Fahrsicherheitstraining für Oldtimer — 01.04.2009
Kommt das Heck, bist Du weg!
Die meisten meinen, sie hätten ihren Alten im Griff. Immer – auch im Notfall. Stimmt aber nicht, gerade bei Autos ohne ESP und ABS. Da hilft nur üben – beim Fahrsicherheits-Training für Oldtimer-Fahrer.
Wie war die Formel für den Reaktionsweg noch mal?
Die Kunst beginnt für uns mit Slalomkurs, Brems- und Ausweichmanövern bei nasser Fahrbahn und in Kurven. Müller drückt allen Walkie-Talkies in die Hand. Dann korrigiert er die Sitzhaltung im Auto. Fahrzeugtechniker Jan Kreiling muss in seinem BMW 2002 tii die Lehne hochschrauben. "Ist ja keine Schlafveranstaltung hier", so Müller. Kreiling verdreht die Augen und fühlt sich wie eine Omi im Rentner-Rolls. Schrauberkumpel Pierre Rammelfang ist komplett aus dem Rennen. Bei seinem Citroën 11 CV von 1954 kann er weder Lehne noch Sitz verstellen – Original-Askese. Ab zum Slalomkurs. Erst mit niedlichen 30, dann 40 und zuletzt mit strammen 50 km/h schlängeln wir uns an den Hütchen vorbei. Dabei möglichst nicht am Lenkrad reißen. Und bitte die orange-weißen Dinger stehen lassen. Noch fühle ich mich sicher. Nächste Übung: Bremsen. Wie war die Formel für den Reaktionsweg noch mal? Geschwindigkeit durch zehn mal drei, hilft Müller. Stimmt. Bei der Übung bremsen wir trotzdem fast alle viel zu spät. "Weniger zaghaft", sagt Müller. "Du musst richtig in die Eisen hauen." Beim dritten Versuch ist er zufrieden. Nach dem Essen erlebe ich im Simulator einen unangeschnallten Aufprall bei 14 km/h. Mein Herz gibt richtig Gas. "Daumen gerade, sonst brechen sie. Und nicht gegenhalten", mahnt Müller. Rumms. Ich zucke zusammen und fühle mich wie eine Mücke beim Ausflug auf der Autobahn.P wie Panik: Ich haue in die Eisen, dass der Büffel grüßen lässt
Sicherheitstipps des AvD
1. Mit flachem, festem Schuhwerk fahren. Stöckelschuhe und Flip-Flops sind tabu – Abrutschgefahr. 2. Sitz richtig einstellen, sonst droht erhöhte Bruchgefahr. Wenn man die Hände oben auf das Lenkrad legt, sollten die Arme leicht gebeugt sein. Die Beine müssen bei durchgetretenen Pedalen leicht gebeugt sein.
3. Zwischen Nase und Lenkrad etwa 35 bis 40 Zentimeter Platz lassen. Das Lenkrad in Position "viertel vor drei" (2:45 Uhr) greifen. Darauf achten, dass die Daumen das Lenkrad nicht umschließen, sondern auf ihm aufliegen.
4. Der Gurt ist Lebensretter Nummer eins. Er sollte auch bei kurzen Strecken und geringer Geschwindigkeit straff gespannt sein.
5. Keine Angst vorm sogenannten "Büffeltritt"! Im Gefahrenfall mit voller Kraft in die Eisen gehen und nicht wieder loslassen. Besonders bei nasser Fahrbahn droht sonst Kipp- oder Schleuder-Gefahr.
6. Richtigen Abstand einhalten. Bei 50 km/h im Stadtverkehr sind das drei Pkw-Längen oder 15 Meter.
7. Richtige Geschwindigkeit einhalten. Beispiel: Bei 30 km/h benötigt man neun Meter Reaktionsweg, um rechtzeitig zu stoppen. Bei 40 km/h sind es schon zwölf Meter.
Wie, Wo, Wann
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) bietet auf seinem Trainingsgelände Teach & Drive in Lengede Fahrsicherheitskurse für Oldtimer an. Das Tagestraining läuft von zehn bis 17 Uhr und kostet 102 Euro. Termine nach Absprache. Infos beim AvD unter karin.zoeller@avd.de sowie beim Verein Profi-Initiative Fahrlehrer e.V., Lise-Meitner-Straße 2, 38268 Lengede/ Broistedt, Tel. 05344-261525.Anzeige
