Die schöne Alfetta-Familie

Die Alfetta GT und ihre schönen Schwestern Die Alfetta GT und ihre schönen Schwestern Die Alfetta GT und ihre schönen Schwestern

Generationenvergleich: Alfa Romeo Alfetta zwischen 1975 und 1982

— 29.04.2015

Die Alfetta GT und ihre schönen Schwestern

Alfa Romeos schöne Alfetta GT lässt das Herz höher schlagen. Zum 40. Geburtstag hier der große Vergleich der rasanten Alfa-Coupés – und der großen Schwester Berlina.

Alfetta, "kleiner Alfa". Ein verniedlichender Name für ein Auto von großer Bedeutung, eigentlich unpassend für die weit verzweigte und stilprägende Modellfamilie, die in Technik und Design 20 Jahre lang das Bild der Marke aus Mailand bestimmte. Die erste neue Alfetta erschien schon 1972. Die viertürige Limousine erbte die technische Besonderheit der Grand-Prix-Typen 158 und 159 – die Transaxle-Technik mit dem Motor vorn sowie Getriebe, Kupplung und Differenzial an der Hinterachse – und den Namen vom berühmten Vorgängermodell.

Alfa Romeo wird 100 Jahre

Alfa Romeo 158 Alfetta Alfa Romeo 1900 Sprint Alfa Romeo Giulia Berlina
Richtig schön wurde sie erst, als vor 40 Jahren die Alfetta GT erschien. Zwölf Jahre lang war der Gran Turismo im Giugiaro-Design das Gesicht Alfa Romeos. Als die Alfetta GT auf den Markt kam, trug sie sparsam Chrom und Edelstahl und klassische Vierzylinder. 1986, als sie abtrat, waren reichlich Kunststoff und V6-Motoren das Maß der Dinge. Dass vereinzelt sogar Turboaufladung, Dreiliter-V6 und der grandiose V8 des Montreal in der Alfetta GT Platz fanden, passte gut zu ihr – sie war ein Coupé für alle und ein Gran Turismo mit Platz für die ganze Familie.  Ein Hoch auf "La famiglia"!

1975: Alfetta GT 1.8  – die zarte Versuchung

Alfetta 1.8 GT, der kaum verzierte Ur-Entwurf von Giugiaro.

Die Alfetta GT ist kein Bertone, sie ist eine Giugiaro. Und das ist nicht als Entschuldigung gemeint! Dass sie im Schatten des stets beliebten Vorgängers steht, lässt sich nur über das Design erklären, das Alfa Romeo dieses Mal in die Hände des jungen Giorgio gab. Immerhin besitzt sie die raffiniertere, fortschrittliche Transaxle-Technik und de facto den gleichen Motor. Leicht und locker laufende 118 PS leistet der ewig aktuelle DOHC-Vierzylinder, hier in der populären Zwischengröße mit 1,8 Liter Hubraum. Er atmet ganz altmodisch durch 40er-Dell’Orto-Vergaser und trompetet herrlich heiser zum Auspuff hinaus. Dass sich die älteste Alfetta GT der Familie am ehesten nach Klassiker anfühlt, ist auch sein Verdienst.

Der kleinere, noch beherzter drehende 1,6-Liter-Motor, den Alfa 1976 nachreichte, würde ihr auch gut stehen. Weniger als eine Tonne wiegt sie, und in ihrer figurbetonten Urform braucht die Alfetta GT nicht viel, um gut auszusehen: ein kleines Chrom-Herz am Kühler als Schmuck genügt ihr. Als säße er im Formel-Rennwagen, starrt der Fahrer durch sein Holzlenkrad auf den vor ihm liegenden Drehzahlmesser. Allein dafür gebührt dem Designer Dank.

1979: Alfetta 2000 – die vernünftige Alternative

Die Berlina-Limousine, die 1972 wiedergeborene erste neu Alfetta.

