Ford Transit (1965-1970)

— 07.10.2003

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Sogar er ist ein Oldtimer: der Ford Transit Mk. I – und ein extrem seltener. Einsteigen und staunen.

Ach ja, ein alter Transit. So denken Sie vielleicht beim Überfliegen dieser Fotos, lieber Leser. Das Unterbewusstsein schaltet zu einer x-beliebigen Szene auf einer Autobahn-Raststätte: Waschmaschinen und Kühlschränke auf dem Dach, sechs schreiende Kinder und deren Großeltern im Heck, ein asthmatisch sägender V4 unter der Haube. So geht es von Aachen nach Ankara. Oder von Iserlohn nach Izmir.

Türken fahren Transit – das Klischee

Vorn spartanisch: Unser Westfalia-Modell bietet am Steuerstand nur nacktes Blech.

Vorn spartanisch: Unser Westfalia-Modell bietet am Steuerstand nur nacktes Blech.

Verklärt blättern Sie weiter. Um spätestens beim Artikel über die Golf-Generationen die Handbremse zu ziehen. Moment mal ... Ur-Transit? Rückwärtsgang rein, bis zu dieser Seite zurückrangieren, staunen: Stimmt überhaupt, seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Die Szene, die sich zuvor eingeblendet hat, liegt Jahrzehnte zurück. Türken fahren Transit – dieses Klischee ist Geschichte. Die vorsichtige Vermutung wird zur Gewissheit: der gute alte Ford-Lastesel – ein Oldtimer. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis hingegen fehlt es schlicht an Vertretern, die diesen Status rechtfertigen könnten.

Schuld am Schwund: der Nutzcharakter

Die erste Serie des Transit Mk. I (1965 bis 1970) ist fast vollständig ausgestorben, selbst sein bis 1977 gebauter Nachfolger mit dem konturierten Kühlergrill gehört zu den ganz großen Raritäten. Was noch in erwähnenswerten Stückzahlen existiert, sind Ex-Feuerwehr-Transit – Nutzfahrzeuge mit Hochdach und langem Radstand. Die meisten Pkw-Versionen indes wurden längst als Letzthand-Verbrauchtwagen ausgerottet.

Tatsächlich hatten wir noch nie zuvor derartige Schwierigkeiten, ein gut erhaltenes Fotomodell aufzutreiben. Über 70 Anrufe bei Clubs, Sammlern, Stammtischen, dem Ford-Werk – kein gutes Exemplar der allerersten Serie aufzutreiben. Erst der Draht zu Sven Papenheim brachte Erfolg: Der Orthopädieschuster aus Dülmen/Westfalen fährt einen selbst restaurierten 68er Ford Transit mit Camping-Aufbau.

Die maßgebliche Schuld am Schwund des Transit trägt sein ausgeprägter Nutzcharakter. Die robuste, anspruchslose Technik hingegen hat das Aussterben nicht beschleunigt. Sicherlich krankten die V4-Motoren am vorschnellen Verschleiß der Kunststoff-Stirnräder für den Nockenwellenantrieb, die metallene Hardware der Triebwerke galt jedoch stets als unkaputtbar.

Federung wie ein Pferdefuhrwerk

Genauso wie das Fahrwerk, das eine Blattfeder-Starrachse nicht nur hinten, sondern auch vorn aufweist. Bei der Probefahrt mit dem weißen Wohnmobil sind denn auch Nehmerqualitäten gefragt. Die Lenkung will mit roher Gewalt Richtung Kurve – und sogar wieder zurück – gedreht werden, die archaische Federung arbeitet ähnlich herzhaft wie die eines Pferdefuhrwerks, der Einsfünfer singt lautstark sein Klagelied.

Immerhin geht es erstaunlich flink voran. 60 PS, auf Wunsch gar 65 im 1,7-Liter – beim VW Bus dieser Ära war mit 47 PS Feierabend. Auch in anderen wichtigen Punkten war der Transit seinem großen Rivalen aus Wolfsburg weit überlegen: Der enorm kurze V4 im Bug schuf üppigen Platz für den durchgehend glattflächigen Laderaum, insgesamt 18 verschiedene Türkombinationen standen beim Kastenwagen zur Auswahl.

Kein Wunder, dass sich der Transit bei uns in den ersten drei Modelljahren über 100 000-mal verkaufte. Sein gleichnamiger Erbe der Gegenwart hat es da schwerer: Sein Layout findet sich in sämtlichen Angeboten der Konkurrenz, Volkswagen inklusive. Dass Turkish Airlines täglich zum Super-Spartarif in den Orient düst und Haushaltsgeräte am Bosporus mittlerweile günstiger sind als in Bottrop, hat damit hingegen nichts zu tun. Auch wenn böse Zungen dies behaupten mögen.

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