Ford 17M P3 im Klassik-Test

Ford 17M P3 Ford 17M P3

Ford 17M P3 im Klassik-Test

— 15.06.2011

Glatte Schale, weicher Kern

Der Ford 17M P3 war seiner Zeit voraus, doch seine Nachfolger verfielen ab Ende der 60er-Jahre wieder dem US-Bombast. Wie schlägt sich die "Badewanne" nach heutigen Maßstäben?

Bei Ford Köln leiden sie Ende der 50er-Jahre unter einem Mutter-Komplex. Die Chefs in Detroit drücken den Formgestaltern am Rhein mit dem ersten 17M ("Barock-Taunus“) von 1957 ihr schwülstiges Ami-Design aufs Auge. Die anfangs manierlichen Verkaufszahlen rasen rasch in den Keller. Doch im September 1960 findet Ford zur "Linie der Vernunft" – so nennt es die Werbung. Und die Verkaufszahlen rasen nach oben. Was ist passiert? Der gerade mal 30-jährige Designer Uwe Bahnsen hat sein erstes Meisterstück abgeliefert, die für damalige Zeiten sensationell glattflächige Form des 17M P3. Der Volksmund tauft ihn "Badewanne". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" urteilt: "Nach diesem Auto drehen sich alle um."
Deutsche Mittelklasse der 60er
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Wenig Komfort bietet die blattgefederte Starrachse, die Bremsen brauchen viel Platz.

Auch innen zeigen die Bahnsen-Buben Wagemut. Unter der mutig gebogenen Frontscheibe – damals ein Schrecken der Autoglaser – erstreckt sich eine elegant gezeichnete Armaturentafel mit geschickt integrierten Drucktasten für Wischer, Licht und Zigarettenanzünder. Ein Fensterchen in der Tachonadel zeigt plakativ Grün bis Tempo 50, dann Gelb, und ab 100 km/h warnt es mit Rot. Die Farbe bekommen Ford-Fahrer oft zu sehen. Denn der 55-PS-Vierzylinder macht den Neuen 136 km/h schnell. Sein Vierzylinder röchelt im Stadtverkehr nur halb so laut wie ein Opel Rekord, lässt uns jedoch noch heute gut mithalten. Okay, die blattgefederte Starrachse vollbringt keine Komfort-Wunder, und über die Bremswege wollen wir lieber erst am Ende reden. Aber komfortabel ist die Wunder-Wanne noch immer: weiche Sitze, softe Federung, ein Lenkrad-Schalthebel ohne jede Hakeligkeit. So viel US-Flair blieb dem 17M dann doch.

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Fahrzeugdaten Ford 17M P3
Motor Vierzylinder, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Zahnräder
Hubraum 1487 ccm
kW (PS) bei U/min 40 (55)/4250
Nm bei U/min 111/2400
Höchstgeschwindigkeit 136 km/h
Getriebe Viergang, manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommeln
Testwagenbereifung 5.90 - 13 S
Radgröße 4,0 x 13“
Verbrauch (Werksangabe) 9,5 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 45 Liter/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 1340 kg
Kofferraumvolumen ca. 380 Liter
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 225 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 7,0/16,2 s
0–100 km/h 26,7 s
Elastizität 60–100/80–120 km/h 14,2/25,9 s
Bremsweg aus 100 km/h 81,1 m
Leergewicht/Zuladung 998/342 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 53/47 Prozent
Wendekreis (links/rechts) 11,5/11,6 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 69/82 dB (A)
Testverbrauch - CO2 9,9 Liter - 235 g/km
Reichweite 450 km
Kosten
Steuern pro Jahr 192 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 68 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 120/380 Euro
Zeitwert (Zustand 3, Stand 7/2011) 4800 Euro
Diether Rodatz

Diether Rodatz

Fazit

Der 17M ist heute noch eine stattliche Erscheinung, vor allem aber ein Meilenstein auf dem Weg zu besserer Aerodynamik. Biederste Technik – na und? Die stilvolle Einrichtung der "Badewanne" macht alles wett.

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