Festival of Speed 2016: Oldies auf sattem Grün

Festival of Speed 2016 in Goodwood

— 25.06.2016

Traum-Lambos auf englischem Grün

Gartenparty mit Auto-Legenden: Luxus-Klassiker, Sportwagen und Racer spielen die tragende Rolle beim Festival of Speed in Goodwood. Ortstermin!

Miiii-juuummm! Beim Hillclimb von Goodwood, dröhnen, kreischen, brüllen die Motoren historischer Renner wie auch aktueller Sportwagen, gequälte Reifen quietschen. Während der Lärm im Hintergrund die Luft durchfräst, geht es auf der Wiese der Schönheit, gleich hinter dem Anwesen des Lords von Goodwood, eher still zu. Nach Gruppen geordnet, aber wild über das Grün verteilt, warten knapp 50 blankpolierte Superklassiker auf Besucher des Festivals of Speed 2016.

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Autofest der Gegensätze

Das Biest von Turin: Fiat S76 von 1911!

Goodwood ist ein Festival der krassen Gegensätze, wo unersetzliche Oldies genauso die gut 1,8 Kilometer den Hill hinauf gescheucht werden wie millionenteure Supercars. Die meisten Fahrer beherzigen das FOS-Motto 2016 "Vollgas, das ewige Streben nach Leistung", wenige schonen ihr Material. Die einzigartige Atmosphäre aus Rennsport-Event, Autoshow und Gartenparty lockt Enthusiasten aus aller Welt an. Seit 1993 ziehen Rennwagen von alt bis neu, vom Zwölfzylinder bis zum surrenden Elektro-Flitzer hier drei Tage eine Auto-Show ab. Beim FOS bekommen jährlich rund 200.000 Besucher ihre mobilen Träume zu Gesicht, und können sie mit allen Sinnen erleben. Rund 600 exklusive Wagen, jeder auf seine Art besonders, sind zu sehen, zu riechen und vor allem zu hören.

Goodwood Festival of Speed 2015: Highlights

50 Jahre Lamborghini Miura

Für Oldiefreunde ist aber nicht die Rennstrecke, sondern die Wiese der außergewöhnlichen Klassiker das heimliche Zentrum von Goodwood. Der erste Schritt über den Rasen führt zum giftgrünen Lamborghini Miura, ein wiederkehrender Gast in Goodwood, und das nicht ohne Grund. Schließlich schufen die Italiener mit dem Miura das erste echte Supercar. Dieses Jahr feiert der Kampfstier sein 50-jähriges Jubiläum. Schlangenfies schaut die flache Flunder, dieses Exemplar stammt von 1971, übers Festivalgelände. Sie ist umringt von fünf Artgenossen gleicher Herkunft, vom gelben Countach Periscopo bis zum Diablo in Violett-metallic. Alle Autos sind auf ihre Weise eine Provokation auf vier Rädern, der Diablo das reinste Augengift, aber wie bestechend!

Sieben Tops von Goodwood und ein Verriss

Betörende Alpine-Flottille

Offen, schnell und blau: Alpine A110 Cabriolet.

Besonders betört eine Alpine-Flottille gleich nebenan: sechs klassische Franzosenrenner, vom Prototypen Le Marquis von 1954 bis zur letzten Ausbaustufe, der Alpine Berlinette, gebaut 1977. Allein die keilförmige Studie, die der Pariser Teenager Denis Merignac 1969 erdachte, lässt schon Münder offen stehen. Der Wagen wurde mit Hilfe von Renault gebaut und 1977 in Genf präsentiert, ein Flügeltür-Traum in dunkelblau. Goodwood wird zum Alpine-Fest zum Hintenüberkippen, und erst die Farben! Vom seltenen Hellgrünmetallic über Hellblau- und Dunkelblaumetallic bis zu Knallgelb mit grünen Streifen reicht das Farbspektrum der Alpines. Warum die letztgenannte Alpine die brasilianischen Nationalfarben trägt? Auch in Brasilien wurde die schöne Französin eine Zeitlang in Lizenz gebaut,  von Willys Overland, dem Jeepbauer. Auch der Blick nach vorn gehört in Goodwood dazu: die Alpine Vision 2016, Prototyp des neuen Modells, steht auch hier. Zur Riege der Superklassiker steuert auch Gastgeber Lord March einen Wagen bei: das bildschöne Lancia Aurelia B20 Coupé gehört dem Earl of Goodwood selbst.

