Fiat 500 D

— 23.03.2009

Ein Luftikus zum Liebhaben

Klein, kleiner, Fiat 500, das minimale Auto mit dem maximalen Liebhaber-Faktor. Der kleine Fiat hat nicht nur das Talent, Frauenherzen zu brechen, er überzeugt auch mit zahlreichen handfesten Qualitäten.
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Von Diether Rodatz Als der Fiat 500 anno 1957 bei uns auf den Markt kam, traf er auf Konkurrenten, die eigentlich keine waren. Neben der asketisch ausgestatteten Isetta oder dem zweitakt-dröhnenden Goggomobil war der Nuova 500 die schönste Versuchung, von überfüllten Straßenbahnen und zugigen Zweirädern auf komfortable vier Räder umzusteigen. Denn er kostete weniger und leistete mehr. Seine Zwölf-Volt-Anlage mit richtigem Anlasser (die Konkurrenz setzte zumeist noch auf Starter-Lichtmaschinen) ließ ihn auch nach teutonisch kalten Nächten munter anspringen, seine erstaunlich kräftige Heizung schockte nie mit dem rauchigen Atem ölundichter Käfer-Motoren, war aber ebenso haltbar und pflegeleicht. In seiner Riemenscheibe steckte sogar ein Öl-Schleuderfilter, in dem sich größere Schmutzpartikel sammelten.
Der Nuova 500 bot mehr und kostete weniger als die Konkurrenz
Bis 1965 trug der Fiat 500 Selbstmördertüren. Nicht nur dieses Detail macht frühe Fiat 500 heute besonders attraktiv.
Bis 1965 trug der Fiat 500 Selbstmördertüren. Nicht nur dieses Detail macht frühe Fiat 500 heute besonders attraktiv.
Okay, die ersten Nuova 500 besaßen noch keine Kurbelfenster. Die ließen sich zwar nachrüsten, aber bei dem zugigen Rolldach hat sie kaum einer vermisst. Das Flatterdach wiederum schrumpfte schon ein Jahr später für die Luxus-Version zugunsten eines hinteren Glasfensters. Überhaupt: Modellpflege wurde beim kleinen Fiat ganz großgeschrieben. Liegesitze gab es später und sogar schon eine Scheibenwaschanlage. Glitzerndes Chrom adelte die teureren Modelle. Die Motoren erstarkten in der 18-jährigen Bauzeit von 13,5 auf 18 PS, zwischendurch gab es auch mal einen "Sport" mit 21,5 PS. In den letzten drei Baujahren orgelte hinten der gedrosselte Motor des Fiat 126. Versionen mit 23 PS sind heute also nicht selten anzutreffen. 
Kosten pro Jahr
Steuer 126 Euro
Versicherung 78 Euro
Benzin 386 Euro
0,08 Euro pro Kilometer
Berechnungsgrundlagen: 7000 km pro Jahr, Oldtimer-Versicherung, H-Kennzeichen lohnt finanziell nicht

