Ford Taunus II 1.3 GL

Ford Taunus II 1.3 GL Ford Taunus II 1.3 GL

Ford Taunus II 1.3 GL

— 01.01.2010

Gemütlicher Schleicher

Die Kölner Kante Ford Taunus II ist seit 1976 sachlich glatt, ganz ohne prägende Knudsen-Nase. Doch unterm Bleich blieb fast alles beim Alten. Gänzlich unsportlich vor allem die Basisversion mit 55 PS schwachem 1,3-Liter.

Taunus und Eifel werden wohl nie gute Freunde. Dem Ford liegt der Ring nicht. Könnte er nicht gleich am Tor zur Grünen Hölle, im Gefälle des Hatzenbach, ordentlich Schwung sammeln, müsste er wohl auf ewig im Fegefeuer schmoren. 55 PS reichen schon im Flachland kaum, den kantigen Kölner in weniger als 20 Sekunden auf 100 km/h zu schleppen, am Berg verhungern sie. Mühsam, im zweiten Gang, schnauft der Taunus den steilen Anstieg zur Hohen Acht hinauf. Der brummige, von Natur aus zugeschnürte Vierzylinder brüllt gequält, winselt um Gnade wie eine ausgepresste Zitrone: Ich bin doch kein Star, holt mich hier raus. Entspannte Ruhe gibt die alte, gusseiserne Maschine nur in längeren Bergab-Passagen, den Flugplatz hinunter oder durch die Fuchsröhre zum tiefsten Punkt der Nordschleife, dem Breidscheid.
Einzeltests und Testergebnis
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Testergebnis
Der Fahrer lernt auf der 20,8-Kilometer-Runde immerhin die Qualitäten der leichtgängigen Lenkung und der exakten Schaltung schätzen. Allenfalls der lange Weg zwischen den Gängen zwei und drei verursacht ab und zu einen kleinen Klemmer. Ärgerlich, wenn der Taunus deshalb zu viel an Schwung verliert. Schwamm drüber. Ein Ford Taunus ist kein Eifel-Rennwagen. Als Familienkutsche konzipiert, wirft er andere Qualitäten in die Waagschale. Gemütlichen Raum für vier Reisende zum Beispiel mit einem verwinkelten, aber geräumigen Kofferabteil. Und die Kostbarkeiten der GL-Ausstattung: Der Fahrer blickt auf Echtholz-Intarsien, lenkt mit einem umschäumten Vierspeichen-Volant – das bringt ein wenig Noblesse ins bürgerliche Ambiente.

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Für wohnliche Atmosphäre im Taunus GL sorgen ein weich geschäumtes Lenkrad und Echtholz um die Armaturen.

Hinten warten einzeln ausgeformte Rücksitze auf ihre Besatzung. Federkerngepolstert, sind sie fast so bequem wie die breiten Sessel vorn. Und das ist auch gut so. Denn das einfache Starrachsfahrwerk federt nicht so gern. Auf dem rauen Pflaster der Grünen Hölle strampelt es hilflos wie ein kleines Baby, das keine Pampers mehr tragen will und deshalb Tritte verteilt. Glück fürs Taunus-Fahrgestell: In den Grenzbereich wird es vom 55-PS- Motörchen so gut wie nie getrieben. Denn hier versetzt die starre, schraubengefederte Hinterachse den Fahrer ganz gern mal ein Stück. Taunus und Eifel – das ist eben eine Kombination zum gemütlichen Wandern und nicht zum wilden Rasen.
Technische Daten Ford Taunus II 1.3 GL
Motor Bauart/Zylinder Reihenvierzylinder
Ventile/Nockenwellen 2/1
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 1285 ccm
kW (PS) bei U/min 40 (55)/5500
Nm bei U/min 90/3000
Höchstgeschwindigkeit 135 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 165/80 R 13 T
Radgröße 4,5 x 13"
Verbrauch (Werksangabe) circa 11,5 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 54 Liter/Super
zulässiges Gesamtgewicht 1430 kg
Kofferraumvolumen 485 l
Anhängelast gebremst/ungebremst 550/510 kg
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 6,3/13,5 s
0-100/-130 km/h 19,4/35,3 s
Elastizität 60-100 km/h 15,5 s
Bremsweg aus 100 km/h 52,2 m
Leergewicht/Zuladung 1011/419 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 55/45 Prozent
Wendekreis 10,4/10,6 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 67/70 dB(A)
Testverbrauch 10,8 Liter/100 km
Reichweite 500 km
Kosten
Steuern pro Jahr 192 Euro
Versicherung (HPF/100%) 79 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 120/320 Euro
Zeitwert in Zustand 3 (Stand 7/2010) 2000 Euro
Andreas Borchmann

Andreas Borchmann

Fazit

Renngene trägt der Ford Taunus keine in seinem Erbmaterial. Und das liegt nicht nur am schwachbrüstigen 55-PS-Maschinchen. Wäre der Vierzylinder stärker, würde das einfache Fahrwerk, konstruktiv aus dem Mittelalter des Automobilbaus, der Kölner Limousine schnell einen Strich durch die schnelle Rechnung machen. Aber Rennen fahren war ja nie seine Aufgabe. Viel Auto fürs Geld war die Devise. Und deshalb gab es den Taunus viertürig 1978 ab 11.995 D-Mark. Das war ein starkes Argument.

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