Schönheiten in Gummistiefeln

Bei vielen der Blechschönheiten sind die Scheiben von innen beschlagen, hinter Scheinwerferabdeckungen aus Plexiglas kondensiert Wasser. Kein Wunder, noch am Vorabend des kurz FOS genannten Festivals öffnet der Himmel alle Schleusen, knapp entgeht Goodwood am Eröffnungstag einer Schlammschlacht. Immerhin: pünktlich zum Beginn des legendären Oldie- und Rennfestivals im Süden Englands verziehen sich die Regenwolken. Doch auf Wegen und Wiesen quillt der Schlamm unter den Schuhen hervor. Gut gewappnet tragen viele Besucher Gummistiefel. Nach dem Modeverständnis vieler junger Frauen  passen die Gummitreter auch zum kurzen Rock. So schlendern sie, oft am Arm eines angegrauten Gentlemans, über den englischen Rasen von Goodwood. Die Wetterfrösche sagen weitere Schauer voraus.

Feiern zu 100 Jahren BMW

Drei BMW schmücken die Auto-Skulptur vom FOS 2016.

Vor dem Goodwood House, dem Anwesen von Lord March, ragt eine wilde Auto-Skulptur gut 30 Meter in die Luft, dieses Jahr gestaltet von BMW. Strahlenförmig zielen Stahlarme in alle Richtungen, mit drei an den Spitzen angebrachten Renn-BMW markiert der Hersteller sein 100-jähriges Jubiläum. Der in den Himmel strebende 328 symbolisiert den Startpunkt der spektakulären Renn- und Modellgeschichte. Die wichtigsten Autos, die davon erzählen, hat BMW mitgebracht. Ob M1 oder den legendären BMW 2002 turbo und auch das M-Modell des BMW 535i (E28) in Braunmetallic. Es sind natürlich noch viel mehr!

Red Arrows zeigen Farbe am Himmel

Am Himmel zeigen die Red Arrows die britischen Farben.

In der Luft durchschneiden mittags die Kunstflieger der Royal Air Force den Himmel über Goodwood. Viele Zuschauer schauen nicht mal hoch zu den Red Arrows, zu attraktiv sind die Blechschönheiten am Boden. Zu denen auch die zwei BMW-Art-Cars von gehören, die hinter Glas im Innenhof des Anwesens stehen. Der legendäre, von Roy Lichtenstein gestaltete 3er (E21), hier in Goodwood? Klar. Von der Kunst zum Konzeptauto: Beim Rennen auf den Hill nimmt auch der BMW 2002 Hommage teil. Allerdings mit einer Einschränkung: "Ich fahre nicht auf Zeit", sagt dessen Pilot, Wolfgang Sauer von BMW-Design, gegenüber AUTO BILD vor dem Einbiegen auf die Rennstrecke. Schließlich fährt der Goodwood-Kenner ein Auto, das auch sensationsgewohnte Goodwood-Ordner zum Tuscheln bringt. Die Fahrt beim Hillclimb von Goodwood ist für jedes Fahrzeug eine Auszeichnung, für jeden Fahrer eine Ehre.

Ford im Vollgas-Modus

Der neue Ford GT schießt beim Hillclimb in Goodwood über die Rennstrecke.

Ganz im Rennmodus werden die potenten Ford Le Mans GTs bewegt, die wie der Renn-Pick-up "Racing Raptor" beim Hillclimb über die Strecke gescheucht werden. In letzterem sitzt Ben Collins, einst der "Stig" aus der TV-Sendung "Top Gear". Dort war er nur grimmig, wortlos und unerkannt in Rennhelm und weißem Overall zu sehen, hier zeigt sich ein gerne lachender, freundlicher Mann. Auch dieses Jahr in Goodwood zieht Driftkönig Ken Block, diesmal im Ford Focus RSRX schwarze Spuren über den Asphalt. Genau die versucht der Fahrer des roten Fiat S76 von 1911 mit dem markanten, schmalen wie hohem Aufbau zu vermeiden. Das "Biest von Turin" ist eines der ältesten Rennmobile auf dem Festival. Alt wie neu verkörpern die Faszination, die von dem Autospektakel in Goodwood ausgeht, Motorräder, Rallyeboliden, Luxusschlitten, Formel-Wagen aller Epochen, Protoypen, Rennversionen. Sie alle feiern ihr Festival of Speed, das große Fest der Geschwindigkeit. Ein Autofest der Superlative.

Festival of Speed 2016: Oldies auf sattem Grün

Fotos: Matthias Brügge

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Goodwood

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