Das richtige Auto zur richtigen Zeit
Zahlreiche Fiat 500 D hatten bereits ab Werk ein Faltdach oder wurden nachträglich umgerüstet.
Zahlreiche Fiat 500 D hatten bereits ab Werk ein Faltdach oder wurden nachträglich umgerüstet.
Doch schon die frühen 13,5 PS reichten damals einem beherzten und schaltfreudigen Piloten, den Dreimeter-Zwerg fast wie einen Gokart zu bewegen, in der Stadt wieselflink jede Lücke ausnutzend, um an der nächsten Ampel die kleine Nase wieder vorn zu haben. Mit dem Sportcoupé-Kürzel "2+2-Sitzer" ist das Raumangebot denn auch treffend beschrieben: Platz ist in der kleinen Hütte nur für Eltern und zwei Bambini. Die ihre Habe in die winzige Ablage vorn neben dem 21-Liter-Tank stopfen können. Aber im Urlaub ging es 1957 ja auch eher nach Cuxhaven denn gen Cesenatico, außerdem betrug die erlaubte Zuladung sowieso nur 210 Kilogramm. Der Fiat-Zwerg war das richtige Auto zur richtigen Zeit. Damals war er erreichbar, heute kostet es ein Lächeln, ihn am Laufen zu halten. Nur der mittlerweile saftige Kaufpreis gepflegter 500er tut dann doch ein bisschen weh.
Technische Daten Fiat 500 D
Motor Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, luftgekühlt, im Heck eingebaut
Ventile Zwei pro Zylinder
Hubraum 499,5 cm³
Leistung 13 kW (17,5 PS) bei 4400/min
max. Drehmoment 36 Nm bei 3500/min
Antrieb Hinterrad
Getriebe Viergang-Schaltgetriebe
Reifen 125 x 12
Länge/Breite/Höhe 2970/1322/1325 mm
Leergewicht 500 kg
Tankinhalt 21 Liter
Verbrauch 4,8 Liter Normal/100 km
Höchstgeschwindigkeit 95 km/h
Neupreis 1961 3190 Mark
Wert 2009 in Zustand 1 rund 11.400 Euro
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Plus/Minus
Kleiner, feiner Wagen, der nicht nur bei Damen jeden Alters Beschützerinstinkte weckt. Idealer Stadtflitzer mit niedrigen Unterhaltskosten und verblüffend guten Bremsen. Doch Vorsicht beim Kauf! Frisch lackierte 500 ohne präzisen Restaurierungs-Nachweis bestehen fast immer mehr aus Spachtel als aus Blech. Laien sollten deshalb vor dem Kauf immer einen Fachmann zu Rate ziehen. Oder einen Unrestaurierten kaufen, die Teilebeschaffung ist im Prinzip kein Problem. Der zweite Minuspunkt heißt Sicherheit. Der 500 ist naturgemäß simpel und leicht. Die Knautschzone vorn besteht aus Batterie und Tank, hinten aus Motor, seitlich aus Dünnblech.
Ersatzteile
Der 500 ist ein äußerst reparaturfreundliches Auto, den Motor hebt ein kräftiger Mann fast allein raus und repariert ihn auf dem Küchentisch. Blechteile der frühen 500er mit hinten angeschlagenen Türen sind schwierig zu bekommen, ebenso der Blechbereich um die Batterie herum. Denn dort ist bei allen Modellen fast immer Rost zu finden. Sonst aber kümmert sich eine große Fangemeinde rührend um die Ersatzteilversorgung.
Marktlage
Der Zweizylinder im Heck des Fiat 500 leistet tapfere 17,5 PS und gibt sich mit weniger als fünf Litern zufrieden.
Der Zweizylinder im Heck des Fiat 500 leistet tapfere 17,5 PS und gibt sich mit weniger als fünf Litern zufrieden.
Gut erhaltene 500 sind knapp, eine Reise nach Italien hilft nur manchmal. Denn das Land ist leergekauft, die Preise bewegen sich auf hiesigem Niveau und darüber. Ganz rar sind die Kombimodelle Giardiniera, deren Ersatzteilversorgung ist prekär. Mit Geduld lässt sich für jeden Geschmack etwas finden, die Preise für Spitzenmodelle sind aber allesamt schon fünfstellig. Ein später Fiat 500 aus den 70ern sollte sich in gutem Zustand allerdings für 7000 bis 8000 Euro beschaffen lassen.
Empfehlung
Bei den 500 R (1972 bis 1975) kann das R auch für Rost stehen, also besondere Vorsicht walten lassen. 500 F und L stellen immer noch die Masse des Angebots, frühe Nuova sind extrem selten geworden. Vorsicht bei getunten Modellen. Für Raritätensammler interessant sind die österreichischen Steyr-Puch-Vettern mit Zweizylinder-Boxermotoren von 16 bis 40 (!) PS. Für solche Raritäten werden teilweise schon weit über 20.000 Euro verlangt.
Historie
1957: Präsentation des Fiat Nuova 500 als Nachfolger des 1955 zuvor eingestellten 500 C (Topolino), im gleichen Jahr Anhebung der Leistung von 13,5 auf 15 PS.
1959: Leistungsanhebung auf 16,5 PS. Von 1958 bis 1960 Leistung 21,5 PS, danach wieder 17,5.
1960: Vorstellung der Kombi-Version "Giardiniera" mit 17,5 PS.
1965: Vorstellung des Typ F mit 18 PS, Türen sind nun vorn angeschlagen.
1968: Präsentation des 500 L mit zusätzlichen Chrombügeln und Zierleisten.
1972: Vorstellung des 500 R mit Motor des zeitgleich präsentierten Nachfolgers Fiat 126.
1975: Produktionsende der Limousine.
1977: Produktionsende des 500 Giardiniera. Produktionszahl aller Varianten: 3.702.078 Fahrzeuge.
Weitere Klassiker für Knauserer:
BMW 1802
Audi 100 LS

Porsche 924
VW Golf I
Citroën 2 CV 6
Mercedes 200 D
Opel Kadett B 1100
VW 1200 A
BMW 525e
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