GM Motorama

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GM Motorama

— 19.09.2008

Zurück in die Zukunft

Zum 100. Geburtstag erinnert man sich bei General Motors gerne an bessere Zeiten. Die 50er zum Beispiel, als die legendären Motorama-Showcars Millionen Amerikaner fürs Autofahren begeisterten.

Wer sich vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Wirtschaftswunders im Deutschland der 50er Jahre ein Auto leisten konnte, orderte einen VW Käfer. Aus Überzeugung – und aus Mangel an Alternativen. Undenkbar für einen Amerikaner, der zur gleichen Zeit auf die Suche nach einem neuen fahrbaren Untersatz bei einem Autohändler vorstellig wurde. Nach Depression und Zweiter Weltkrieg boomte die US-Wirtschaft. Arbeiter, Mittelstand und die heimkehrenden GIs waren heiß auf neue Jobs, neue Häuser und vor allem neue Autos. Und die großen Drei (Ford, Chrysler und General Motors) bauten den Amerikanern genau die Fahrzeuge, die sie haben wollten. Modern. Groß. Luxuriös. Die goldenen 50er bescherten den US-Autobauern märchenhafte Gewinne und ein scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Ein automobiler Wanderzirkus auf Tour durch die USA

Grell, bunt und modern – die Motorama 1961.

Von der glorreichen Vergangenheit ist wenig geblieben. Durchhalteparolen statt Aufbruchstimmung. Und von Gewinnen spricht bei General Motors (GM), einst größter Autobauer der Welt, schon lange niemand mehr. Da wirft man vor dem Hintergrund des 100. Firmenjubiläums gerne einen Blick in die Archive und schwelgt in einer Zeit, in der die Masse der GM-Neuentwicklungen die Kapazitäten jeder Automesse sprengte. Ein echtes PR-Problem. Das ebenso einfach wie genial gelöst wurde. General Motors organisierte seine eigene Automesse, die "Motorama", und tourte damit durch Amerika. Die Idee des automobilen Wanderzirkus war nicht neu. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg ging der US-Autobauer mit der "Parade des Fortschritts" (Parade of Progress) auf Werbetour und landete auch mit Motorama einen Volltreffer. Von 1949 bis 1961 stürmten rund zehn Millionen Besucher in die GM-Shows. Zu sehen bekamen sie dort neben der kompletten Modellpalette auch jede Menge spektakulärer Designstudien – die meisten davon aus der Feder des legendären Harley Earl, der bis 1958 die Form aller GMs prägte.

Die Motoroma-Showcars trafen den Geschmack der Massen

Harley Earl, bis 1958 Chefdesigner bei GM, zeichnet einen Großteil der Motorama-Showcars. Hier der Buick Centurion aus dem Jahr 1956.

Earl war es auch, der das erste Showcar der Automobilgeschichte bauen ließ. Der Cadillac Y-Job war das erste Auto eines Massenherstellers, das einzig zu dem Zweck gebaut wurde, die Reaktion des Publikums auf ein neues Design zu erkunden. Earls Motorama-Visionen waren richtungsweisend (Chevrolet Corvette), verspielt (Cadillac Cyclone) oder visionär (GM Firebird) und trafen damit genau den Geschmack des Technik-verliebten Publikums. Amerika hatte den Krieg gewonnen, lieferte sich mit den Sowjets ein Rennen um die Vorherrschaft im Weltall und raste mit Düsenjets durch die Lüfte – Motorama lieferte die dazu passenden Fahrzeuge.

Von der Show auf den Schrott

Autos, die mit Hilfe eines intelligenten Navigationssystems immer den richtigen Weg finden, schlüssellose Zugangssysteme, Kameras, die den Rückspiegel ersetzen sollten, Cabrio-Dächer, die sich bei Regen selbsttätig schlossen, automatische Spurhalte-Systeme und Rückfahr-Kameras ließen die Motorama-Besucher von einer grenzenlosen automobilen Zukunft träumen – nur um anschließend, so das Kalkül der GM-Strategen, den Kaufvertrag für einen Buick, Chevrolet oder Pontiac der Gegenwart zu unterschreiben. Eine erfolgreiche Strategie – von der die Showcars allerdings wenig hatten. Viele von ihnen wurden direkt nach den Events verschrottet. Nur wenige der Unikate überlebten das Motorama-Gemetzel und werden heute von Sammlern und den GM-Historikern lediglich zu ganz besonderen Anlässen aus ihren klimatisierten Zeitkapseln befreit. 2008 wurden knapp 30 Motorama-Fahrzeuge im Rahmen des Concours d'Elegance am Pebble Beach gezeigt.

Nicht die Gasturbine der Firebirds schaffte den Sprung in die Neuzeit, sondern die Klimaautomatik.

Harley Earl hätte sich sicher gefreut. Vor allem, weil er mit einer seiner kühnsten Visionen kräftig danebenlag. Inspiriert von den neuen Kampf-Jets der Luftwaffe ließ er ab 1954 drei Generationen des Firebird bauen. Stromlinienförmig wie ein Düsenjet, mit Stummelflügeln und Leitwerk – angetrieben von über 200 PS starken Gasturbinen. Letztere sollte in kürzester Zeit die "altmodischen" Verbrennungsmotoren in den Autos ablösen, scheiterten aber grandios. Zu schwer, zu anfällig, zu durstig. Lediglich die Klimaautomatik, die Earl in die sich extrem aufheizenden Firebird-Cockpits einbauen ließ, schafften wirklich den Sprung in die Neuzeit.

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