Ferrari Mondial Quattrovalvole

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Ferrari Mondial Quattrovalvole

— 04.07.2014

Rasanter Romantiker aus Maranello

Die Italo-Fans tun sich schwer mit dem Mondial, weshalb der Pininfarina-Keil zu den wenigen bezahlbaren Ferrari-Klassikern gehört. Als Quattrovalvole zeigt er sein Temperament.

Seine irritierende Form ist bis heute das größte Problem des Ferrari Mondial. Und so will es der ironische Humor des Schicksals, dass der unterbewertete Viersitzer-Ferrari der achtziger Jahre seine fünf Minuten Ruhm in den Händen eines blinden Mannes hatte. In der Tragikomödie „Der Duft der Frauen“ plant der zynische Ex-Colonel Frank Slade seinen Suizid, will vorher aber noch mal den besten Seiten des Lebens frönen: eine 45er abfeuern, schöne Frauen an ihrem Parfüm erkennen uuund – Ferrari fahren! Seine Probefahrt im roten Mondial t Cabriolet endet mangels Sehvermögen als Chaostour im Blaulicht-Desaster.

Ein viersitziges Cabriolet baut Ferrari nie wieder. Mondial Coupé und Cabrio fliegen Ende 1993 ersatzlos aus dem Programm.

©G. v. Sternenfels

Mondials persönliches Drama beginnt früher: mit seiner Konzeption als Familienmodell im Ferrari-Stall. Es hätte sicher nichts Schändliches, dass er prima dazu taugt, den Nachwuchs komfortabel zum Tennisunterricht zu kutschieren – wenn er kein Ferrari wäre. So aber überschatten Zweifel an seiner Reinrassigkeit das dicke Nutzwert-Plus. Zumal Pininfarina den Mondial scheinbar auf die Streckbank packen musste, um vor der Hinterachse Platz für Motor und Rücksitze zu schaffen. Das Ergebnis ist ein in die Länge gezogener Türkeil mit ziemlich langem Radstand. Das billige schwarze Stoßstangenplastik der frühen Jahre, Türgriffe vom Alfa Spider und eine Persenning von der Eleganz eines zusammengefallenen Zweimannzeltes machen es nicht besser.
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Der Mondial ist besser als sein Ruf

Pininfarina rückte die Windschutzscheibe beim Ferrari Mondial ganz weit nach vorn.

©G. v. Sternenfels

Die Klassiker-Karriere des Mondial, für dessen Neupreis es einst sechseinhalb Fiat Regata Diesel gegeben hätte, kommt einfach nicht voran. Eine heiße Gelegenheit für alle, die schon immer einen Ferrari wollten, bisher aber weder sechs Richtige im Lotto noch lukrative Geschäftsideen hatten. Denn es stimmt: Der Mondial ist besser als sein Ruf. Zeit, das zu erfahren. Also Sprit in die Adern pumpen und den quer eingebauten 2,9-Liter-V8-Motor wecken. Schnell wird klar, dass das Komfortmodell die Herrenfahrer-Tradition der Marke pflegt. Denn servofreies Rangieren mit dem Mondial geht, wie das Durchtreten der schwergängigen Kupplung, als Muskelaufbautraining durch. Wo sich der Mondial zu Hause fühlt? Am ehesten auf einer leeren Strada provinciale. In laaanggezogenen Kurven ist der perfekt ausbalancierte Ferrari in seinem Element, denn für die Hatz über die Autostrada ist der fünfte Gang viel zu kurz übersetzt. Außerdem pfeift der Wind ab 160 Sachen ohrenbetäubend ums Verdeck. Also lieber cruisen und genießen. Dann stört auch der fehlende Seitenhalt der Sitze nicht so. Und es bleibt mehr Zeit, um den Duft des roten Leders zu genießen.
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Zeit dem Mondial eine Chance zu geben

Kastiges Cockpit, sündig-rotes Leder und überraschend bequeme Sessel – so lässt sich der Sommer aushalten.

©G. v. Sternenfels

An Biss fehlt es dem Quattrovalvole nicht. Denn während der Ur-Mondial mit 214 PS und zwei Ventilen pro Zylinder auskommen muss, erfüllt der Vierventiler mit seinen 240 PS die Erwartungen an einen Ferrari schon besser. Okay, auch er verliert heute gegen halbstarke Typen vom Schlage eines Golf GTI. Heißt auf dem Papier: 7,4 gegen 6,5 Sekunden beim Sprint von null auf 100 und 240 gegen 246 km/h Spitze. Doch verraten Zahlen wirklich alles? Wenn der Leichtmetallmotor mit seinen vier Nockenwellen loslegt, die Bosch K-Jetronic Sprit in die acht Brennräume schießt und sich die Nadel des Drehzahlmessers der 80 nähert, dann klingt der QV, wie ein Ferrari klingen muss. Und die Rennsport-Gene? Hatte auch ein Testarossa nicht wirklich. Zeit, dem Mondial eine Chance zu geben? Unbedingt! Lassen Sie sich also bitte nicht irritieren.

Technische Daten

Der quer eingebaute Leichtmetall-V8 des QV klemmt vor der Hinterachse und ist ein alter Bekannter aus dem Ferrari 308.

