Ford Taunus Transit — 23.01.2012

Der Komfortable aus Köln

Drei Jahre nach dem Bulli kommt der Kölner Alleskönner auf den Markt. Sein Konstrukteur hatte vorher den VW entwickelt, doch bei Ford setzt er auf das klassische Baumuster: Motor vorn, Antrieb auf die Hinterräder.

Wie war zu Kölln es doch vordem, mit Heinzelmännchen so bequem! Balladen-Dichter August Kopisch muss im Kopf von Alfred Haesner gespukt haben. Der promovierte Ingenieur wechselt 1952 von VW zu Ford, muss in Köln eine andere Bauart (Motor vorn!) vertreten und entwickelt einen verblüffend handlichen FK 1000. FK steht übrigens für "Ford Köln", die 1000 für die Nutzlast. Erst 1961 werden die FK in Taunus Transit umbenannt. Vorteil der Bauweise: Sie spart Geld – und hinten können sich die Karosseriebauer austoben. Nachteil: Leer ist der Transporter fast unfahrbar, besonders im Winter ohne Ballast auf der Ladefläche. Schon 1955 wandert der Motor zwischen die Sitze, liegt hinter der Achse. Ford begründet das mit "mehr Beinfreiheit. Der Fahrer kann nach rechts aussteigen!"

Verblüffend wie weit vorn Ford mit seinem Transit war: Kräftiger Motor, komfortable Abstimmung und hohe Zuladung.

© U. Sonntag

Dann lobt die Pressemeldung die gute Erreichbarkeit des Motors. Und, endlich: "bessere Gewichtsverteilung"! Wer sich in unseren Taunus Transit des späten Baujahrs 1965 schwingt, der staunt erst mal über den breiten Sitz. Und findet sogar schon Längsverstellung. Auch die Neigung der Sitzlehne lässt sich anpassen, das bietet sonst nur noch der Tempo. Dennoch hielten die Kölner – wie ihre Konkurrenten – wenig von Ergonomie. Die Fahrer mussten sich den Autos anpassen, nicht umgekehrt. So muss der rechte Fuß beim Wechsel von Gas auf Bremse den Höhenunterschied eines stattlichen Maulwurfhaufens überwinden. Dafür liegen aber Schalthebel und Krückstock-Handbremse prima zur Hand. Schnell den Schlüssel gedreht – und das bisher nur zu riechende Benzin nimmt den Weg durch den Vergaser des 15M-Motors.

Rückblick: Autos der 50er-Jahre

55 PS, 105 km/h, damit qualifiziert sich der flotte Ford für die linke Spur. Und wird ein populäres Feuerwehrfahrzeug, was heute noch die Gebrauchtteileversorgung sichert. Doch die Lenkung geht schwer, der Geradeauslauf ist lausig. Längsrillen wird einem der Begriff "Diagonalreifen" klar: Sie eiern diagonal über die Piste, als sei der Fahrer betrunken. Okay, zum Torkeln neigen die anderen auch. Nur dass sie keine Kopisch-Schlusszeile haben: "Ach, dass es noch wie damals wär! Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!"
Fahrzeugdaten Transit
Motor Vierzylinder, Reihe
Hubraum 1498 ccm
Bohrung x Hub 82,0 x 70,9 mm
kW (PS) bei U/min 40 (55)/4250
Nm bei U/min 111/2400
Höchstgeschwindigkeit 105 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 6.70-15
Verbrauch (Werksangabe) 9,2 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 38 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 2400 kg
Achslast vorn/hinten 1100/1350 kg
Neupreis 6990 Mark (1965)
Messwerte
Leergewicht/Zuladung 1090/1310 kg
Wendekreis (links/rechts) 11,7/11,7 m
Innengeräusch bei 50 km/h 73 dB (A)
Testverbrauch 9,5 l
Reichweite 400 km
Kosten
Steuern pro Jahr 136 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 68 Euro
Werkstattintervalle 2.500 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 150/390 Euro
Zeitwert* (Zustand 2, Stand 01/2012) circa 12.000 Euro
* Schätzwert der Experten von "Historischer Kraftverkehr"

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