Fiat 2100 Special
— 12.02.2013
La macchina graziosa
Wahrlich grazös gab sich vor 50 Jahren der Oberklasse-Fiat 2100 Special. Mit ihm gingen die Turiner bei uns im Mercedes-Land auf Kundenfang. Der 2100 bot Luxus, Geräumigkeit und einen agilen Sechszylinder – und bei uns auch eine Extraportion Exotik.
Dante war’s. Nein, nicht der berühmte Verfasser der "Göttlichen Komödie". Dante Giacosa ist gemeint, Fiat-Entwickler von 1926 bis 1970, dem wir Autolegenden wie
Topolino,
Nuova 500, 1100,
124 und
130 verdanken. Ein genialer Konstrukteur – und stilsicherer Entscheider: Giacosa verantwortete die hochmoderne Trapezform für die große Baureihe 1800/2100. Die mit ihren Kanten auch den Vatikan in Versuchung führte: Der 2100 Special brachte es zum Dienstwagen der römischen Kurie.
Schlanke Limousine mit stylisher Optik und einer irrwitzigen Menge an Chrom: Fiat 2100 Special.
© T. Bader
Kein Wunder, der Luxus-Fiat lieferte alles, was ein Chefwagen der frühen 60er-Jahre brauchte: seriöse Optik, viel Platz auch im Fond, einen entspannten Sechszylinder (mit immerhin 86 PS) und Chrom, wohin das Auge blickt. Besonders hell strahlt die Front des
Fiat, denn am Kühler betonen dicke Chrombalken die Waagerechte und lassen die Karosserie breiter erscheinen als sie ist. Das hat der Fiat auch nötig, denn zum pompösen
Opel Kapitän P fehlen ihm stattliche 18 Breiten-Zentimeter, zum schlankeren
Borgward P 100 auch schon zwölf. Innen größer zu wirken, als außen zu sein, das war schon immer die Devise der Turiner Entwickler. Dazu noch originelle und fortschrittliche Technik: halbkugelförmige Motor-Brennräume. Mit der Hand regulierbare Zündverstellung (falls mal nur Klingelwasser-Sprit erhältlich ist). Ein Heckscheiben-Defrostergebläse, Vorläufer der heizbaren Scheibe. Und später beim 2300 Scheibenbremsen rundum.
Welche Pracht: große Blinkerpfeile links und rechts, Informationsflut durch viele Instrumente und sogar einen Tageskilometerzähler hat der Fiat 2100 Spezial.
© T. Bader
Nun endlich am links liegenden Zündschloss gedreht: Sirrend, als hätte er eine Ausgleichswelle, kommt der Reihensechser auf Touren. Der lange Schalthebel landet präzise immer im richtigen Gang. Wer es sportivo mag, der kann die Gänge unter lautem Dröhnen bis zu den erlaubten 45/75/105 km/h ausdrehen, wird dann aber mit Verbrauchswerten von weit über 13 Liter Super bestraft. Und Vorsicht: Bereits in den sechziger Jahren warnten Autotester vor den rubbelnden Bremsen und der direkten, aber sagenhaft schwergängigen Lenkung. Seltenes Altmetall wie diese Fiat-Preziose (nur 1174 Special-Exemplare wurden gebaut) verdient zarte Behandlung, obwohl das Temperament dagegen spricht. Doch die gediegene Fahrweise passt zur Vollausstattung von damals: Es gab ein Autovox-Radio (Aufpreis damals: 420 Mark), Weißwandreifen (120 Mark) und echtes Leder (1100 Mark). Wie sagte einst Immanuel Kant: Nichts ist göttlich, als was vernünftig ist. Dante hätte weise geantwortet, dass ein bisschen Überfluss ja nicht schadet.
| Fahrzeugdaten |
Fiat 2100 Special |
| Motor |
Reihensechszylinder |
| Ventile/Nockenwellen |
12/1 |
| Nockenwellenantrieb |
Kette |
| Hubraum |
2045 ccm |
| Bohrung x Hub |
77,0 x 73,5 mm |
| kW (PS) bei U/min |
63 (86)/5000 |
| Nm bei U/min |
144/3000 |
| Höchstgeschwindigkeit |
150 km/h |
| Getriebe |
Viergang manuell |
| Antrieb |
Hinterrad |
| Bremsen vorn/hinten |
Trommel/Trommel |
| Testwagenbereifung |
6.40 R 14 |
| Verbrauch (Werksangabe) |
14,5 l |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
60 l/Super |
| zulässiges Gesamtgewicht |
1545 kg |
| Vorbeifahrgeräusch |
73 dB (A) |
| Abgas CO2 (nach Werksverbrauch) |
480 g/km |
| Messwerte |
| Leergewicht/Zuladung |
1268/277 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten |
53/47 % |
| Wendekreis (links/rechts) |
11,8/11,7 m |
| Testverbrauch - Co2 |
12,4 l - 294 g/km |
| Reichweite |
480 km |
| Kosten |
| Steuern pro Jahr |
191 Euro |
| Versicherung (HPF/100 Prozent) |
68 Euro |
| Werkstattintervalle |
5.000 km |
| Zeitwert (Zustand 2, Stand 2013) |
15.100 Euro |
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