©G. v. Sternenfels

Ferrari Mondial Quattrovalvole Motor: V8, Mitte quer, mit Getriebe und Differenzial verblockt • vier obenliegende Nockenwellen, Antrieb über Zahnriemen, vier Ventile pro Zylinder, mechanische Benzineinspritzung Bosch K-Jetronic • Hubraum 2927 ccm • Leistung 176 kW (240 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment 260 Nm bei 5000/min Antrieb/Fahrwerk: Fünfgang-Schaltgetriebe • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung vorn und hinten, Trapez-Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator, hydraulische Teleskopstoßdämpfer • Reifen 240/55 VR 390 TRX (Michelin) Maße: Radstand 2650 mm • L/B/H 4580/1790/1260 mm • Leergewicht 1490 kg • Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 7,4 s • Spitze 240 km/h • Verbrauch 15,8 l S pro 100 km • Tank 87 l • Neupreis: 119.400 Mark (Mondial QV Cabriolet, 1985).

Historie

Die Ära der V8-Sportler mit Mittelmotor und Notsitzen im Fond dauert bei Ferrari fast zwei Jahrzehnte. Sie beginnt 1974 mit dem von Bertone gestylten Dino 308 GT 4 und endet 1993, als die letzten Mondial die Fabrik in Maranello verlassen. Ihre Geschichte lässt sich indes noch weiter zurückverfolgen: Bereits Ende der 60er-Jahre verdreht der unfassbar schöne Dino 206 GT den Ferraristi die Köpfe. Als erster "kleiner" Ferrari darf der Beau mit Leichtmetallkarosserie und V6-Mittelmotor als indirekter Wegbereiter der Mondial-Familie gelten. Als der Mondial 8 im Jahr 1980 auf dem Genfer Salon debütiert, irritieren Aussehen und Leistung: 214 PS sind schon damals wenig für einen Ferrari. So entstehen nur 708 Mondial 8, bevor Ferrari 1982 den Vierventiler mit 240 PS nachschiebt, von dem es erstmals auch ein Cabrio gibt. Stückzahl: 1774. Im Spätsommer 1985 legt der Mondial an Hubraum zu, es entstehen 1797 Mondial 3.2 als Coupé und Cabriolet. Im Jahr 1989 folgt das Finale mit dem komplett überarbeiteten Mondial t ("transversale"), der den 300 PS starken V8 des neuen 348 tb nicht quer, sondern längs hinter den Sitzen trägt. Stückzahl: circa 1850.

Plus/Minus

Wie bei allen Ferrari entscheidet auch beim Mondial nicht die Typwahl, sondern die Pflege des Vorbesitzers über Glück oder Verderben.

©G. v. Sternenfels

Der Mondial ist dank werksoriginaler Dinol-Versiegelung wenig anfällig für Rost. Die aus den 308 und 328 bekannten Ferrari-V8-Motoren taugen bei penibler Wartung und sorgfältigem Warmfahren für hohe Laufleistungen. Allerdings landete der Grabbeltisch-Ferrari zu oft in den Händen von Besitzern, die zuallererst an der regelmäßigen Wartung beim Spezialisten sparten. Kein Wunder: Service und Reparaturen kosten gesalzene Ferrari-Preise. Wir empfehlen deshalb die alte Faustregel: zusätzlich ein Drittel des Kaufpreises für eventuelle Werkstattbesuche weglegen. Ein kratzendes Getriebe sollte Misstrauen erwecken – Stichwort: Synchronringe. Unbedingt auf versteckte Unfallschäden, kaputt gestandene Bremsen, ermüdete Fahrwerkbuchsen, schlappe Fensterhebermotoren und Reparaturpfusch aller Art achten. Beim Cabrio ist der Verdeckmechanismus zu checken.

Ersatzteile

Die Beschaffung von Technikteilen für den Mondial bereitet in der Regel wenig Sorgen. Auszug aus der Preisliste von Fa. Eberlein in Kassel: Tausch der Kupplung inkl. Drucklager 1450 Euro, Tausch der Wasserpumpe 650 Euro (je einschließlich Arbeitslohn). Wie für andere Ferrari der 80er werden auch für den Mondial so langsam Karosserie- und Interieurteile sowie Komponenten für die Bosch K-Jetronic knapp. Viele Preise schwanken deshalb je nach Verfügbarkeit. Nicht immer zu bekommen sind außerdem die TR XReifen des Mondial, die Michelin nur in unregelmäßigen Abständen nachproduziert.

Marktlage

Das Angebot ist groß, beginnt beim fahrbereiten Mondial 8 mit lückenhafter Historie für unter 20.000 Euro und endet beim scheckheftgepflegten Mondial tb Cabriolet, Baujahr 1993, aus monegassischem Erstbesitz für rund 40.000 Euro. Sogar Farbwünsche lassen sich verwirklichen – wenn es mal nicht Rot sein muss.

Empfehlung

Bei allen Ferrari "aufsteigendes Pferdchen" entscheidet nicht die Typwahl, sondern die Pflege des Vorbesitzers (belegt durch ein sauber geführtes Serviceheft) über Glück oder Verderben. Grundsätzlich gilt: Mondial 3.2 und Mondial t sind aufgrund ihres stimmigeren Äußeren und potenterer Motoren zwar teurer, haben aber auch die bessere Wertprognose.

Autor: Lukas Hambrecht

Fotos: G. v. Sternenfels

Stichworte:

Cabrio V8

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