Vier Ford Mustang aus drei Generationen

Ford Mustang II 2.8 ghia Ford Mustang boss 302 Ford Mustang 2.3 LX Convertible

Ford Mustang

— 21.02.2014

Pony Cars von mild bis wild

Der Rebell unter Amerikas Autos wird 50. Wir feiern das Jubiläum des Ford Mustang mit einer Reitstunde in vier Mustang aus drei Generationen. Welcher ist der Edelste, welcher der Wildeste? Und was ist mit dem Alltags-Trab?

"Wir waren high vom Rauchen unserer eigenen Marke — einer Kombination von harter Arbeit und riesigen Träumen", schreibt Mustang-Macher Lido "Lee" Iacocca in seiner Autobiografie "Eine amerikanische Karriere". Wenn sich der Marketingqualm lichtet und wir den Werdegang des Ford Mustang nüchtern betrachten, bleibt eines: Die Jungs um Iacocca, den autoverrückten Sohn italienischer Einwanderer, hatten einen präzisen Plan. Sie wussten genau, welches Auto sich die jungen Amis der Sechziger wünschten. Fords Marktforscher hatten damals berechnet, dass sich die Zahl der 20- bis 24-jährigen Amerikaner innerhalb des Jahrzehnts verdoppeln würde. Sie wussten, dass diese neue Generation gut ausgebildet war, ordentlich verdiente — und in den Showrooms der US-Hersteller bisher kein Auto gefunden hatte, das zu ihrem Lebensgefühl passte. Die Ford-Planer fanden heraus, wie dieses Auto zu sein hatte: kraftvoll, sexy und vor allem bezahlbar.

Dass der Ford Mustang Boss so böse dreinschaut, ist Absicht: In der Trans-Am-Serie kämpfte er um die vorderen Plätze.

©C. Bittmann

Iacocca hatte es sich zum Ziel gesetzt, dass das Einstiegsmodell nicht mehr als 2400 Dollar kosten durfte. Und so stellte der Mustang bereits 1966 einen Rekord auf, den bis heute kein anderes Auto knacken konnte: Weniger als zwei Jahre nach seiner Markteinführung war bereits die erste Million verkauft. Was folgte, ist ein Sinnbild für das Schicksal der amerikanischen Autoindustrie: Eine geniale Idee verkam zur gigantischen Blase, das knackige Urpferd quoll zum "fetten Schwein" auf – O-Ton Iacocca. Es folgten Ölkrise, Downsizing, Designödnis und schließlich ein Besinnen auf alte Werte – mit einem Retro-Modell, das aussieht wie das von 1967. Geschichte schrieben sie alle – das ist vermutlich die größte Gemeinsamkeit. Oder? Zum 50. Geburtstag hat AUTO BILD Klassik vier Mustang-Modelle aus drei Generationen versammelt. Wir reiten Probe: das allseits beliebte Urmodell als Cabriolet mit speziellem Motor. Den Mustang II, von Iacocca zum "kleinen Juwel" hochgejazzt. Ein zahmes Vierzylinder-Pony aus den Neunzigern. Und den legendären Boss von 1969. Und jetzt: tiiief einatmen. Und gespannt sein, welches der Pony Cars wirklich high macht. Hüa!
Liebling der Asphalt-Cowboys: Ford Mustang GT 390 

Das richtige Pony für jeden Stall

Für diesen Vergleich haben uns der First-Mustang-Club of Germany e.V., uscars24.de und US-Car-One.com unterstützt – wir danken!

©C. Bittmann

Henry Ford II wollte den Mustang Thunderbird II nennen, der Berglöwe Cougar stand als Namensgeber auch auf der Ideenliste. Dass Ford schließlich den Namen eines Wildpferdes wählte, befriedigte männliche und weibliche Urinstinkte, klang einfach gut und begründete eine ganze Fahrzeuggattung. Wenige Automobile können von sich behaupten, derart den Lauf der Dinge verändert zu haben wie der Mustang. Unser Vergleich zeigt allerdings auch, wie die Zeit den Mustang verändert hat. Was übrigens – obwohl unsere Punktewertung es nahelegt – nicht heißt, dass er immer schlechter wurde. Nur ... ähm, anders. Das 1965er Cabrio hat uns in allen Punkten überzeugt: Es kann sowohl schnell als auch gediegen fahren, erobert auch Frauenherzen und passt in europäische Normgaragen, obwohl ihm der amerikanische Traum innewohnt. Ein Auto, das in viele Leben passt, ganz anders als der Boss 302: Der ist noch nicht so weit weg von der Ur-Idee und hätte hier sogar nach Punkten gewinnen können – wäre da nicht sein raubeiniges Wesen, das vor allem passionierte Sportfahrer in Wallung bringt. Und dann sind da noch die beiden Spätgeborenen in schillerndem Blau und unschuldigem Weiß. Obwohl unsere Punktetabelle sie auf den hinteren beiden Rängen einsortiert, konnten wir ihnen viel abgewinnen: Das 2.3 LX Cabrio zeigt hohe Alltagsqualitäten bei niedrigsten Anschaffungskosten. Was teilweise auch auf den Mustang II Ghia zutrifft, der als Klassiker sicher verkannt ist. Die Tatsache, dass er einen großen Namen beinahe karikiert, macht ihn als Oldtimer schon wieder liebenswert.
Die Punktewertung 289 cui HiPo Boss 302 2.3 LX Convertible II Ghia
Spaßfaktor
Temperament 8 10 5 7
Sound 8 10 3 4
Handling 6 8 8 4
Zwischenergebnis 22 28 16 15
Kuschelfaktor
Sitze 7 8 10 9
Federung 7 2 8 8
Platzangebot/Variabilität 8 5 7 5
Zwischenergebnis 22 15 25 22
Neidfaktor
Qualität 6 6 7 4
Design 10 8 2 5
Image 8 10 2 5
Zwischenergebnis 24 24 11 14
Gesamtergebnis 68 67 52 51

Autoren: Lukas Hambrecht, Frederik E. Scherer

Fotos: C. Bittmann

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.