnallten Aufprall bei 14 km/h. Mein Herz gibt richtig Gas. "Daumen gerade, sonst brechen sie. Und nicht gegenhalten", mahnt Müller. Rumms. Ich zucke zusammen und fühle mich wie eine Mücke beim Ausflug auf der Autobahn.

P wie Panik: Ich haue in die Eisen, dass der Büffel grüßen lässt

Vollbremsung bei Tempo 50 auf nasser Fahrbahn: Erst geht es geradeaus, dann bricht der 911 Turbo von 1987 heftig aus.

Pünktlich zur Bremsübung auf nasser Fahrbahn braut sich ein Gewitter über Lengede zusammen. 50 km/h und beim Heben des Hütchens eine Vollbremsung hinlegen, lautet die Anweisung. "Fuß unbedingt auf der Bremse lassen, sonst könnt ihr kippen", sagt Meier. Kippen? Ein P für Panik bildet sich vor meinen Augen. Jetzt bloß nicht kneifen. Ich beschleunige, das Hütchen schnellt hoch, ich stoße meine ganzen 50 Kilo plus Panikbonus ins Bremspedal und spüre, wie das Heck meiner Amazone wegwischt. Adrenalin. Erst steht mein Herz, dann der Volvo. Geile Übung! "Man driftet, aber gerät nicht in die Gegenfahrbahn. Das ist lebenswichtig", erklärt Müller. Aufgewühlt geht es zur nächsten Übung: Ausweichen mit Stotterbremse. Plötzlich hochschießende Wassersäulen sollen auf die Straße rennende Kinder simulieren. Martin Vorwahl, Besitzer eines 73er Opel Commodore, ist geschockt: "Ich hab’ drei Kinder umgefahren", sagt er. Kurz darauf drehe ich mit 60 km/h meine Runden auf der Kreisbahn, klammere mich ans große Bakelit-Lenkrad und denke, gleich fliege ich aus der Kurve. P wie Panik. Der Motor heult, die Reifen quietschen. Instrukteur Müller sitzt neben mir und brüllt: "Bremsen!" Ich gehorche. Und haue in die Eisen, dass der Büffel grüßen lässt.

Sicherheitstipps des AvD

1. Mit flachem, festem Schuhwerk fahren. Stöckelschuhe und Flip-Flops sind tabu – Abrutschgefahr.
2.
Sitz richtig einstellen, sonst droht erhöhte Bruchgefahr. Wenn man die Hände oben auf das Lenkrad legt, sollten die Arme leicht gebeugt sein. Die Beine müssen bei durchgetretenen Pedalen leicht gebeugt sein.
3. Zwischen Nase und Lenkrad etwa 35 bis 40 Zentimeter Platz lassen. Das Lenkrad in Position "viertel vor drei" (2:45 Uhr) greifen. Darauf achten, dass die Daumen das Lenkrad nicht umschließen, sondern auf ihm aufliegen.
4. Der Gurt ist Lebensretter Nummer eins. Er sollte auch bei kurzen Strecken und geringer Geschwindigkeit straff gespannt sein.
5. Keine Angst vorm sogenannten "Büffeltritt"! Im Gefahrenfall mit voller Kraft in die Eisen gehen und nicht wieder loslassen. Besonders bei nasser Fahrbahn droht sonst Kipp- oder Schleuder-Gefahr.
6. Richtigen Abstand einhalten. Bei 50 km/h im Stadtverkehr sind das drei Pkw-Längen oder 15 Meter.
7. Richtige Geschwindigkeit einhalten. Beispiel: Bei 30 km/h benötigt man neun Meter Reaktionsweg, um rechtzeitig zu stoppen. Bei 40 km/h sind es schon zwölf Meter.

Wie, Wo, Wann

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) bietet auf seinem Trainingsgelände Teach & Drive in Lengede Fahrsicherheitskurse für Oldtimer an. Das Tagestraining läuft von zehn bis 17 Uhr und kostet 102 Euro. Termine nach Absprache. Infos beim AvD unter karin.zoeller@avd.de sowie beim Verein Profi-Initiative Fahrlehrer e.V., Lise-Meitner-Straße 2, 38268 Lengede/ Broistedt, Tel. 05344-261525.

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