Die Berlina-Limousine ist das Original. Hier wurde der Name Alfetta 1972 wiedergeboren, bei ihr feierte die Transaxle-Technik ihr Debüt in der Großserie. Sie begründet eine Tradition des Antriebslayouts, das über 20 Jahre lang die Marke Alfa Romeo prägte und sogar einen öden Alfa Romeo 90 noch technisch gut aussehen ließ. Mit ihrem fein austarierten Gewichtsverhältnis hat sie noch heute das Zeug zum idealen Winterauto für beinahe fünf Erwachsene und jede Menge Gepäck. Wahrscheinlich wurde die Alfetta auch deshalb noch immer gnadenlos verheizt, als Spider und Bertone GT schon längst in der Garage über den Winter gepäppelt wurden.

Die großen Mailänder Berlinetten hatten und haben es schwer: Wer einen Viertürer wollte und will, der greift zur parallel bis 1978 weiter gebauten Giulia. Neben ihr wirkt die erwachsenere Berlina in ihrer schlichten Limousinen-Form wenig inspiriert. Individualisten und italophilen Klassik-Liebhabern mit Nachwuchs spielt das in die Hände, die Technik ist identisch und austauschbar. So wurde im Nachhinein aus einem Zwischenmodell mit alter Front, kleinem Scudetto im Grill, Edelstahl-Stoßstangen und den neuen Türen der modellgepflegten Plastik-Generation eine Sport-Limousine mit üppigem Zweiliter-Triebwerk. Kerniger Motor, feines Fahrwerk, viel Platz und ein Look mit klassischer Note: Gäbe es kein Coupé, wäre dies das Idealbild einer Alfetta.

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1980: Alfetta GTV 2000 – die perfekte Kombination

Perfekt austariert: Die Alfetta GTV 2000 mit Zweiliter-Maschine.

Angesichts der Fülle an Motorisierungen, Modellvarianten und Facelifts, die 15 Jahre Alfa Romeo Alfetta eben mit sich bringen, fällt es schwer, eine Favoritin zu benennen. Wir versuchen es trotzdem: Die ideale Alfetta ist ein 131 PS starker; ab 1979 gebauter  GTV mit dickem Vierzylinder im schlanken Giugiaro-Ur-Design! Mit den kleineren 1,6- und 1,8-Liter-Varianten des Leichtmetall-Vierzylinders gibt das Alfetta Coupé den sportlichen Schöngeist. Flink und handlich sind sie alle. Aber erst mit der Zweiliter-Version wird sie zum echten Gran Turismo, der gepflegtes Reisen bei hohem Tempo verspricht. Gelassenheit ist die Stärke des DOHC-Zweiliters, er liefert Leistung auch ohne Drehzahlgipfel.

Veloce, schnell – so erklärt sich das Kürzel GTV, das in die Dreieckselemente der C-Säule geprägt ist. Noch schneller wäre die Alfetta, würde wegen der langen Wege zum hinten liegenden Getriebe nicht immer irgendwo ein Gang hakeln. Zum perfekten Motor gesellt sich die zarte Keillinie des verwegenen Originalentwurfs. Wem das nicht reicht, der muss ins Exotenfach wechseln, und eine der 400 zu Homologationszwecken gebauten GTV Turbo-delta mit Zweiliter-Turbo und 150 PS suchen. Oder als goldene Mitte die GTV 6.


1982: Alfetta GTV 2.0 – die verlässliche Variante

Aufgefrischte Optik, bewährte Technik: Alfetta GTV 2.0.

Nicht alle Autos haben so viel Glück wie die Alfetta GTV: 1980 sieht sie plötzlich wie neu aus. Moderner, kraftvoller, kerniger. Ein Facelift, das Spuren hinterlässt. Die Alfetta ist groß geworden. Das heißt auch vernünftiger, bequemer, reifer. Alfa Romeo hat die Modellpalette bereinigt, es gibt nur noch die GTV mit Vierzylinder und die GTV 6 mit V6-Triebwerk. Der Fortschritt ist mit den Händen greifbar, vor allem innen. Die neue Kunststoff-Landschaft mit dem konventionell aufgebauten Armaturenbrett ist zwar nicht origineller geraten, fasst sich aber auch nicht mehr so klapprig und lieblos zusammengeschraubt an wie früher. Nach sechsjähriger Bauzeit kommt in der Alfetta-Fertigung so etwas wie Routine auf.

Gefühlt reist es sich zwei Nuancen leiser und komfortabler in der neuen GTV, beinahe wie in einer Berlina. Das und die entschärfte, modernisierte Optik machen sie massenkompatibel, aber nicht beliebig. Gut vorstellbar also, dass die alte junge wilde Kundschaft mitgewachsen ist und den von Drehzahlorgien und Rost gezeichneten Bertone 1750 in den frühen 80ern guten Gewissens gegen eine ladenneue Alfetta GTV eintauscht. Es hilft, dass der Motor rotzig wie immer klingt, weil sich ja sonst auch nichts geändert hat. Der DOHC-Vierzylinder macht weiter wie bisher. Zwei gute Gründe bewirken, dass der Zweiliter-GTV mit 75.000 Stück die beliebteste Alfetta wird: Sie heißen Serie 1 und 2.

1981: GTV 6 2.5 – die sportliche Krönung

Alfetta mit kräftigen Muskeln und sechs Töpfen: GTV 6 2.5 von 1981.

Das Beste zum Schluss? Nein, zur Halbzeit. Dann baut Alfa den neuen Leichtmetall-V6 auch in die Alfetta GT ein. Platz ist ja genug: Weil Alfa für das Auto schon immer große Motoren vorgesehen hatte, wurde die Vorderachse mit Drehstabfederung konstruiert, was Raum für Neuerungen ließ. Die greifen großflächig: Das neue Topmodell der Baureihe heißt nur noch GTV 6. Nach einer Testfahrt durch die Alfetta-Geschichte ist klar: Erst das neue Coupé macht das Angebot rund und schlüssig. Traditionalisten kaufen den günstigeren GTV 2.0 mit Vierzylin-der, modern denkende, leistungsorientierte Alfisti aber greifen zum 2,5-Liter-V6 mit 158 PS. Mit ihm erhalten Fans anstelle eines Gran Turismo einen Sportwagen.

Der V6 verändert die Sicht der Dinge. Im GTV 6 trägt der Alu-Motor Bosch L-Jetronic statt alter Vergasertechnik und brennt sich, kernig brodelnd und mit 205 km/h Spitze, einen Platz im Herzen des Youngtimer- Enthusiasten frei, der lustvoll Rosso Alfa mit matt werdenden Plastik-Anbauteilen kombinieren möchte. Die Muckis stehen dem Alfa gut. Aus der schlanken, hübschen Alfetta GT wird am Ende eben doch noch ein ganzer Kerl.

Die Alfetta GT und ihre schönen Schwestern

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Autor:

Jan-Henrik Muche

Fazit

Wiedersehen macht Freude! Viel zu lange keine Alfetta mehr gesehen, oder? Das liegt wohl daran, dass ihr populäre Schönheiten wie Spider, Giulia und Bertone GT in der öffentlichen Wahrnehmung das Wasser abgraben; auf die drei können sich alle einigen. Die Alfetta ist der Geheimtipp. Mit ihrem dynamischen Giugiaro-Design und der aufwendigen Transaxle-Technik spricht sie Klassik-Liebhaber an, die abseits des Mainstreams fischen, hat aber für jeden Geschmack etwas im Angebot: zwei Karosserieformen, zwei Motoren, drei Serien und vier Hubräume. Meine erste Wahl als Freund des Abseitigen: eine frühe Berlina 2000. Oder andersrum: ein später GTV 6. Hauptsache, Alfetta.

Fotos: Angelika Emmerling

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